Es war ein Satz, der nur so nebenbei fiel. Christian Nitsche, Vorsitzender der DLRG Dechsendorf, berichtete bei der Jahreshauptversammlung von einem erfolgreichen Jahr. Sehr intensiv berichteten er und der Technische Leiter Heiner Herzog von den Aktivitäten in Niederbayern.

Dorthin waren die Rettungskräfte geordert worden, als die "Jahrhundertflut" Orte wie Rosenheim und Deggendorf Anfang Juni 2013 unter Wasser gesetzt hatte. Die ehrenamtlichen DLRGler aus Dechsendorf, die aber auch aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt kommen, brachten sich in den zwei Einsätzen auch ein, um zu helfen. Mit den Tauchanzügen ging es zum Beispiel in die öl- und fäkaliendurchdrängte Brühe, um Menschen aus ihren Häusern zu evakuieren, medizinische Belange sicherzustellen, um Hilfe am Menschen zu leisten.

Geld ist überwiesen

Der Schock kam dann aber nach dem bewältigten
Katastropheneinsatz. Denn es galt, kontaminierte Klamotten auszutauschen, kaputtes Material auszutauschen und benötigte Dinge zu ersetzen.

"Wir bekommen nur 70 Prozent der uns entstandenen Kosten wieder erstattet", erzählt Nitsche. "Auf dem Rest bleiben wir sitzen!" Oder, wie es seine Mitstreiter Sören Brandmähl-Kraus und Heiner Herzog, drastisch formulierten: "Drei solcher Katastrophen, und wir können uns das Helfen nicht mehr leisten."

Ebenso ärgerlich sei der einzuhaltende bürokratische Weg. Statt die Kosten gegenüber der Regierung von Mittelfranken selber geltend zu machen, musste über den Landesverband der DLRG alles eingereicht werden. Mit den Folgen, dass das Geld - die Nachricht übermittelte Nitsche am Dienstagmittag ganz aktuell - "endlich überwiesen wurde". Gut neun Monate nach dem Einsatz.

Wer nun an den verzögerten Zahlungen die Schuld trägt - die Regierung von Mittelfranken, der Freistaat, der DLRG-Landesverband, das dürfte müßig sein herauszufinden. Aber auch die Suche nach der Festlegung des auszuzahlenden Satzes an die Rettungsorganisationen ist schwierig. Die angeschriebenen verantwortlichen Organisationen haben keine Auskunft geliefert. Nitsche jedenfalls ist angesichts dieser Handhabung enttäuscht.

"Wir rechnen ja keine Stunden ab oder wollen uns gar bereichern. Es geht uns ausschließlich darum, dass die Schäden beseitigt werden und wir beim nächsten Einsatz wieder als kompetenter und einsatzfähiger Trupp zur Verfügung stehen."


Katastrophales Katastrophenmanagement - ein Kommentar von Michael Busch

Da steht einem der Mund offen und es fällt einem nichts mehr ein. Geht's noch? Da sind ehrenamtliche Helfer, die ihre Freizeit einbringen, die das Risiko eingehen, mit ihrem Arbeitgeber wegen der Abwesenheit im Dienste der Menschlichkeit Ärger zu bekommen, die selber ihre Gesundheit, manchmal sogar ihr Leben riskieren. Und da sind auf der anderen Seite kühl-kalkulierende Verwaltungsmenschen, die aus welchen Gründen auch immer festlegen, dass nur 70 Prozent der entstandenen Schäden ersetzt werden.

Was das dann mit Menschlichkeit zu tun hat, ist eine nicht zu beantwortende Frage! Ich weiß, es ist jetzt einfach auf die erhöhten Diäten der Bundestagsabgeordneten hinzuweisen. Da geht es ja auch recht flott. Aber der Hinweis muss erlaubt sein. Denn gerade die Politiker sind die Menschen, die das Ehrenamt immer wieder einfordern.

Mit solchen Aktionen, auch wenn es im Falle der DLRG Dechsendorf "nur" um einen Anteil von 3000 Euro geht bei einer Schadenssumme von rund 10 000 Euro, vermiest man ganz klar die Lust am Ehrenamt. Und dann wundern sich in wenigen Jahren wieder alle, dass die Jugend nicht mehr im Verein aktiv wird und alle so egoistisch seien. Ich wundere mich sicher nicht...