Nun steht er, der Neubau in Kriegenbrunn. Der Dachstuhl ist aufgerichtet, dadurch sind die baulichen Dimensionen deutlich zu erkennen. Daneben schrumpft die Wehrkirche regelrecht: Das bisher dominierende Gebäude mit seiner Wehrmauer verliert an Ausdruckskraft. Denn das neue Wohnhaus ist direkt an die spätmittelalterliche Wehrmauer angelehnt.

Thomas Goppel, Vorsitzender des Landesdenkmalrats Bayern, sah in dem Bauvorhaben einen "Substanzverlust örtlicher Einmaligkeit in Kriegenbrunn". Auch Jutta Triantafyllidis, Leiterin des Museums im Amtshausschüpfla in Frauenaurach, äußerte ihr Unverständnis und war "geschockt von der geringen Achtung, die man einem alten Bauwerk gegenüber zeigt".

Neubau im Erlanger Stadtteil Kriegenbrunn: Vorhaben ist ein "Substanzverlust örtlicher Einmaligkeit"

Der Verlierer ist die Kirche mit der alten Wehrmauer. "Wir können nicht verstehen, warum man so ein neues Bauwerk, ein Fünffamilien-Bauwerk, in die Dorfmitte eines alten gewachsenen Dorfes baut, in einen Dorfkern, in dem bisher nur Einfamilienhäuser standen", so Triantafyllidis. Auch das Engagement von Stadtheimatpfleger Konrad Rottmann hatte nur wenig Erfolg, dem Bau etwas entgegenzusetzen.

Durch Erbteilung war auf einem Areal östlich der Kirche um 1750 ein Wohnstallhaus als Taglöhnerhaus direkt an der Straße entstanden, wie es häufig üblich war. Die zweizonige und zweireihige ursprüngliche Scheune im rückwärtigen Grundstück musste 1910 einem Neubau weichen.

Nach dem Abbruch der dreiseitigen Hofanlage wurde das Fünffamilienwohnhaus mit hohem Satteldach auf dem Areal errichtet.

Der Kirchturm stammt wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert

Im Gegensatz zur ursprünglichen Anordnung liegt das neue Wohngebäude aber nicht mehr an der Straße, sondern rückte an die Kirche heran. Diese Kirche ist der einzige Sakralbau im Stadtgebiet von Erlangen, der als Dorfkirche bezeichnet werden kann.

Der massive Chorturm wurde vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet, das Langhaus dürfte dem 15. Jahrhundert angehören. Größere Reparaturen waren vor allem nach dem dreißigjährigen Krieg nötig, dazu kommen noch weitere Baumaßnahmen in mehreren Jahrhunderten. Der dreigeschossige, quadratische Turm mit einem spitzen, pyramidenförmigen Dach birgt im Untergeschoss auf einer Sandsteinmensa einen kleinen Flügelaltar mit einer Mutter-Anna-Dreiergruppe aus der Zeit um 1.500.

Erhalten hat sich auch das Chorgestühl aus dem 16. Jahrhundert. Das Langhaus steht in Flucht mit dem Turm und wird von einer flachen Bretterdecke überwölbt. Belichtet wird das Langhaus durch drei schmale Fenster.

Vieles ist erhalten geblieben

Erhalten haben sich an den Langhauswänden Malereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, mehrere Heilige, eine Muttergottes im Strahlenkranz und eine Kreuzigungsszene. Eine schmucklose Westempore vervollständigt die Ausstattung. Erhalten hat sich auch ein Teil Kirchhofbefestigung.

Die Stadt Erlangen hatte das Bauvorhaben auf den Weg gebracht, ohne die Stellungnahme des Landesdenkmalrats im Vorfeld abzuwarten, was bei einem Bauvorhaben an einer derart sensiblen Stelle unabdingbar ist.