Eine gewissermaßen dreifache Nachhaltigkeit war am Mittwochabend Besprechungsthema im Planungsausschuss. Dem Stadtrat werden drei Grundsatzbeschlüsse empfohlen. Darin ist die Verhaltensweise in zwei städtischen Bereichen geregelt: die nachhaltige Beschaffung und planerische Vorgaben für Bauherren. Des Weiteren wurde beschlossen, sich als Stadt einer Erklärung zur 2030-Agenda der Vereinten Nationen anzuschließen

1. Die 2030-Agenda

Die Weltgemeinschaft der Vereinten Nationen hat sich 2015 in New York auf einen neuen globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung geeinigt und die 2030-Agenda beschlossen. Darin sind zwei der größten Herausforderungen für eine gerechte Welt eng miteinander verknüpft: die Armutsbekämpfung und das Ziel nachhaltiger Entwicklung. Kernstück der 2030-Agenda sind 17 "Sustainable Development Goals" (SDGs), also Entwicklungsziele. Mit dem Grundsatzbeschluss signalisiert die Stadt ihre Bereitschaft, sich auf kommunaler Ebene nach ihren Möglichkeiten für die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu engagieren.

Das erläuterte Klimaschutzbeauftragte Mignon Ramsbeck-Ullmann in der Sitzung. Man lege dieses Bekenntnis der Kommune zur Nachhaltigkeit ab, "wohlwissend wie schwierig es ist", fügte Bürgermeister German Hacker (SPD) hinzu. Denn da müsse die Gemeinschaft der Herzogenauracher anpacken, die Stadt als Kommune allein genüge nicht, auch wenn sie freilich Vorbildfunktion habe. Aber es müsse in der Breite spürbar werden, "in jedem Haus, in jedem Verkehrsmittel, das wäre mein Wunsch."

2. Nachhaltige Beschaffung

Der zweite Grundsatzbeschluss betrifft die nachhaltige Beschaffung der Stadt Herzogenaurach. Darin ist geregelt, welch verschiedene Handlungsgrundsätze angewandt werden. Mignon Ramsbeck-Ullmann erinnerte, dass dieser Bereich für die Stadt im Grunde nicht neu sei.

Seit 2013 ist Herzogenaurach beispielsweise Fairtrade-Stadt, als erste Kommune im Landkreis übrigens. 2017 folgte die Metropolregion Nürnberg, als erste Europäische Faire Metropolregion. Seit 2016 gibt es in der Stadt Herzogenaurach Leitlinien zur nachhaltigen Beschaffung für Büromaterial, Büromöbel, Reinigungsmittel, IT-Geräte und Fahrzeuge. Seit 2019 ist die Stadt Mitglied im so genannten "Pakt zur nachhaltigen Beschaffung in den Kommunen der Metropolregion Nürnberg".

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Auernheimer ist dieser Grundsatzbeschluss "absolut notwendig", auch zur Stärkung des heimischen Mittelstands. Er hoffe, dass sich die durch Corona verursachten schlechten derzeitigen Bedingungen bald ändern und man wieder mehr lokal einkaufen könne.

3. Energetische Standards

Im dritten Beschluss regelt die Stadt Standards, die für Neubauten auf von der Stadt verkauften Grundstücken gelten sollen. Ein Bestandteil ist die Verpflichtung, dass bei Einfamilienhäusern KfW-40-Standard, der dem Passivhausstandard entspricht, angewandt werden muss. 80 Prozent der Bauherren auf der Herzo Base würden die Vorgaben schon freiwillig einhalten, sagte die Klimaschutzbeauftragte, manche sogar mehr. Bürgermeister German Hacker würde sogar KfW 40 plus voraussetzen wollen, wenn es nach ihm ginge. Das beinhaltet dann zusätzlich eine Photovoltaikanlage mit Speicher.

Hacker bezeichnete die Forderungen der Stadt als keinen großen Schritt und sprach, auch angesichts der hohen Förderungen, sogar von "pille palle". Man solle das Thema jetzt auch nicht überbewerten. Katharina Zollhöfer von der Jungen Union, sah das wie auch CSU-Stadtrat Bernhard Schwab etwas anders. Es müsse Geld in die Hand genommen werden, das junge Familien nicht allzu reichlich hätten.

Die junge Stadträtin lehnte dann auch als einzige eine Vorschrift ab. Wer KfW40 nicht baut, werde seine Gründe haben meinte sie. Bürgermeister Hacker hielt Vorschriften in der heutigen Zeit für erforderlich, wiederholte seine Ansicht ("Dieser Schritt ist so klein!") und gab zu bedenken: "Wenn wir unsere Nachhaltigkeitsziele ernst meinen, darf es keine Diskussion geben." Die Förderung würde den finanziellen Aufwand ausgleichen, "es gibt keine Mehrkosten."