Mit dem Lied "Wahre Freundschaft soll nicht wanken" dirigierte Susan Ehlert zum letzten Mal den Liederkranz Weisendorf. Damit ging seine 123-jährige Chorgeschichte zu Ende. Damit ist auch die Kulturszene des Marktes Weisendorf ein Stück ärmer geworden.

Da alle Versuche, neue Sängerinnen und Sänger zu werben, keinen Erfolg zeigten, verabschiedete sich der Chor bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in den Ruhestand.

2011 noch das Beste gehofft

Der Liederkranz feierte im Oktober 2011 mit einem Jubiläumskonzert noch das 120-jährige Bestehen und der Chor und die Vereinsführung sowie der damalige Bürgermeister Alexander Tritthart waren zuversichtlich und hofften auf ein kleines Wunder, nämlich dass sich Weisendorfer angesprochen fühlen und den Chor aktiv unterstützen würden. Zudem hoffte die Vereinsführung, dass sich auch Neubürger für den Chor interessieren, aber die Zugezogene zeigten sich am Dorfleben eher nicht interessiert.

Im vergangenen Jahr zeichnete sich das Ende des Chores ab, nur so richtig dran glauben wollte niemand der aktiven Chormitglieder. Schließlich treffen sie sich schon seit Jahrzehnten im Musikraum der Schule zur Probe, das schweißt natürlich zusammen und daraus entstanden ja auch Freundschaften. Deshalb hat die Gruppe bereits beschlossen, sich weiterhin einmal im Monat zu treffen.

Bereits bei der Mitgliederversammlung im Januar sollte die Vereinsauflösung und damit das Ende des Traditionschores beschlossen werden. Da dies auf der Tagesordnung nicht aufgeführt war, wurde lediglich das Singen eingestellt und eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt.

Sowieso bald pleite

"Sollte sich keine Dreiviertel-Mehrheit für eine Auflösung finden, müsst ihr euch im Klaren sein, dass wir immer schwächer werden und damit auch nicht mehr singfähig sind", erklärte Ehrenvorsitzender Werner Dillinger vor der Abstimmung. So haben einige Sänger aus Altersgründen ihren Rückzug bereits angekündigt. "In einem Jahr sind wir sowieso pleite, sollte es zu keiner Auflösung kommen", erklärte Dillinger.
Nach der Vereinssatzung war eine Dreiviertel-Mehrheit nötig, um den Verein auflösen zu können. Von den 23 stimmberechtigten Mitgliedern stimmten bei einer Stimmenthaltung 18 für eine Auflösung und vier dagegen.

"Das tut ganz schön weh", meinte eine der Sängerinnen, als sie die erhobenen Hände sah.
Bürgermeister Heinrich Süß (UWG), der als Mitglied der Versammlung beiwohnte, bedauerte die Auflösung, musste aber so wie auch die Chorleiter den mehrheitlichen Beschluss zur Kenntnis nehmen. Anne Lux, Vorsitzende des Vereins, bedankte sich mit bewegenden Worten bei den Mitgliedern, der Chorleiterin und beim Markt Weisendorf. Dann schlug Susan Ehlert zum letzten Mal die Tasten des Klaviers an, um den Ton für "Wahre Freundschaft soll nicht wanken ..." vorzugeben.

Vereinsvermögen geht an die Kindertagesstätten

Die jetzige Vereinsführung wurde beauftragt, sich um die Liquidation des Vereins zu kümmern. Die Vereinsfahne soll der Nachwelt erhalten bleiben und wird einen Platz im Heimatmuseum finden. Das Vereinsvermögen wird nach der Satzung zu gleichen Teilen an die drei Kindertagesstätten des Marktes Weisendorf gehen.