Das hohe Tor aus hellem Holz ist ganz neu. Doch es grenzt rechts und links an alte Bausubstanz. Viel Sandsteinmauerwerk und am Hauseck sogar ein behauener Pilaster mit zierlichen Ranken. Das ist der erste Eindruck vom Anwesen Engelgasse 3 in Höchstadt.

Der Bauernhof, der laut Immobilienmakler Christoph Heitzer bis etwa 1985 bewirtschaftet wurde, dürfte der letzte seiner Art in Höchstadt sein. Der letzte ohne Umbauten und Sanierung zumindest. Das Krüppelwalmdach und vor allem die Eckpilaster sprechen für eine Entstehungszeit um 1750. "Das Wohnhaus ist zur Hugenottenzeit gebaut worden", weiß einer der Miterben. Die Scheune im hintern Teil des Grundstücks ist nach Angaben des Denkmalschutzes noch um gut 50 Jahre älter. Das sieht man als Laie so nicht, wenn noch dazu ein modernerer Traktor darin untergestellt ist.

An der Scheune hat der Zahn der Zeit kräftig genagt. Die tragenden Balken am Eingangstor sind schadhaft und müssen bald ersetzt werden, soll das Fachwerk-Gebäude nicht aus dem Lot geraten. Dennoch ist sie wegen der jahrhundertealten Bausubstanz erhaltenswert, ergibt sich aus einem Gutachten der Denkmalschützer. Die Fachleute gehen von Kosten zwischen 35 000 und 40 000 Euro aus, die man braucht, um Balkenwerk und Dach zu erneuern und die Sandsteine zu unterfangen, auf denen die Holzkonstruktion ohne modernes Fundament aufgerichtet wurde.

Das Anwesen liegt innerhalb der dritten Stadtmauer Höchstadts. Es grenzt im Osten an den Schäfergraben. In den Gassen ringsum waren wohl lauter Bauernhöfe. Dafür sprechen schon die erhaltenen Straßennamen wie Große und Kleine Bauerngasse.

Nicht auszuschließen ist, dass ein Teil der im Anwesen verbauten Sandsteine von den ehemaligen Befestigungsanlagen stammen, sind es doch sehr große regelmäßig behauene Quader, die in der ehemaligen Remise vermauert sind.

Dass die letzten Bewohner offenbar nicht zu den Fortschrittsgläubigen der 60er Jahre gehört haben, ist ein Glück für die heutigen. Im Gegensatz zu Anwesen in der Nachbarschaft ist der originale Baukörper noch erhalten, sogar noch einige der Fenster, die Haustür und die Laibung aus Sandstein. Nur die Treppenstufen sind im letzten Jahrhundert ausgewechselt worden. Mit Stufen aus dem modischen Kunstmarmor eben der 60er, als es landauf, landab in Mode kam, alte Häuser aufzuhübschen. Durch breite Fenster, die nicht zu den Gebäudemaßen passen, oder durch Glassteinwände in Treppenhäusern.

All diese Verunstaltungen hat der konservative Sinn der letzten Bewohner verhindert. Er ist auch der guten Stube des für seine Entstehungszeit großzügig und mit gutem Material erbauten Wohnhauses zugute gekommen. Schablonenmalerei, die vermutlich an die 100 Jahre alt ist, hat sich großflächig erhalten.Und die alten Möbel auch. Etliche Generationen dürften die Schränke genutzt haben. Dafür hat die ehemalige Schlafkammer nicht mal einen Stromanschluss, aber wenigstens einen Ofen.

Das Anwesen steht nun zum Verkauf. Die Enkel der letzten Bewohner hätten kein Interesse daran, wohnen sie doch nicht am Ort, sagt der Miterbe.