Es soll Vereine geben, die holen jedes Jahr mindestens einen Titel. Und wenn es mal tatsächlich nur der eine ist, dann sind die Fans traurig. Echte Clubfans hingegen möchten so nicht sein. Sie können sich auch über kleine Erfolge freuen. Und wenn es dann tatsächlich mal ein echter Titel ist, dann ist die Freude umso größer. Selbst wenn man dann gleich darauf absteigt.

Am 26. Mai 2007, also genau vor zehn Jahren, war so ein denkwürdiger Tag. Ein unvergesslicher Moment und für viele echte Fans des 1. FC Nürnberg der "geilste Augenblick" für lange Zeit. Der Club wurde deutscher Pokalsieger.

Herzogenaurach kochte an diesem Abend. In den Biergärten der Stadt saßen die Fußballverrückten vor den Großleinwänden. Und selbst das Adidas Outlet hatte zum Public Viewing geladen. Die Leute vom FCN-Fanclub Frankenpower bevölkerten den Garten vom alten Backhaus. Und gaben ihn bis zum frühen Morgen nicht mehr her. Genau dort versammeln sie sich auch jetzt am Freitag zum zehnten Jahrestag. Dann will die Legende feiern. Und die Legenden von damals noch einmal hoch leben lassen.

"Wir wünschen uns, dass auch viele Leute kommen, die nicht so verrückt auf den Club sind wie wir", sagt Elmar Amling, der Erste Vorsitzende des Fanclubs. Ausdrücklich eingeladen sind deshalb alle Fußballfans, auch die von anderen Vereinen, mit ihren Familien und Kindern. Freilich wird an diesem Abend das Pokalfinale noch einmal angeschaut. Und dann kommen die Erinnerungen hoch. Denn viele waren just vor zehn Jahren an der gleichen Stelle und fieberten mit ihren Idolen.

So wie Bernd Frischmann. Zwei Jahre lang sei er zu Auswärtsspielen mitgefahren, erinnert er sich. Und nie habe der Club gewonnen. In Berlin war er nicht, und schon hat's geklappt. Frischmann hat am Finaltag im Backhaus-Garten den Beamer aufgebaut. Und da wurde dann so richtig gefeiert. "Nicht so wie die Bayern-Fans, die nach dem Schlusspfiff nach Hause gehen", spöttelt Frischmann.
Auch Thomas Hochrein erlebte das Finale im Garten des Frankenpower-Vereinslokals. Er hat alle Fotos und den Zeitungsbericht des FT noch zu Hause. "So einen richtig geilen Abend" vergisst man eben nicht.

20 Frankenpowerianer haben das Finale aber live in Berlin erlebt, darunter auch Vorsitzender Amling. Gänsehaut pur sei das gewesen, denn "das erlebt man als Clubberer ja nicht so oft." 45 Jahre haben die Fans schließlich auf den Pokalsieg warten müssen.

Nicht mit in Berlin, aber tags darauf als erster am Nürnberger Flughafen war Bernhard "Barny" Weidner. Das Spiel selbst hat er auf einer privaten Geburtstagsfeier angeschaut, einem 50. übrigens. Natürlich mit Beamer und Leinwand. Außer ihm sei am Sonntag zunächst nur nur noch ein weiterer Fan so früh am Airport gewesen, doch als die Fußballer eintrafen, füllte sich die Zuschauerterrasse derart, dass sie geschlossen werden musste. Torhüter Schäfer war der erste, der den Pokal aus dem Cockpitfenster gezeigt hat, erinnert sich Weidner.

Und dann kam das große Erlebnis. Er habe dann den Schauplatz gewechselt und an der Straße, die vom Flughafen in die Stadt führt, den Autokorso begrüßt. Im ersten Cabrio, so erinnert sich der 53-Jährige, saßen Trainer Hans Meyer, Kapitän Raphael Schäfer und Präsident Michael A. Roth. "Darf ich den Pokal anfassen", hat der Herzogenauracher Clubberer den Boss gefragt, und Roth habe geantwortet: "Aber sicher doch, der gehört auch den Fans." Und dann durfte Barney den Pokal streicheln.

An die Meisterschaft 1968 kann sich Manni Scholz erinnern. "Ich bin mein Leben lang ein Nürnberger", sagt der 81-Jährige. Er sei früher von Herzogenaurach zu den Heimspielen geradelt. Legendär sei in der Meistersaison 1968 der 7:3-Sieg gegen die Bayern gewesen, erinnert sich Scholz, der in Herzogenaurach ein begeisterter ASVler ist, also keiner vom FC, und deshalb das Wort Clubberer im Gespräch nicht benutzt. Fünf Tore hat damals "Goldköpfchen" Franz Brungs geschossen. Im Jahr drauf ist der Club als Meister abgestiegen.

Der Abstieg ist den Nürnbergern auch nach dem Pokalsieg 2007 "gelungen". Aber daran mag sich keiner gern erinnern. Auch wenn Elmar Amling einen anderen Abstieg nie vergessen wird, weil der am bittersten gewesen sei. Der Sturz von Platz zwölf in die zweite Liga am letzten Spieltag, nach einer Heimpleite gegen Freiburg und dem gleichzeitigen Kantersieg von Frankfurt gegen Lautern. Damals, am 29. Mai 1999, gab das Torverhältnis den Ausschlag. Reporter Günther Koch nach dem Abstiegsdrama: "Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund. Ade, liebe Freunde. Es ist nicht zu fassen."

Aber daran mag am Freitag keiner denken, wenn zehn Jahre Pokalsieg gefeiert werden. Man denkt lieber an weitere schöne Erfolge und Gegebenheiten. Wie Bernd Frischmann an den Auswärtssieg im Europokal im September 1988 in Rom, als der Club 2:1 gewann, im Rückspiel zuhause dann aber 1:3 verlor. Er war damals dabei in Rom. Elmar Amling freut sich über die Freundschaft mit Welttorhüter Andy Köpke, der bei Frankenpower Ehrenmitglied ist und auch immer mal nach Herzogenaurach kommt. Das 25. Jubiläum hat er den ganzen Abend lang mitgefeiert.

Und was denkt einer vom Finalgegner aus Stuttgart? Für den VfB-Fan Stephan Heimberger war das Ergebnis "unterm Strich eine Riesen-Enttäuschung". Als eingeborener Franke und "somit zumindest Club-Sympathisant" aber sah er es etwas anders: "Nach einmal drüber schlafen konnte man dem 1. FCN den Triumph trotzdem neidlos gönnen!" Zumal sein VfB kurz zuvor Meister geworden war.

So muss es sein. Und so soll es auch am Freitag sein, wenn die Clubberer auch alle anderen Fußballfans zu ihrem Fest einladen. Fußball ist gemeinsam am schönsten.


Veranstalter FCN-Fanclub Frankenpower Herzogenaurach

Grund Zehn Jahre Pokalsieg des 1. FCN am 26. Mai 2007

Termin Freitag, 26. Mai 2017, 19 Uhr, Altes Backhaus

Publikum Alle Fußballfans mit Familien und Kindern, auch Nicht-Glubberer, sollen mitfeiern

Überraschung Für die Kinder der Gäste im Alten Backhaus hat der Fanclub Frankenpower einen Sandkasten spendiert. Das war beim 30. Jubiläum. Der "Glubbi" wird bei der Feier "getauft". Hierzu ist ein Überraschungsgast angekündigt‰