Robert Ort, Kreisobmann des Bauernverbandes Erlangen-Höchstadt, sagt es ganz deutlich: "Der Klimawandel ist angekommen." Die erneut sehr ungewöhnlichen Wetterphänomene seit vergangenem Herbst haben die Erntebilanz 2017 entscheidend beeinflusst, wie beim Ernte-Pressegespräch im Vestenbergsgreuther Ortsteil Kleinweisach deutlich wurde.

Gastgeber war in diesem Jahr Alfred Winkler, der rund 200 Hektar Land bewirtschaftet. Der Öffentlichkeit einen Einblick in seine Arbeit zu gewähren, ist für ihn besonders wichtig: "Wir müssen die Leute in die Betriebe reinschauen lassen. Es ist in der Landwirtschaft eigentlich wie im Fußball: Es gibt 80 Millionen Bundestrainer, aber nur die wenigsten kennen sich wirklich aus." Im Jahr 1999 hatte er den Hof übernommen. "Das muss auch das Hobby sein, sonst geht es nicht. Wenn man nur Geld verdienen will, ist die Landwirtschaft der falsche Job", so Winkler.


Erst Hitze, dann Frost

Und ein Job, der sehr wetterabhängig ist. "Das kann innerhalb von wenigen Kilometern ganz unterschiedlich ausfallen. Für den einen war der Niederschlag perfekt, für den anderen war es zu wenig", erklärt Kreisobmann Robert Ort. Grundsätzlich habe es im Herbst 2016 wenig Wasser gegeben, sagt Nikolaus Ehnis vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürth. Es folgte ein strenger Winter. "Das war schwer für sämtliches Getreide und den Raps", so Ehnis. Größere Frostschäden seien aber letztendlich ausgeblieben.

Im März dann die erste Wetterkapriole: "Das war eine Hitzewelle, die beinahe alles kaputt gemacht hätte, wenn es nicht doch noch rechtzeitig geregnet hätte", sagt Ehnis. Bis auf 25 Grad waren die Temperaturen gestiegen, Niederschlag war Mangelware. Als dieser im April dann einsetzte, schwankten die Temperaturen ins andere Extrem. "Es hatte bis zu minus 7 Grad. Das hat so manchem schlaflose Nächte bereitet", so Ehnis. Robert Ort erinnert an die Schäden, die vor allem Obstbauern hinnehmen mussten. Die hohen Temperaturen im März ließen beispielsweise Kirsch- und Apfelbäume früh blühen - und der Nachtfrost im April machte alles zunichte.

Auch die Spargelsaison geriet ordentlich durcheinander. Im März ging es quasi aus dem Nichts zum Stechen auf die Felder. Aber auch hier war der kalte April dann wenig hilfreich. Grünen Spargel aus der Region konnte man deshalb in diesem Jahr so gut wie abschreiben.

Auch das Getreide hatte mit dem Wetter durchaus zu kämpfen: "Der schnelle Wechsel von kalten Nächten und warmen Tagen hat geschadet", sagt Ehnis. Die meisten Schäden hätten sich allerdings glücklicherweise in der Folgezeit verwachsen.

Das Fazit zum Wetter: Der Niederschlag fiel sehr ungleichmäßig, aber meistens noch gerade so zum richtigen Zeitpunkt.


Weizen, Gerste und Raps

Was kommt für die Landwirte der Region also am Ende bei der diesjährigen Ernte von Wintergerste und -weizen herum? "Ich rechne mit Durchschnitt", sagt Landwirt Alfred Winkler. "Wir müssen zufrieden sein. Die letzten zwei Jahre waren ganz schlecht gewesen."

Beim Raps sei laut Robert Ort hingegen noch nicht abzuschätzen, wie die Ernte ausfällt. "Der Raps ist heuer unser Sorgenkind. Er wurde in der Blüte volle Kanne vom Frost erwischt. Ertragsschätzungen sind sehr mit Vorsicht zu genießen."

Die vorgezogene Blütezeit sei allgemein das große Problem, dem sich die Landwirte wegen des Klimawandels stellen müssen. "Wenn das Klima normal wäre, dann würde der Frost nicht stören. Aber so trifft er die Pflanzen in der Blüte", sagt Robert Ort. Hinzu kommt, dass der Verkaufspreis am Ende auch durch den Weltmarkt bestimmt wird. Wie fällt die Ernte in Nordamerika aus? Wie in Spanien und dem Rest der EU? Lohnt es sich, das eigene Getreide möglichst schnell zu vermarkten? Oder doch lieber für bessere Zeiten einzulagern, was aber mit Kosten verbunden ist? Das alles entscheidet zusätzlich, wie lukrativ die Ernte am Ende war. Nach dem Wetterroulette müssen sich die Landwirte also quasi der Verkaufsbörse stellen. Und auf einen guten Kurs hoffen.