Lynn Thiermeyer hat ein Faible für Schuhe. Doch anstatt darauf zu warten, bis die Trends von morgen in den Läden erscheinen, griff die 18-Jährige lieber selbst zu Stift und Papier und entwarf ihre Vorstellung eines modernen Schuhs. Diesen präsentierte die angehende Abiturientin am Donnerstagabend im Rahmen einer Vernissage gemeinsam mit ihren Kollegen des P-Seminars "Kunst und Design - Von der Skizze zum Modell" in den Räumen des Gymnasiums Herzogenaurach.

Erleichtert und zugleich mit Stolz erfüllt blickt Thiermeyer auf das Grobmodell ihres Schuhs. Mehrere Skizzen und Versuche hatte sie benötigt, um die schwarzen Sandalen nach ihren Wünschen zu gestalten. Das größte Hindernis dabei war das "perfekte Bild aus dem Kopf auf das Papier zu bringen".

Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. So zieren schwarze, geschwungene Leder-Riemen den Fuß, der von einer multifunktionellen Sohle getragen wird. Schließlich spielte besonders die Flexibilität der Allzweck-Sandalen eine große Rolle in den Planungen der 18-jährigen Designerin: "Ich habe einen Schuh entworfen, der elegant und zugleich multifunktional sein soll. Sprich eine Sandale, die sowohl im Restaurant als auch am Strand oder bei besonderen Anlässen getragen werden kann." Dabei lässt sich der hintere Lederreifen, der normalerweise die Ferse umgibt, leicht abschnallen und zum Armbändchen umfunktionieren.


Tolle Ideen der Schüler


Genau das sind die Ideen, die auch der zuständigen Kunstlehrerin und Seminarleiterin, Alexandra Böhm, gefallen. Diese zeigte sich bei der Präsentation mit den Ergebnissen ihrer 14 Schüler äußerst glücklich.

Um die Kreativität aller Kursteilnehmer weiter voranzutreiben, hatte die Lehrkraft Kontakt zum Kreativzentrum des Sportartikelherstellers Adidas hergestellt und zwei wahre Fachmänner auf ihre Seite geholt. So statteten die beiden Designer Stephan Dietrich und Axel Rezab dem Kurs einmal pro Woche einen Besuch ab und gaben den zukünftigen Abiturienten einige Tipps und Ratschläge bei den Entwürfen ihrer Schuhe.

Zwischenzeitlich wurde sogar geplant, Prototypen der besten Entwürfe in Kooperation mit Adidas anzufertigen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. "Es ist so, dass zurzeit einige wichtige Projekte bei Adidas laufen und sie sich zurzeit einer Highphase befinden. Und wenn man bedenkt, dass pro Schuh etwa 50 Stunden Arbeit aufkommen würden, ist es völlig klar, dass das derzeit leider nicht realisierbar ist", erklärt Böhm im Gespräch. Um den Vernissage-Besuchern dennoch "etwas Greifbares" zu präsentieren, wurden bedruckte Grobmodelle aus Stoff und Karton angefertigt. Diese dienen Designern normalerweise als erste Visualisierungshilfe.


Designer könnten profitieren


Für Alexandra Böhm endet somit ein gelungenes P-Seminar, bei dem alle Beteiligten von der Zusammenarbeit profitierten: "Vieles habe auch ich nicht gewusst. Zum Beispiel, dass Design weniger das Aussehen, sondern auch die Funktion des Schuhs beschreibt. Und vielleicht haben die beiden Designer ja auch mithilfe von unseren Entwürfen neue Ideen bekommen."