Wir haben uns die Facebook-Auftritte der Landtagskandidaten für den Stimmkreis Erlangen-Höchstadt einmal näher angeschaut. Auffällig ist, dass sich kaum ein Kandidat mit einer öffentlichen Seite präsentiert. In Facebook gibt es nämlich einen Unterschied zwischen einer öffentlichen und einer privaten Seite. Auf einer öffentlichen Seite können Internet-User ihr Gefallen über den Inhalt mit einem Klick auf den "Like"-Button zum Ausdruck bringen. Die Beiträge sind für jedermann - auch für Nicht-Facebook-Nutzer - sichtbar.

Im Gegensatz dazu kann bei einer privaten Seite jeder selbst entscheiden, wer welche Inhalte sieht. Es gibt keinen "Like"-Button, sondern man schließt Freundschaften. Je nach Einstellung sind die veröffentlichten Beiträge nur für Freunde oder für die Öffentlichkeit lesbar.


Lediglich Jörg Rohde von der FDP hat eine Seite, bei der die Nutzer auf "Gefällt mir" drücken können. Auf insgesamt 84 "Likes" (Stand: 9. September) hat es der Landtagskandidat damit gebracht. Sonderlich aktuell ist die Seite des FDP-Politikers allerdings nicht. Den letzten Eintrag veröffentlichte er am 5. Februar diesen Jahres.

Internet nicht wahlentscheidend

Das hat auch einen Grund, wie der Landtagskandidat erklärt. "Ich brauche keine Fans, die auf Gefällt mir drücken, ich habe lieber Freunde." Dadurch könne er bilateral kommunizieren und sei sowohl Sender als auch Empfänger. "Ich kann selbst reagieren und auch Beiträge von Freunden kommentieren."

Nutzer finden aktuellere Beiträge des Politikers deshalb auf der privaten Seite des Politikers. Dort postet er in unregelmäßigen Abständen öffentliche Beiträge, die mit seiner politischen Arbeit zu tun haben. "Jörg Rohde freut sich auf den Empfang des Ministerpräsidenten um 14.30 Uhr in der Staatskanzlei: Der Triple-Sieger Bayern München wird geehrt", ist nur einer seiner Beiträge. Für Rohde ist das Internet allerdings nicht wahlentscheidend. Auf vielen seiner Veranstaltungen habe er mitbekommen, dass sich Wähler eher von Plakaten angesprochen fühlen. Der FDP-Politiker ist aber dennoch der Meinung, dass man im Internet präsent sein sollte. "Denen, die es nutzen muss man die Chance geben, dass sie einen auch finden."

Die SPD-Landtagskandidatin Alexandra Hiersemann ist ebenfalls mit einer privaten Seite auf Facebook präsent. Das soziale Netzwerk ist für sie ein wesentliches Transportmittel, mit dem sie Informationen teilen kann. Genau wie Rohde stellt auch die SPD-Politikerin in unregelmäßigen Abständen öffentliche Beiträge ihrer politischen Tätigkeit ins soziale Netzwerk ein. Der Wähler bekommt so beispielsweise einen Eindruck vom Aufhängen der Wahlplakate in der Region.

Einblicke ins politische Leben

Direkt in Kontakt treten die Wähler auf Facebook allerdings nicht mit der Landtagskandidatin. "Die Wähler schreiben mir eher E-Mails", berichtet Hiersemann aus Erfahrung.

Ein weiterer Landtagskandidat mit einer eigenen Facebook-Seite ist Patrick Prell von den Freien Wählern. Der Politiker gibt im Netz auch private Einblicke und teilt der Welt mit: "Gesund ist so ein Wahlkampf ja nicht. Gestern Kesselfleisch in Weisendorf, heute Leberwürste in Hesselberg. Wenn es nur nicht so gut schmecken würde."

Auf seiner Seite kombiniert der 28-Jährige Privates und Politisches. "Ich möchte den Wählern auch zeigen, was da für ein Mensch dahinter steckt." Aus diesem Grund hat er sich bewusst gegen ein öffentliches Profil entschieden. Daneben veröffentlicht Prell auch Links und Zeitungsausschnitte über sich.

Auch die Kandidatin der Linken, Cornelia Reimann, gibt auf ihrer privaten Facebook-Seite Einblicke in ihr politisches Leben und postet Bilder von ihrem Wahlstand in Höchstadt.

Die restlichen Landtagskandidaten sind dagegen nicht mit einem eigenen politischen Auftritt auf Facebook zu finden. Vom CSU-Kandidaten Walter Nussel findet sich beispielsweise eine Seite, jedoch ist diese fast komplett privat eingestellt. "Mir ist der persönliche Kontakt zu den Menschen lieber", erklärt er.

Ähnlich sieht es bei Helmut Wening, dem Kandidaten der Grünen, aus. Schon auf seiner Homepage gibt er an, dass er zwar auf Facebook ist - aber nicht aus Überzeugung. Seiner Meinung nach wird der Wahlkampf im Internet und auch auf Facebook völlig überschätzt. Im sozialen Netzwerk ist der Politiker deshalb nur als Privatmann und für seine Jugendarbeit vertreten.