Die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich ermutigte die Delegierten des Kreisverbands Erlangen-Höchstadt am vergangenen Freitag regelrecht zu Gegenstimmen: "Ein 100 Prozent Wahlergebnis ist nicht immer gut", sagte sie. Und fügte schmunzelnd hinzu: "Ich gebe zu, ich habe ein Martin-Schulz-Trauma." Dennoch wurde sie, die sich als einzige Bewerberin zur Wahl stellte, einstimmig zur Kandidatin für das Amt der Landrätin nominiert.

"Sie ist ein echt fränkisches Madl", erklärte Melitta Schön, Altbürgermeisterin von Heroldsberg in einem warmherzigen Grußwort. "Sie kann zuhören, und ist auf dem Land zu Hause. Sie kennt das Leben in einer Dorfgemeinschaft, wo man sich noch grüßt. Ich treffe sie überall, auf Kirchweihen, Feuerwehrfesten und bei unserem Straßenfest in Heroldsberg. Sie setzt sich für eine gute Gesundheitsversorgung ein, nicht zuletzt durch das Krankenhaus in Höchstadt."

German Hacker, Bürgermeister von Herzogenaurach, bezeichnete Stamm-Fibich als Energiebündel. "Ich brauche am Freitagabend erst einmal einen Espresso, um wieder fit zu werden, während Du aus Berlin kommst und sofort energiegeladen bist!" Auf ihren Größenunterschied anspielend: "Du willst nie mit mir aufs Foto - aber das will der bisherige Landrat auch nicht." Hacker hob ihre Fähigkeit, Stadt und Land zu verbinden, hervor, und würde gerne Seite an Seite mit ihr für die Stadtumlandbahn kämpfen.

Ich werde von vielen im Bund um unseren Landkreis beneidet", so Stamm-Fibich. "Vollbeschäftigung, Global Player, Ausbildungsplätze - es geht uns gut. Anders als andere Abgeordnete kehre ich am Wochenende hierher zurück."

Auf Veränderungen achten

Mit Blick auf die Partei meinte sie: "Wir sind in keiner komfortablen Lage. Die Dinge, die wir vorantreiben, kommen bei den Menschen nicht an." Sie appellierte, dennoch weiterzumachen. Mit Blick auf die Vorkommnisse in Halle sagte sie: "Es verändert sich etwas in diesem Land. Die Polizei ist auf dem rechten Auge blind, und wir sind da, wo wir schon mal waren. Das, was heute an jedem Stammtisch gesagt wird, wurde in diesem Land schon mal gesagt. Da müssen wir gegenhalten."

Die aktuelle Klimadiskussion begrüßte sie als Aufwind für den schienengebundenen Nahverkehr. "Ich hoffe, dass wir die Verlängerung der Stub in den Osten schaffen." In punkto Bildung sieht sie große Aufgaben mit den Gymnasien in Spardorf und Herzogenaurach. Auch möchte sie über Wohnungsbaugesellschaften mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das Thema Pflege liegt Stamm-Fibich sehr am Herzen. In vielen Bereichen sei der Mangel an ambulanten Diensten bereits eklatant. Es sei auch wichtig, älteren Menschen, die daheim leben, eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

Kreisvorsitzender Fritz Müller zeigte sich zufrieden mit dem Wahlergebnis und dankte Stamm-Fibich, dass sie parallel zu ihrem Bundestagsmandat auch noch Wahlkampf vor Ort mit betreibe.