Erhaltenswert oder nicht? Eine Frage, über die bei alten sanierungsbedürftigen Bauwerken die Meinungen immer auseinander gehen. Was der eine gerne retten möchte, ist für andere reif für den Abriss und nur noch ein Fass ohne Boden. In einem Hinterhof zwischen Hauptstraße und Kirchplatz in Höchstadt verschwindet in diesen Tagen ein kleineres Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert, das zu einem solchen Streitfall geworden ist.
Thomas Wenderoth, für den Landkreis Erlangen-Höchstadt zuständiger Experte beim Landesamt für Denkmalpflege, ist sich diesmal mit einem Nachbarn des barocken Häuschens - mit dem Wenderoth auch schon bis aufs Messer gestritten hat - einig: der Anbau mit seinem verputzten Fachwerk im Hinterhof hätte saniert werden sollen.
Der Versuch des Nachbarn, das Häuschen zu kaufen und zu sanieren, fand bei dessen Eigentümer keinen Gefallen. Nicht durchsetzen konnte sich auch Thomas Wenderoth, der als Vertreter des Denkmalschutzes den 2009 gestellten Abrissantrag ablehnte.
Das Landratsamt erteilte die Abrissgenehmigung entgegen der Empfehlung des Denkmalschutzamtes. Auch die Stadt Höchstadt hatte gegen den Abriss nichts einzuwenden.
Wenn jetzt die letzten Mauerreste fallen, hat der Eigentümer das Recht auf seiner Seite. Im Gegensatz zum Hauptgebäude auf diesem Grundstück, das mit seiner beeindruckenden Barockfassade die Hauptstraße ziert, stand der Anbau selbst nicht unter Denkmalschutz.
Nach den Richtlinien der Städtebauförderung habe das Landratsamt in Abstimmung mit der Stadt Höchstadt die Abrissgenehmigung 2009 erteilt, erklärte auf Anfrage Landratsamt-Sprecherin Hannah Reuter.
Ein solches Haus dürfe abgerissen werden, wenn an der selben Stelle ein fast identisches Bauwerk wieder errichtet wird. Das Häuschen gehörte zwar zur Anordnung des denkmalgeschützten Gebäudes, stand aber selbst nicht unter Schutz.
Der Eigentümer des Grundstücks betont, durchaus einen Sinn für den Denkmalschutz zu haben, was man am Vorderhaus auch erkennen könne. Der Anbau sei allerdings nicht mehr erhaltungswürdig gewesen. Er kündigt an, an dieser Stelle einen Ersatzbau errichten zu wollen, "im fränkischen Baustil".
Das Häuschen aus dem 18. Jahrhundert wurde einst zu Wohnzwecken und als Lager für eine Druckerei genutzt. In den 70er Jahren war im Obergeschoss für einige Zeit auch die Höchstadter Lokalredaktion des FT untergebracht.