"Mit 14 Jahren wollte ich schon Pfarrerin werden." Bettina Witte lacht auf. "Es ist doch ein Beruf wie viele andere auch." Na ja, die meisten Mädchen mit 14 träumen eher von der Modellkarriere, vielleicht von dem Märchenprinzen, der sie irgendwann auf einem Pferd abholt und vielleicht auch davon, mal Lehrerin zu werden - doch Pfarrerin?

Die heute 29-Jährige hat ihr Ziel fast erreicht. Es sind noch drei Tage, dann ist sie Pfarrerin. Bettina Witte wird am 3. März um 19 Uhr in Herzogenaurach in das geistliche Amt einer Pfarrerin eingeführt. Der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde lädt zu dieser Ordination und Installation der Pfarrerin ein.
Unter den Gästen wird der Regionalbischof des Kirchenkreises Nürnberg, Oberkirchenrat Stefan Ark Nitsche sein. Er wird zur ersten Ordination in der "neuen" evangelischen Kirche in Herzogenaurach sprechen und dieselbige vornehmen. Die Installation erfolgt durch Dekan Peter Huschke.

Unter den Gästen ist aber auch Pfarrer Jürgen Dolling. Der kommt extra aus Würzburg und ist irgendwie mit dran Schuld, dass Witte sich für diesen Beruf, diese Berufung entschieden hat. Er leitete vor 15 Jahren den Konfirmationsunterricht und begeisterte offensichtlich die junge Frau.

"Mit Kindern zu arbeiten war schon immer meins", erklärte die in Hausen aufgewachsene Frau. "Schon während der Schulzeit verbrachte ich viel Zeit in der Kirche, im Gemeindehaus." Kinder- und Jugendgottesdienst, Konfirmantenzeiten - die Entscheidung, dort beruflich aktiv zu werden, war längst gefallen.


Fest verwurzelt



Der erste große Schritt, gibt Witte verschmitzt lächelnd zu, war der einer großen Reise. Nämlich von Oberfranken nach Mittelfranken, von Hausen nach Baiersdorf - immerhin ein Sprung von gut und gerne drei Kilometern. "Ich bin und bleibe eine eingefleischte Fränkin", erklärt sie. Umso erfreuter war sie, dass mit dem Ablauf des Vikariats in Baiersdorf die Möglichkeit bestand, eine halbe Stelle in Herzogenaurach zu besetzen. Das in Kombination mit einer weiteren halben Stelle im Erlanger Stadtteil Bruck.

"Die Auswahl erfolgte über eine Stellenliste. Es werden Listen verschickt, auf denen die zu besetzenden Kirchen stehen: eben auch Herzogenaurach." Die nächsten drei Jahre ist sie nun Pfarrerin ZA (zur Anstellung). Das funktioniert in der protestantischen Kirche analog zum Beamtenrecht. Nach drei Jahren darf sie sich dann wegbewerben auf jede freie Stelle, die es in der bayerischen Landeskirche gibt. Ob sie das möchte, ist etwas anderes.

Herzogenaurach kenne sie noch nicht so gut, erläutert sie im Gespräch. Da sie bereits in Münchaurach in der Schule den Religionsunterricht übernommen hat, fährt sie seit gut zwei Wochen an Herzogenaurach vorbei. "Klar, ich kenne das Atlantis, Puma und Adidas." Denn wenn die Geschwister sie besuchen kommen, wollen die dorthin zum Einkaufen. "Und den Flugplatz kenne ich, da bin ich mit einem Bekannten mal zu einem Rundflug gestartet."


Am 3. März geht's richtig los



Sie freut sich auf die neue Aufgabe. Immerhin fast 6000 "Schäfchen" gilt es zu betreuen, zusammen mit ihren Kollegen. "Ich freu' mich auf hier, bin gespannt auf die Menschen, die mir hier begegnen." Das Aufgabenfeld wird sich in den nächsten Wochen und Monaten klären. Das Zusammenspiel mit der halben Stelle in Bruck wir deine entscheidende Rolle spielen.

Nach Bruck, in das dortige Pfarrhaus, wird sie eventuell auch umziehen - noch ein Stück von Oberfranken weg. Ein Stück weg von der Gemeinde, die sie die letzten drei Jahre bis zum 19. Februar betreut hat. In einem Abschiedsschreiben bekundete sie: "Vieles wird mir unvergessen bleiben: Für unseren ökumenischen Stand am Krenmarkt haben Sie mich zum Osterhasen gemacht. Ich hatte ein tatkräftiges Team, das mich bei meinem Gemeindeprojekt, den Nikolauslichtspielen unterstützt hat. Fest ans Herz gewachsen ist mir unsere Mädchengruppe, die Wilden Hühner. Die meisten von Ihnen sind mir mit viel Vertrauen und Offenheit begegnet, haben mich an Geburtstagen wie selbstverständlich in ihre Häuser gebeten und ließen mich an ihrem Leben Anteil haben." Und sie sagte: "Wenn ich Ihnen etwas schuldig geblieben bin, bitte ich Sie hiermit um Verzeihung!"

Wer im Übrigen glaubt, Bettina Witte schon einmal im Fränkischen Tag gesehen zu haben, der hat natürlich recht. Denn beim Wettbewerb "Das coolste Haustier" hat sie im vergangenen Jahr mitgemacht. Mit den beiden Schweinen Oskar und Amanda hatte sie sich beworben. Zu denen ist sie eigentlich gekommen, weil sie einer Freundin, die eine Tierhaarallergie hat, ein Geschenk machen wollte. "Auf Borsten ist sie nämlich nicht allergisch und somit wollte ich ihr zur Hochzeit zwei Minischweine schenken."

Daher habe sie sich intensiv mit diesem Haustier auseinandergesetzt und die Rüsseltiere ins Herz geschlossen. So überrascht es nicht, dass sie sich nach dem Tod ihrer Katze entschloss, zwei solcher Hausgenossen zu adoptieren. Also ist es an dieser Stelle sicher nicht falsch, Bettina Witte für ihren Dienst in Herzogenaurach und in Bruck alles Gute und viel Schwein zu wünschen!