Felicitas Weiß ist 26 Jahre jung, Hausfrau und Mutter, und sie hat keinen Führerschein. Genau das kann jetzt zum Problem werden. Denn wenn ihr vierjähriger Sohn Ben vom Kindergarten "Vogelhaus" in der Flughafenstraße bald nach Haundorf ausweichen muss, dann hat die junge Frau eine echte Sorge. Wie kommt sie dahin?

Ähnlich ergeht es Silvia Gansmann-Maier, einer allein erziehenden Mutter. Ihr Sohn Steven ist fünf Jahre alt und besucht ebenfalls das "Vogelhaus". Auch die 45-Jährige ist nicht mobil und fragt sich, wie sie den Weg in den Ortsteil künftig bewältigen soll, ohne lange Buszeiten in Kauf zu nehmen. Das sind zwei von mehreren möglichen Härtefällen, die durch den vorübergehenden Umzug der Einrichtung entstehen können.

Weil die Stadt überraschend noch in den Genuss hoher Zuschüsse kommen kann, drängt Bürgermeister German Hacker (SPD) auf eine schnelle Entscheidung.
Die Kindertagesstätte (zurzeit vier Gruppen) soll nämlich neu gebaut werden, und zwar nur für zwei Krippengruppen. Die Container, ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogen, sollen deshalb früher als vorgesehen verschwinden. Der Neubau muss allerdings 2014 fertig sein, dann gibt's eine Förderung von 60 Prozent. Eine lukrative Sache, weshalb im Hauptausschuss schon Planungskosten eingestellt worden sind. Und einen Architekten hat man auch schon gefunden.

Hilfe bei Härtefällen

Das allerdings setzt einen Umzug der Kinder in andere Gebäude voraus, spätestens ab Jahresbeginn 2014. Man hat sich auf Haundorf geeinigt, weil das Haus zu diesem Zeitpunkt dort leer stehen wird (der FT berichtete). Doch liegt der Ortsteil etwa fünf Kilometer entfernt. Was manche Eltern vor ein logistisches Problem stellen wird.
Bürgermeister German Hacker beruhigt. Sollte es Härtefälle geben, werde man eine Lösung finden, sagte er auf Anfrage des FT. Bei solchen Fällen, wenn es denn nicht zu viele sind, könne man eventuell einen Busshuttle einsetzen und die Fahrtkosten so bezuschussen, dass für die Betroffenen nur noch ein geringer Beitrag bliebe. Voraussichtlich werden laut Aussage des Bürgermeisters im Kindergartengebäude in Haundorf zwei größere Gruppen gebildet werden können. Hacker bremst aber auch. Für konkrete Aussagen sei es noch zu früh. Denn der Träger der beiden benachbarten Einrichtungen in der Flughafenstraße (Vogelhaus und Villa Herzolino), die evangelische Kirchengemeinde, ist derzeit dabei, exakte Zahlen zu ermitteln. Auch wird besprochen, ob denn eventuell eine Zusammenlegung beider Stätten möglich wäre.

Auch sei es sogar noch möglich, dass man von dem Vorhaben wieder abrückt. Das müssen die Unterredungen jetzt zeigen. Natürlich sei es das primäre Ziel, eine neue Krippe zu bauen, um die Zuschüsse zu bekommen, sagt Hacker. Wenn das aber nicht funktioniert, müsse man neu überlegen.
Ein Beschluss soll im Kulturausschuss am 7. Mai fallen.

Was ist nach der Rückkehr?

Grundsätzlich gegen einen Umzug nach Haundorf eingestellt ist auch Silvia Gansmann-Maier nicht: "Wenn es eine Fahrgemeinschaft oder einen Bus geben würde, dann wäre das schon ok", sagt sie. Denn wie viele andere Eltern auch erkennt sie den Reiz eines schnellen Neubaus für die Stadt durchaus an.

Verunsichert sind aber manche Eltern über die Zeit danach. Wenn der Neubau nur Krippenkinder aufnehmen darf, wohin also mit den älteren Schützlingen, wenn man wieder zurückkehrt? Für Elternbeirätin Sandy Steiner wäre der Umzug das kleinere "Übel", wenn denn die Kinder mit ihren Freunden und Bezugspersonen zusammenbleiben könnten. Und weiter: "Würden wir dann 2014 gemeinsam zurückkehren können, wäre das toll." Denn eine Verteilung der Kinder auf Herzogenauracher Kindertagesstätten, weg von Freunden und Bezugspersonen, hält sie nicht für pädagogisch wertvoll.

Diese Ansicht teilt Miriam Mudura. Für viele Eltern ist es ihrer Ansicht nach wichtig, "dass die Kinder, die jetzt im Kindergarten ihre Freunde gefunden haben und ihre Betreuer sehr schätzen, nicht in eine unsichere Kindergarten-Zukunft geschoben werden". Zumal ja für die Älteren im Neubau dann ja kein Platz mehr wäre.

Zu Haundorf selbst hat Miriam Mudura eine Kostenrechnung aufgemacht. So habe man mit dem Auto nun wöchentlich 100 Kilometer Kindergartenweg (viermal fünf Kilometer am Tag). Das ergäbe eine monatliche Mehrbelastung von 50 Euro.

Anrecht auf einen Platz

Die Rückkehr nach der Zeit Haundorf ist auch die Sorge von Oliver Weiß, dem Vater des kleinen Ben. Der Bub wird dann noch ein Jahr im Kindergarten verbringen. Man habe im Vogelhaus einen Kindergartenplatz gebucht, erkenne jetzt aber keine klare Zukunft.

Darauf hat German Hacker eine Antwort. "Die Kinder haben ihren Platz sicher", stellt er fest und verweist auf das Anrecht auf einen Kindergartenplatz.