Was am Ende des Abends blieb, waren ein enttäuschter Vorstand und ein frustrierter Wahlvorstand. Auch im zweiten Anlauf, einer außerordentlichen Generalversammlung der SpVgg Heßdorf gelang es nicht, einen Nachfolger für den langjährigen Vorsitzenden Heinz Lauer zu finden.
"Ein Verein ist ohne Vorstand kein Verein. Darüber sollten sich alle Beteiligten klar sein, insbesondere Personen, die nur die Angebote eines Vereins nutzen und am Vorstand eher Kritik üben, als sich selbst einmal eine gewisse Zeit ehrenamtlich zu betätigen." Das machte Bürgermeister Horst Rehder (BB) den Mitgliedern deutlich. Das Problem fehlender Vorstandskandidaten sei nicht nur ein Problem des Vorstandes, es sei ein Problem des gesamten Vereins, darauf wiesen sowohl der kommissarische Vorsitzende Heinz Lauer als auch der Bürgermeister zu Beginn der Versammlung eindringlich hin.

Viele Absagen im Vorfeld


Bezeichnend war schon, dass nur 49 von 674 Mitgliedern der Einladung zur Versammlung des im Jahr 1947 gegründeten Vereins folgten. Schon im Vorfeld bekam Lauer nur Absagen, zum Teil mit fadenscheinigen Argumenten, wie er berichtete. "Auch ich hatte Beruf und Familie und konnte das mit meiner Tätigkeit im Verein vereinbaren. Wenn man will, kann man das", erklärte Lauer, der den Verein 14 Jahre als Vorsitzender führte. Er kündigte auch die eventuellen Konsequenzen an, bis hin zur Auflösung des Vereins. "Es bedrückt schon sehr, dass niemand bereit ist, sich aktiv am Vereinsgeschehen zu beteiligen. Ohne ehrenamtliches Engagement sind viele Dinge nicht möglich", sagte Lauer enttäuscht.
Nach den Worten von Lauer ist der Verein derzeit nicht handlungsfähig, außerdem würde die Situation dem Kläger gegen den Sportplatzlärm in die Hände spielen. Lauer und Rehder verwiesen auf sehr engagierte Übungsleiter und die restlichen Vorstandsmitglieder, die dem Vorsitzenden zur Seite stünden. Auch Lauer kündigte an, einen neuen Vorsitzenden zu unterstützen.
Bürgermeister Rehder, der bis zuletzt die Hoffnung hatte, es würde sich ein Mitglied zur Verfügung stellen, bezeichnete die Lage als sehr ernst. "Aber die es hören sollen, sind natürlich nicht da", wandte er sich an die Mitglieder. "Eine solche Situation wünscht man keinem Verein", sagte Rehder, der bereits Erfahrungen als Vorstandsmitglied beim Nachbarverein in Niederlindach sammelte. So sei ein Verein eine tragende Säule in einer Gemeinde und Kritik aus dem Hintergrund heraus sei sehr einfach.

Bauplätze statt Sportgelände?


"Es ist eine irrige Auffassung, mit dem Mitgliedsbeitrag sei die Sache erledigt. Egoismus hat in einem Verein nichts zu suchen", appellierte Rehder abermals an die Mitglieder. So könne die Gemeinde Heßdorf stolz auf den Verein sein, der nicht nur Erwachsenen, sondern auch vielen Kindern und Jugendlichen eine sportliche Heimat bietet. "Habt ihr euch überlegt, was passieren kann? Denn dann gibt es keine Schüler- und Jugendmannschaften, keinen Fußball oder Gymnastik mehr und die Gemeinde kann aus dem Sportgelände schöne Bauplätze machen", erklärte Lauer schon fast händeringend.

Vier Mitglieder lehnen ab


Der Wahlausschuss mit den beiden Bürgermeistern Horst Rehder und Manfred Bäreis (CSU) sowie Gemeinderat Gerhard Reif (CSU) hatte dann auch wenig zu tun. Vier aus der Versammlung vorgeschlagene Mitglieder lehnten es ab, sich zur Wahl zu stellen. Auch der Posten der Leitung der Gymnastikgruppe ist derzeit vakant. Dazu hatte Lauer einen Appell im gemeindlichen Mitteilungsblatt veröffentlicht, auch diese Nachwahl wurde vertagt.
Lauer kündigte die nächste außerordentliche Mitgliederversammlung für Mitte Mai an. In dieser Zeit wird der kommissarische Vorstand mit dem Registergericht Gespräche führen, um die rechtliche Seite prüfen zu lassen.