Ist das Fest Allerheiligen naturgemäß besinnlich für die Gläubigen, so kamen in diesem Jahr noch die Corona-Einschränkungen und ein anhaltendes Nieselwetter dazu.

Am Fest Allerheiligen gedenkt die Kirche nicht nur der vielen bekannten Heiligen. Sie hält an diesem Tage besonders die Erinnerung an die vielen namenlosen Menschen wach, die gleichfalls zu der unzählbaren Schar aus allen Nationen und Sprachen gehören und nach der Offenbarung des Johannes (Kapitel 7,9) vor Gottes Thron stehen.

Für viele Herzogenauracher ist mit dem Fest Allerheiligen der Friedhofsgang untrennbar verbunden, der meist dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet ist.

Zuvor mussten aus diesem Anlass natürlich die Gräber "gerichtet" werden. Jeder versucht, mit einem besonders schmucken Grab diesen Feiertag zu begehen.

Am Nachmittag wurde auch in diesem Jahr wieder der Friedhofsgang auf dem alten Friedhof mit Stadtpfarrer Helmut Hetzel von den katholischen Pfarreien von Herzogenaurach gehalten. "Alles unter veränderten Bedingungen", so Hetzel.

Die Lesung war die Lazaru serweckung aus dem Johannesevangelium. Für Hetzel stellte sich die Frage: "Glauben wir an die Auferstehung?" Diese Frage stelle sich nicht nur für Martha und Maria, auch für uns. Denn der Glaube an die Auferstehung sei das, was uns Christen verbinde.

Die Spruchweisheit "Zeit heilt alle Wunden" treffe nicht immer zu. Für Trauer müsse man sich nicht schämen. Es bedeute vielmehr, ernstzunehmen, wie man sich fühle.

Man könne trotz Trauer den Weg zurück ins Leben finden, wie der Psalm 30, Vers 12 vermittelt: "Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude." Wenn man sich also der Trauer stelle, verwandle sich diese in Lebensmut.

Nach der kurzen Andacht in der Aussegnungshalle begab sich Hetzel auf den Weg durch den Friedhof. Besucht wurden das Priestergrab, das Schwesterngrab, die Kapelle und die Gedenkstätten für die Heimatvertriebenen im Friedhof.

Im Anschluss segnete Hetzel alle Gräber mit Weihwasser. Das Weihwasser solle jeden an seine Taufe erinnern, so Hetzel, "und uns immer helfen, unsere Verbindung mit Gott zu halten".