Der alte Diesel-Motor schnauft und tuckert. Für die Feuerwehrleute ist dieser Sound Musik in den Ohren. "Er lässt das Herz höher schlagen", sagt Jürgen Völlner, der Vorsitzende des Höchstadter Feuerwehrvereins, und streicht fast zärtlich über den frischen roten Lack.
Ein ortsansässiges Unternehmen hat das leuchtende Feuerwehr-Rot vor einiger Zeit aufgebracht. Zusammen mit einer Handvoll Leuten ist der Vorsitzende derzeit dabei, das alte Tanklöschfahrzeug Typ TLF 15 der Höchstadter Feuerwehr aufzumöbeln. Denn bis zum 150-jährigen Gründungsfest im Mai soll der Oldtimer wieder tipptopp sein.
Nicht, um damit einen Einsatz zu fahren! Die Zeiten sind endgültig vorbei. Seinen letzten "Ernstfall" erlebte das nostalgische Fahrzeug vom Baujahr 1954 vor etwa zwei Jahren bei einem Flächenbrand. Beim Jubiläum soll der alte Löschtanker vielmehr im Festzug und beim Oldtimer-Treffen auf den Aischwiesen präsentiert werden.
Nur 41 800 Kilometer hat der Magirus Deutz auf dem Buckel. "Es war das erste Löschfahrzeug im Kreis Höchstadt, das mit einem Wassertank ausgestattet war", erzählt Jürgen Völlner nicht ohne Stolz. 2500 Liter fasst das Reservoir. Mit seinen 125 PS schafft der Sechs-Zylinder-Motor gerade mal 80 Stundenkilometer.
Nachdem die Stadt entschieden hatte, "keinen Pfennig mehr in das Fahrzeug zu stecken", habe die Vorstandschaft der Feuerwehr vor zwei Jahren beschlossen, das alte Löschfahrzeug selbst herzurichten. Die Vereinssatzung weise ausdrücklich das Ziel "... Erhalt von historischem Gerät" aus.
Gemeinsam mit dem Feuerwehrvorsitzenden legen Roland Amon, Gerhard Schockel und Uwe Stichert Hand an. Als im vergangenen Jahr der komplette Motor ausgebaut wurde, hätten außerdem Harald Schütz und Georg Amtmann von der Stadt mitgearbeitet, berichtet Völlner. Dabei erwies sich, dass der Motor vollkommen in Ordnung war. Verschleißerscheinungen habe lediglich die Kupplung gezeigt. Die habe man inzwischen ausgewechselt. Auch die Fahrerkabine sei instand gesetzt worden.

Echte Muskelkraft nötig


Knapp 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit und etwa 8000 Euro werden nach Schätzung des Teams nötig sein, um ihr Goldstück wieder total flott zu machen. Natürlich funktionieren auch die Lichter und die Sirene. "Warum ist das Licht rot", fragt Völlner wie ein Quizmaster. Und weil die Zeitungsleute passen müssen, löst er das Rätsel selbst auf. 1954 hätten sich die Sonderfahrzeuge noch an denen der amerikanischen Besatzungsmacht orientiert. Und dort waren die Lampen halt rot. Die blauen Rundum-Leuchten seien erst später dazu montiert worden.
Um das alte Fahrzeug zu steuern - das schwarze Lenkrad ist schon völlig abgegriffen - brauche es noch echte Muskelkraft. "Man muss richtig gut fahren und Zwischengas geben können", sagt Völlner. Denn Elektronik hat der alte Magirus nicht an Bord. Übrigens war der feuerrote Tanker in den 58 Jahren seines ereignisreichen Daseins bis zum heutigen Tag immer zugelassen. Der Stadt entstünden durch die Restaurierung praktisch keine Kosten, erklärt Völlner. Noch fehlen die alten Wappen, die - als Tüpfelchen
auf dem i - die Türen zieren sollen. Dann kann es wieder kommen, "das einzigartige Feeling", das sich nach Völlners Worten beim Lenken dieses robusten Fahrzeugs mit Sicherheit einstellt.