Rhythmisches Sambagetrommel erfüllt die Luft. Menschen wippen dazu im Takt, andere tanzen ausgelassen zur Musik. Die Abendsonne sendet ihre wärmenden Strahlen und es herrscht Urlaubsstimmung. Brasilien? Nein, das Rabatz in Herzogenaurach!
Beim zehnten Jubiläum der Samba-Schule Herzogenaurach, dem Piranha Social Club, fühlt man sich trotz der nicht ganz tropischen Temperaturen wie im Land des Ursprungs des Samba. Unter den aufgestellten Zelten tummeln sich viele Leute, Familie Dittrich ist eine davon. Sie sind wegen einer Freundin hier, die Trommlerin bei den Piranhas ist. Mutter Melanie (35) ist begeistert von der Atmosphäre. "Man fühlt sich wie im Urlaub, der Rhythmus geht einfach ins Blut", schwärmt sie. Die Familie war schon bei mehreren Auftritten der Gruppe, letztes Jahr auch in Coburg beim Sambafestival. "Hier herrscht immer gute Stimmung", bestätigt Vater Stefan (34). Die kleinen Töchter Lea und Noemi und Oma Rete (56) sind auch angetan von den trommelnden und tanzenden Leuten um sie herum.
Einer der auffälligsten Menschen ist Alberto Parmigiani, der mit seiner überschäumenden Energie begeistert mittanzt, als "Alma do Samba", eine Gruppe aus Nürnberg, ihren Auftritt hat. Der 46-jährige Mailänder hat die Schule vor zwölf Jahren gegründet. "Also die ersten zwei Jahre waren eher inoffiziell, deswegen feiern wir heute Zehnjähriges", erklärt er. Seit Jahren werden die Piranhas von Firmen wie Siemens, Adidas und Puma angeheuert. Deswegen muss die Gruppe viel üben: Zwei Mal pro Woche treffen sie sich - einmal in der Sambaschule, wo sie Technik und Rhythmuslehre haben und dann noch einmal, damit alle gemeinsam proben. "Wir brauchen keine Superprofis, aber man sollte Zeit haben und doch auch ein bisschen Rhythmusgefühl", meint Parmigiani mit einem Augenzwinkern.

Der Nachwuchs fehlt


Im Moment hat er allerdings ein wenig Sorge um den Nachwuchs der Trommelgruppe, denn viele Kinder kommen nicht in die Trommelschule. "Die Kids haben heutzutage mehr zu tun als früher. Schwimmkurs, Reitkurs, Fußball, da bleibt keine Zeit fürs Trommeln", sagt er. Doch trotzdem ist er heute sehr zufrieden mit der Jubiläumsfeier. Dass das Wetter gehalten hat, ist für ihn logisch. "Wir haben die Wolken mit unseren Trommeln weggeblasen!" Für ihn sei es wichtig, dass die Leute mitmachen und Spaß haben.
Wie Teresia Bergmann. "Es ist wunderbar, ich möchte selbst noch mittanzen", freut sich die 77-Jährige. Sie ist zum ersten Mal bei den Piranhas und bedauert es, nicht schon früher einmal gekommen zu sein. Unter den Tanzenden befinden sich auch Marlene Buheitel (24) und Steffi Unglaub (26). Die beiden Freundinnen sind Sambafans, Buheitels Mutter trommelt seit zwei Jahren bei den Piranhas. "Die Shows von ihnen sind immer sehr mitreißend. Und ziemlich gut, sie waren sogar schon auf Mallorca", erzählt die junge Frau.
Auch Unglaub ist beeindruckt. "Es ist total genial, ich mag Samba so gerne. Dieses Jahr werde ich auch aufs Sambafestival nach Coburg fahren", freut sie sich.
Und die Piranhas selbst? Sind auch begeistert. Bianca Klotzsche ist seit fast sechs Jahren dabei. Bei einem Samba-Umzug bei der Fußball-WM 2006 vor dem Spiel von Trinidad und Tobago sei sie vom Samba gepackt worden. Sie spielt die Timba. "Die einzige Trommel, die nicht mit Stöcken oder Schlägern, sondern nur mit der Hand gespielt wird", sagt die 43-Jährige.
Ihre Kollegin Renate Plentiger (46) ist das neueste Mitglied der Gruppe. Mit ihrem Instrument, der Surdo, ist sie das Rückgrat der Gruppe, da sie den Takt vorgibt. "Ich hab mich schon immer dafür interessiert und die Piranhas waren einfach die besten", lacht sie. Und wenn man so in die tanzende, trommelnde Menge schaut, kann man sich das gut vorstellen.