Abitur 2020 - ein Jahrgang, der bestimmt in die Geschichte eingehen wird. Nach wochenlanger Unsicherheit, komplizierten Planungen, abgeschmetterten Hygienekonzepten und Hoffen war es nun so weit: Die 117 Abiturienten des Gymnasiums Herzogenaurach wurden mit dem Reifezeugnis in die Freiheit entlassen.

Natürlich war alles anders als die Jahre zuvor, Corona machte den Schülern einen Strich durch die Rechnung: Abiball und die Verabschiedung in der Turnhalle mit mehr als 400 Personen? Undenkbar in der heutigen Situation. Doch Absolventen und Lehrer ließen sich nicht unterkriegen, sondern arbeiteten fleißig an einem Weg, doch noch eine feierliche Verabschiedung auf die Beine zu stellen.

"Zuerst wollten wir die Feier im Weihersbachgelände stattfinden lassen, mit unseren Familien und allen Lehrern", erklärt Laureen Eidloth, eine der Schülerinnen, die sich besonders für die Umsetzung einsetzte. "Aber mit so vielen Leuten und schwer kontrollierbaren Eingängen konnte das Gesundheitsamt das nicht genehmigen. Die Lehrer hatten dann die Idee mit dem D-Bau." Diese Idee wurde schließlich auch umgesetzt: Am sogenannten "Schiffs-Pausenhof" wurde ein roter Teppich ausgerollt, eine kleine Bühne aufgebaut und alles festlich mit Blumen und Ballons geschmückt. Die Abiturienten und einige Lehrer wurden in Gruppen in den anliegenden Klassenzimmern untergebracht, mit Blick auf die "Event-Arena", wie Oberstudienkoordinator Matthias Engel den Pausenhof kurzerhand benannte.

Die Theatertechnik, die in einem Pavillon auf dem Dach der Musiksäle untergebracht war, sorgte für musikalische Untermalung und für eine weitere Besonderheit: Gemeinsam mit dem GYMAG-Team wurde ein Livestream eingerichtet, um die Familien zu Hause "virtuell" an der Zeugnisverleihung teilnehmen zu lassen.

Nach einigen Grußworten gingen die Absolventen in Kleingruppen nach draußen, um ihre Zeugnisse abzuholen, während sie von Mitschülern in den Klassenzimmern bejubelt wurden. Anschließend wurden Auszeichnungen für besondere Leistungen verliehen: Die Jahrgangsbesten waren Lucia Hacker, Pauline Winter (beide 1,0), Sophie Lange und Sophie Schmitz (beide 1,1).

Pauline Winter und Finlay Deavin blickten in ihrer Abschiedsrede auf die vergangenen acht Schuljahre zurück und erinnerten sich an Schullandheim, Skilager und andere Exkursionen. Gleichzeitig ließen sie es sich auch nicht nehmen, die Corona-Situation und den Umgang der Schulleitung mit diesen Komplikationen zu kritisieren: "Es wurde ziemlich viel Tamtam gemacht, aber vergleicht man Bilder von letztem und diesem Jahr, ist bis auf die Masken kein großer Unterschied zu sehen. Um die Abstände einzuhalten, sind wir beim Abitur durch drei Eingänge reingekommen, aber seltsamerweise nur durch einen wieder raus", hieß es.

Die Redner brachten noch mal zum Ausdruck, worauf der Jahrgang alles verzichten musste, vergaßen jedoch nicht, sich bei ihren Lehrern zu bedanken und ihren Mitschülern alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Zuletzt bewiesen sie, dass sie die Reifeprüfung zu Recht erhalten haben, indem sie am Ende ihrer Rede zum aktiven Kampf gegen Rassismus aufforderten und für Diversität, Offenheit und Toleranz im Unterricht plädierten.