Letztlich fiel der Beschluss im Bauausschuss einstimmig: In der Badgasse 5 beharrt die Stadt auf eine so genannte Raumkante. Das schließt zwar einen Abbruch des Gebäudes nicht aus, gilt dann aber auch für einen vergleichbaren Neubau. Der muss dann in etwa die gleichen Maße haben, damit die Badgasse ihren mittelalterlichen Charakter als Kreuzgasse nicht verliert.

Der Ausschuss befasste sich am Donnerstagabend mit einem Gesuch von Jürgen Rattmann. Der möchte das etwa 300 Jahre alte Haus abbrechen und fragte nun nach einer Genehmigung nach. Der Bauausschuss äußerte nur einen Wunsch, denn die Frage "Abbruch oder nicht?" sei Sache der Denkmalschützer am Landratsamt. Einmischen wollten sich die Räte da nicht, einige äußerten aber sehr wohl ihre Meinung.


Denkmalschutz nicht überziehen


Zurückhaltend argumentierten noch Curd Blank und Dieter Händel von der SPD. Während der Fraktionsvorsitzende Blank meinte, er könne mit Beidem leben, also entweder Neubau oder eine Sanierung des "baufälligen Hauses", wollte Händel "nicht viel Historisches" dort feststellen. Deutlich war schon Walter Nussel (CSU). "Dieses Gebäude wird nie einen Denkmalschutzpreis bekommen", sagte er und appellierte daran, den Schutz alter Gebäude nicht zu überziehen. Nussel wollte nicht nachvollziehen, was da an Auflagen oft alles veranstaltet werde. Sollte dieses Haus abgerissen werden, würde das das Stadtbild nicht schmälern.

Peter Prokop (SPD) riet schlicht: "Wir sollten uns raushalten". Auf jeden Fall aber sollte man die historisch gewachsene Engstelle in der Badgasse nicht ohne Not beseitigen.

Bürgermeister German Hacker (SPD) bezeichnete die Diskussion über einen möglichen Abbruch oder aber Erhaltung des barocken Bürgerhauses als "ein offenes Rennen". Er erwähnte auch, dass das Landesamt für Denkmalschutz sich nun auch persönlich im Rathaus geäußert habe. Die Badgasse, und damit auch dieses Haus, habe eine Bedeutung für die Altstadt und einen Stellenwert "als unterer Schenkel einer Kreuzsituation". Wenn es auf Dauer wegfallen würde, wäre die Kante nicht mehr erkennbar. Während die Denkmalschützer einen Erhalt des Gebäudes fordern, beschränke sich die Stadt auf die Raumkante: Diese müsste nach einem Abbruch eben wieder entstehen.

Hacker erinnerte an "das ewige Dilemma", das jeder Hausbesitzer habe, wenn er es mit dem Denkmalschutz zu tun bekomme. Oft sei eine derart aufwändige Sanierung nötig, dass sie über die Mieten nicht abzufinanzieren sei. Hacker: "Da gehört dann schon eine Spur Enthusiasmus oder Liebe dazu", wenn man ein altes Haus erhalten will. Wünschenswert wäre der Erhalt schon, aber die Realität finde eben über das Geld statt.

Antragsteller Jürgen Rattmann verfolgte die Sitzung im Zuschauerraum und durfte sich äußern. Er habe noch keine Konzeption, wiederholte er seine Aussage aus dem FT. Am Liebsten wäre es ihm, das Gebäude abzureißen und erst mal nichts neu zu bauen. Die momentane Situation sei schwierig. "Soll man noch einen leer stehenden Laden errichten" fragte er. Und auch eine Wohnnutzung sei nicht einfach, meinte Rattmann. Schließlich fahre auch direkt vor den Fenstern der Stadtbus vorbei, ergänzte der Bürgermeister.


Experte ist klar für Erhalt


Der zuständige Gebietsreferent vom Landesamt für Denkmalpflege, Thomas Wenderoth, hatte sich klar für einen Erhalt des Gebäudes ausgesprochen. In einer Stellungnahme heißt es wörtlich: "Um den Gesamteindruck einer geschlossen historisch bebauten Kernstadt nicht zu gefährden, muss ... die Erhaltung des barockzeitlichen Gebäudes Badgasse 5 in seiner äußeren Gestalt gefordert werden. Das überlieferte Straßenbild der Badgasse hängt im Besonderen von der Erhaltung dieses Baukörpers ab, da der Stadtraum bei Wegfall des Gebäudes nicht mehr als historische schmale Gasse erlebbar wäre". Und weiter: "Aus städtebaulicher Sicht handelt es sich bei dem Bürgerhaus Badgasse 5 um einen unverzichtbaren Bestandteil des Denkmalensembles".
Als Einzeldenkmal ist das Haus allerdings nicht in der Schutzliste verzeichnet.


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