"Is scho schad drum." Monika Preinl kann verstehen, wenn Passanten nach dem Warum fragen werden. Wenn sie im Februar erst weg sind, die alten stattlichen Pappeln am Freibadsteg. "Warum nur habt Ihr die gefällt?", wird vielleicht gefragt werden.

Die Naturbeauftragte im Rathaus weiß eine plausible Begründung für die Fällaktion, die in der kommenden Woche durchgeführt werden soll. Denn die zehn Pappeln entlang des Geh- und Radweges an der Aurach, gleich hinter dem "Ofall", sind nicht mehr standsicher. "Eine Fällung ist unumgänglich", berichtet auch Fritz Bayer vom städtischen Baubetriebshof. Sie haben mit etwa 70 Jahren ihr Lebensalter erreicht. Weil sie an einem Fußgängerweg stehen, könne man es nicht mehr verantworten, sie stehen zu lassen. Selbst wenn man wollte, die Verkehrssicherungspflicht erfordert ein Handeln, sagt Bayer. Die Stadt steht da in der Pflicht für ihre Straßen und Wege.


Insgesamt sind es 13 Bäume


"Die Pappeln stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Außenanlagen des Freibades
und entlang von stark frequentierten Fuß- und Fahrradwegen. Deshalb hat sich die Stadt entschlossen die Bäume umgehend zu fällen." Das berichtet Monika Preinl in einer Pressemitteilung. Insgesamt sind 13 Aurach-Pappeln betroffen - die zehn am Freibadsteg und drei weitere gegenüber der Feuerwache.

Da die mächtigen Bäume im Landschaftsschutzgebiet stehen und das Landschaftsbild prägen, wurde die Fällung mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Dort habe man grünes Licht bekommen, sagt Preinl, auch weil sich in den Stämmen. keine Spechthöhlen und Fledermausquartiere fanden. Voraussetzung für die Fällarbeiten ist allerdings, dass die Arbeiten noch vor der beginnenden Vogelbrutzeit im März abgeschlossen sind.

Registriert werden alle größeren Bäume übrigens in einem so genannten Baumkataster. Das ist gewissermaßen "die Personalakte des Baums", wie es Preinl formuliert. Konkrete Zahlen steuert Bayer hinzu. In Herzogenaurach hat man etwa 18 000 Bäume im Kataster erfasst. Diese sollen zweimal jährlich kontrolliert werden. So erhält man einen Überblick über kranke und alte Bäume.


Eine eigene "Personalakte"


Auch die Pappeln an der Aurach haben ihre eigene Akte. Voraussetzung für eine solche Erfassung ist, dass die Bäume stark und groß genug sein müssen. Ab 60 Zentimeter Umfang werden sie registriert. Weitere Bedingung: Sie müssen entlang öffentlicher Wege oder frequentierter Flächen stehen. Baumriesen irgendwo draußen in der freien Natur bekommen ihr Gnadenbrot, wenn andere schon längst der Säge zum Opfer fallen müssen.

Aber die betroffenen Bäume sind nicht nur alt, sie weisen auch schon Beeinträchtigungen auf, die die Standfestigkeit gefährden. Preinl berichtet: "Die Pappeln zeigen im Starkastbereich deutliche Druckzwieselbildung. In diesen Zwieseln werden die Stämme durch das Dickenwachstum der Rinde im Laufe der Jahre immer weiter auseinander gedrückt, bis es irgendwann zum Bruch einer der beiden Stämme kommt."

Und weiter erklärt die Fachfrau aus dem Rathaus: "In diese Zwieseln kann sehr leicht Wasser eindringen, das zur Fäulnis führen kann oder bei Frost zu Sprengungen. Auch die Wurzelstöcke sind bei so alten Bäumen von Fäulnisbildung gefährdet."


Wurzelfäule droht


Fritz Bayer bestätigt die Gefahr einer solchen Schädigung. Wenn die Bäume erst einmal von der Wurzelfäule befallen sind, dann stürzen die auch schon mal um. Wenn man an die Stürme denkt, die zurzeit fast wöchentlich vorhergesagt werden, ist das sicher kein beruhigender Gedanke.

Natürlich gibt es für die zu fällenden Pappeln Ersatz. So sollen im Frühjahr zahlreiche Obstbäume in den Fluren "Auf der Nutzung" sowie in der Nähe des Dohnwaldes gepflanzt werden, berichtet Preinl. Im Umfeld der Pappeln an der Feuerwache sind bereits im letzten Jahr mehrere standortgerechte Bäume gesetzt worden.

Nur an der Aurach, wo jetzt noch die hübsche Pappelallee steht, wird nicht neu gepflanzt. Das sei auch der Platz zu eng, meint die Umweltbeauftragte des Rathauses. Und die Aurach mag ja schließlich auch Sonne. So haben zumindest ein paar andere hübsche Geschöpfe einen Nutzen von der Maßnahme. "Die Libellen freuen sich", berichtet Monika Preinl.

Und was geschieht mit dem Holz? Da die mächtigen Baumstämme nicht gehäckselt und zu Hackschnitzeln zerkleinert werden können, gehen sie einen anderen Weg: Sie werden zu Paletten verarbeitet.