So nach und nach werden die Sünden der Vergangenheit beseitigt. Früher wurden Gräben und Bäche begradigt oder in ein enges Korsett gezwängt und Tiere sowie Pflanzen spielten eine untergeordnete Rolle. "Bäche und Flüsse sind die Lebensadern der Landschaft, aber frühere Generationen haben aus einstmals kurvigen Bachverläufen oft mehr oder wenige schnurgerade Wasserstraßen gemacht. Dort, wo früher Schlingen auf natürliche Weise Durchflussmengen regulierten, sind jetzt vernachlässigte gerade Gräben zu sehen, abwechslungsreiche Zonen für Fauna und Flora sind heute oft gar nicht mehr vorhanden", erklärte Monika Preinl vom Sachgebiet für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz.
Sicher handelt es sich beim Krebsbach in Höfen und beim Litzelbach von Burgstall nach Hauptendorf nicht um bekannte Bäche, und sie werden von der Öffentlichkeit nur als "Wassergräben" wahrgenommen.
Dennoch, "diese kleinen Bäche haben ein Einzugsgebiet, damit eine Bedeutung und auch ihre Berechtigung", erklärte dazu Monika Preinl. Deshalb sollen die Bäche wieder ein natürliches Bachbett bekommen.
Nach der Renaturierung verschiedener Bachläufe und zuletzt des Bimbachs in Haundorf soll nun auch der Litzelbach bei Hauptendorf ökologisch umgestaltet werden. Damit setzt die Stadt Herzogenaurach weiter konsequent das Gewässerentwicklungskonzept um, das seit 2008 für sämtliche Gewässer dritter Ordnung erstellt wurde. In Kürze folgt die Renaturierung eines weiteren Abschnittes des Litzelbaches in Burgstall.
Der Litzelbach verläuft am südlichen Ortsrand von Hauptendorf als kastenförmiger Graben entlang der Hauptendorfer Straße, bevor er in den Schleifmühlbach mündet. Der bestehende Bachlauf soll auf einer Länge von rund 80 Metern in ein neues Bachbett verlegt werden, das in einem Bogen durch die Auenwiese zieht. Der Graben entlang der Straße mit seiner steilen Böschung hatte auch Auswirkungen auf die Straße, der Straßenrand brach ein und ist derzeit mit Warnbaken abgesichert. Das neue Gewässerbett erhält Uferböschungen mit wechselnden Neigungen und Aufweitungen.


Mehr Platz für Ufervegetation

Dadurch gewinnt der Litzelbach seine Eigendynamik zurück, und durch die verbesserte Strukturvielfalt kann sich wieder eine artenreiche Ufervegetation entwickeln. Die vorhandene Ufervegetation wurde in Soden abgehoben und teilweise wieder eingebaut. Das bestehende Gewässerbett wird mit dem Aushub des neu zu schaffenden Bachlaufs aufgefüllt und im Anschluss wird die Straße wieder in Ordnung gebracht.
Zwischen der Straße und dem neuen Bachlauf soll eine Flachmulde (maximal 20 cm Tiefe) angelegt werden, die in regenreicheren Jahren als Laichgewässer dienen kann und je nach Witterung wieder austrocknet. Diese Mulde soll vor allem dem Weißstorch zugutekommen, der die Wiesen im Aurachtal als Nahrungsraum nutzt. Auf Gehölzpflanzungen wird verzichtet, um ein freies Blickfeld für nahrungssuchende Störche zu gewährleisten. Mit der Planung und Umsetzung der Gewässer-entwicklungsmaßnahmen wurde der Landschaftspflegeverband (LPV) Mittelfranken beauftragt. Er ist auch für die zukünftige Pflege des neuen Biotops verantwortlich, mit der er grundsätzlich Herzogenauracher Landwirte beauftragt.
Monika Preinl und Bürgermeister German Hacker (SPD) sowie Stefanie Haacke vom LPV überzeugten sich vom Fortschritt der Baumaßnahme, die von der Firma Deinzer-Erdbau aus Ottensoos ausgeführt wird. Wie Preinl und Haacke erläuterten, wurden vor Beginn der Baggerarbeiten vom Fischereiverband Mittelfranken die Fische entnommen und an einer anderen Stelle wieder ausgesetzt. Stefanie Haacke ist überzeugt, dass sich binnen zwei Jahren die Fläche gut entwickeln wird und sich weitere Tier- und Pflanzenarten ansiedeln werden.
Monika Preinl wies darauf hin, dass die Maßnahme etwas großzügiger geplant werden konnte, da sich die gesamte Fläche im Besitz der Stadt befindet. Die Auenwiese soll extensiv, also ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Im Bachbett wird eine Furt angelegt, die es ermöglicht, die Wiesenfläche zwischen der Hauptstraße und dem neuen Bachlauf zu befahren und zu pflegen. Die Planungs- und Herstellungskosten belaufen sich auf 16 000 Euro. Die ökologischen Aufwertungsmaßnahmen sollen in das städtische Ökokonto für die Kompensation späterer Eingriffe in Natur und Landschaft eingestellt werden.