Mit Georg Baumüller aus dem Ortsteil Dondörflein sind die Feldgeschworenen, oder auch Siebener genannt, wieder komplett.

Der 49-Jährige wurde nach der einstimmigen Wahl im Sitzungssaal von Bürgermeister German Hacker (SPD) vereidigt. Für Bürgermeister Hacker war die Wahl und Vereidigung ein "historischer" Akt, die letzten Feldgeschworenen in Herzogenaurach wurden 1990 gewählt und für Hacker selbst war diese Art der Vereidigung eine Premiere.


Uralte Tradition


Vorgeschlagen wurde Georg Baumüller von den Feldgeschworenen und vom Obmann Rüdiger Oehl aus Beutelsdorf. "Es ist schon ein Problem, den richtigen Mann zu finden, früher war man da schon eher fündig", erklärte Oehl. "Es kann aber auch eine Frau sein", setzte Oehl auf Nachfrage des Bürgermeisters hinzu.

Der "richtige" Mann aus Dondörflein hat schon nahezu 15 Monate Praxis - "Lehrzeit" wie es Hacker nannte - hinter sich und begleitete in dieser Zeit die Siebener bei ihren Rundgängen oder Grenzsteinsetzungen.

Für Bürgermeister Hacker ist es wichtig, dass die uralte Tradition fortgesetzt wird und sich immer wieder Leute finden, die auch mitmachen. "Eine Kommune ist ständig auf genaue Grundstücksgrenzen angewiesen und deshalb brauchen wir Leute wie Sie", wandte sich Hacker an die Feldgeschworenen. Trotz modernster Methoden der Vermessung seien die Leute vor Ort sehr wichtig, sie kennen die Flurgrenzen und leisten dadurch auch für die Vermessungsämter eine wertvolle Hilfe, erklärte Hacker.

"In früheren Jahren gab es immer mal wieder Probleme, aber auch Grenzstreitigkeiten", erzählte Oehl. Diese wurden aber meist einvernehmlich, mit Unterstützung des Vermessungsamtes geregelt. "Gebäude wurden deshalb noch nicht abgerissen", meinte Oehl schmunzelnd, so sei höchstens mal ein Zaun versetzt worden.

Schon im 13. und 14. Jahrhundert bildeten sich in Dörfern zur Regelung innerer Angelegenheiten Dorfgerichte heraus. Da diese an festen Stätten tagten, führten sie keine Augenscheintermine durch, die aber bei Streitigkeiten um Grund und Boden fast immer notwendig sind.

Die streitenden Parteien beauftragten deshalb einvernehmlich ortskundige Vertrauensleute mit der Festsetzung und Bezeichnung der Grenze. Daraus entwickelten sich die Feldgerichte mit drei bis sieben Feldrichtern. Den Vorläufern der heutigen Feldgeschorenen. Damit die Siebener die Veränderungen in der Lage der Grenzsteine nachweisen konnten, unterlegten sie diese mit geheimen Zeichen, den sogenannten Siebernerzeichen. Dieses Vorgehen und das damit zusammenhängende Siebenergeheimnis wurde vermutlich Ende des 15. Jahrhundert eingeführt.

Bürgermeister Hacker bedankte sich sehr herzlich für das ehrenamtliche Engagement. Die Siebener tragen durch ihren Einsatz dazu bei, dass Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern für fast alle Fallkonstellationen die niedrigsten Gebühren für Katastervermessungen hat.