"Irgendwann", so stellt Werner Biermann fest, "ist halt mal Schluss." Für den Betreiber des Elektronikladens Schlederer und Biermann bedeutet das, dass er nach fast 30 Jahren in der Hauptstraße sein Geschäft schließt. Weil er im April 66 Jahre alt wird und weil es keinen Nachfolger gibt. Der zweite Laden in Höchstadt, einschließlich Werkstatt, werde aber aufrechterhalten.

Was aus dem Geschäftshaus in bester Innenstadtlage wird, ist indes ungeklärt. Besitzer Gerhard Welker will das erst in Ruhe mit seiner Familie besprechen. Möglich ist für ihn sowohl auch weiterhin eine Verpachtung als auch ein Verkauf des Gebäudes. Dann aber sollte gewährleistet sein, dass der Betrieb "dynamisch weitergeführt wird". Für Welker bedeutet das, dass auch weiterhin nur eine gewerbliche Nutzung in Frage kommen kann. Fürs Wohnen sei der Zuschnitt nicht geeignet.

Auch nach Ansicht von Bürgermeister German Hacker (SPD) sollte sich eine neue Nutzung dort finden. "Das ist eine A-Lage", sagte er auf Anfrage des FT. "An dieser Stelle ist ein Laden das richtige." Womit er auch verdeutlicht, dass sich die Stadt da nicht einmischen werde. Oder sich gar selbst als Mieter oder Käufer ins Spiel bringen wolle. "Ich mache mir da keine wirklichen Sorgen. Wir beobachten das."

Service als das A und O

Judith Jochmann, die Verantwortliche fürs Stadtmarketing im Rathaus, bietet Interessenten die Hilfe der Stadt an. "Wir erhalten ja auch viele Anfragen und können Kontakte vermitteln", sagt sie. Stellt aber gemeinsam mit dem Bürgermeister ebenso fest: "Wir können nicht als Makler auftreten." Und ein eigenes Interesse, das Anwesen zu erwerben, habe man auch nicht.

Werner Biermann verdeutlichte im FT-Gespräch, dass er allein aus Altersgründen nun aufhöre. Das Geschäft selbst sei in Ordnung gewesen und hätte auch einem Nachfolger eine Existenz geben können. Der kleine Betrieb habe sich mit Service und Dienstleistung gegen die großen Ketten behauptet, denn "der Service ist das A und O." Und das werde auch weiter so sein. "Wer uns anruft", so Biermann, "wird nach wir vor bedient." Das übernehme künftig der Laden in Höchstadt. Und dort sei die Werkstatt selbstverständlich ja auch weiterhin für die Kunden aus Herzogenaurach da. Die bekannte Herzogenauracher Telefonnummer werde einfach umgestellt.

Am 21. März ist der letzte Verkaufstag. Dann wolle man wohl nicht nur das restliche Angebot - vor allem Elektronikgeräte aus dem Bereich der Unterhaltung, wie TV oder Hifi - zum Spezialpreis verkaufen, sondern den Kunden auch ein Glas Sekt anbieten. Immerhin hat die Firma eine lange Geschichte und ist seit 15. Mai 1986 in der Hauptstraße und zuvor seit 1981 im Steinweg ansässig.

Einer der treuen Kunden ist Jochen Brehm. Der Unternehmensberater kaufte gerne bei Werner Biermann. Nicht nur weil er ihn von der Werbegemeinschaft her kennt, sondern "weil ich vor Ort kaufe. Beratung, Service und Preis stimmen hier einfach." Das kann auch Brigitte Adler bestätigen. "Der Service war Spitze", sagt die Kundin.

So wird manch Herzogenauracher diese Ladenschließung mit Skepsis verfolgen. Gerhard Welker erinnert sich an die 50-er Jahre und die Erzählungen seiner Eltern. "Da war ja fast in jedem Haus ein Geschäft", sagte er. "In Herzogenaurach hat man damals alles bekommen." Ganz soweit gingen die Leute am Stammtisch in der Braustube Heller nicht zurück. Da wurde am Mittwoch über eine leere Hauptstraße philosophiert und festgestellt, dass zu Zeiten von Sport Hoffmann oft kein Durchkommen gewesen sei.

Haus Das Gebäude in der Hauptstraße 29 ist über hundert Jahre alt und steht unter Denkmalschutz. Bevor Schlederer und Biermann einzogen, war dort folgende Nutzung: Lebensmittelmarkt Konsum in den 50-er Jahren, Verkaufsstätte von BMW Wormser, Bekleidungsfirma S-Ecke.

Firma Gegründet wurde die Firma Schlederer und Biermann unter dem Namen VML (Video-und Musikladen). Geschäftsführerinnen sind seither Brigitte Schlederer und Maria Biermann. Begonnen wurde am 23. Januar 1981 im Steinweg mit einem Videoverleih. Der zog in die Würzburger Straße, am Steinweg wurde das TV-und Hifi-Geschäft aufgebaut. Auch Schallplatten wurden verkauft. Seit Mai 1986 ist man in der Hauptstraße.

Standorte Maria und Werner Biermann führen das Haus in Herzogenaurach, Brigitte Schlederer ist für den Laden in Höchstadt zuständig. Dort ist auch die Werkstatt.