Zwei große Festzüge zu historischen Jubiläen erlebten die Herzogenauracher in den letzten 65 Jahren. Beim Heimatverein konnten zahlreiche Besucher nach den Filmaufnahmen vom Jubiläumsfest von 1949 (650-Jahr-Feier Stadterhebung) nun den Film vom Festzug aus dem Jubeljahr 2002 (1000 Jahre erste urkundliche Erwähnung) sehen.
Daniel Kardos und Lorenz Zürl, beide begeisterte Fotografen und Hobby-Filmer, präsentierten unlängst ihre Filme: einmal den großen Festzug, zum anderen die wichtigsten Ereignisse aus dem Festjahr 2002. Die Besucher waren begeistert: "Wir sind am 30. Juni 2002 selbst mitmarschiert und haben vom Zug eigentlich gar nichts mitbekommen. Heute haben wir zum ersten Mal alle 150 Gruppen gesehen und noch einmal erlebt, welch tolle Stimmung vor zehn Jahren in der Stadt herrschte", so der allgemeine Tenor bei den Besuchern des Filmabends.

Anfeuerungsrufe


Anders als bei den Aufnahmen von 1949 war die Stimmung diesmal auch per Ton aufgefangen worden und so hallten dann die Anfeuerungsrufe "Herzi-Aura" des Kommentators vor der Ehrentribüne noch einmal durch den Raum. Der von einem Festzug-Ausschuss unter Leitung von Siegbert Sendner organisierte Zug war wegen der Endspielteilnahme der deutschen Fußballer kurzfristig von 14 Uhr auf 10 Uhr vorverlegt worden. Rund 30 000 Zuschauer säumten die Straßen und bedachten die 5200 Teilnehmer immer wieder mit spontanem Beifall.
Fast alle Herzogenauracher Vereine, dazu sämtliche Schulen und Kindergärten sowie die Firma Schaeffler waren mit eindrucksvollen Gruppen oder Festwagen vertreten. Mehr als zwei Stunden zogen die einzelnen Gruppen vom Ina-Parkplatz durch die Stadt hinaus in die Weihersbach-Anlagen, darunter 30 Musikkapellen, 40 Festwagen, 70 Pferde und einige Ochsengespanne.
Auf der Ehrentribüne in der Hauptstraße hatte die Prominenz aus Kirche, Politik und Wirtschaft bei strahlendem Sonnenschein Platz genommen, unter anderem Ehrenbürgerin und Sponsorin Maria-Elisabeth Schaeffler, der heutige bayerische Innenminister Joachim Herrmann und der Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis mit ihren Ehefrauen.

Heinrich und Kunigunde


"Das war ein toller Streifzug durch die Herzogenauracher Geschichte, von den Germanen, der Missionierung durch den Frankenapostel Kilian bis hin zu den Amerikanern und den heutigen Wirtschaftsunternehmen" zeigte sich Film- Besucher Konrad Kummeth, einst Dritter Bürgermeister in der Stadt, begeistert. Und Christa Peetz, Festzugteilnehmerin bei der historischen Gruppe des Heimatvereins, ergänzt: "Wir haben ja vom eigentlichen Festzug fast gar nichts mitbekommen. Lediglich beim Aufstellen konnten wir einige wenige der übrigen Gruppen in ihren schönen Gewändern sehen."
Über 15 000 Euro hatte die Stadt für historische Kostüme aus dem Fundus eines Bayreuther Kostümverleihs hinblättern müssen. Wobei die Mitglieder des Heimatvereins in ihren eigenen Gewändern mitmarschierten, die unter Leitung von Gundi Müller und Hilde Tiedemann entworfen und selbst genäht worden waren.
Und so feierten die Herzogenaurach ein weiteres Mal ein Wiedersehen mit Persönlichkeiten aus der Geschichte, die für Herzogenaurach einst bedeutend waren: mit dem Kaiserehepaar Heinrich II. und Kunigunde, den Fürstbischöfen Friedrich von Hohenlohe (Verfasser eines Rechtsbuchs, in dem erstmals der Begriff "Hertzog-Awrach" auftaucht) und Lothar Franz von Schönborn, dem Erbauer des Schlosses. Man konnte Bekanntschaft machen mit wenig erfreulichen Ereignissen aus der Geschichte, wie den Pestzeiten (Pestarzt war Dr. Bucher) oder kriegerischen Ereignissen mit bunter und wilder Soldadeska.

Im Jeep stand der "Pick"


Eine Gruppe ehemaliger in der Stadt stationierter US-Militärs war ebenfalls im Festzug vertreten, an ihrer Spitze im Original Jeep der 40-er Jahre der einstige Kommandeur "Pick" Leibenguth. Spontanen Beifall im Filmsaal gab es, als der inzwischen verstorbene "Rahmbergbürgermeister" Sepp Bitter im Frack in seinem Zweispänner die Besucher in der Hauptstraße begrüßte.
Als sich am Ende des Festzugs die Ehrengäste den historischen Gruppen anschlossen, gab es nur zufriedene und strahlende Gesichter, in vorderer Reihe natürlich beim damaligen Ersten Bürgermeister Hans Lang.