Namentlich in der Zeitung genannt werden möchten sie alle nicht, die Eigentümer von Häusern, Bauernhöfen, Scheunen, Mühlen und anderen Bauwerken, die auf der Liste des Landesamtes für Denkmalschutz stehen. Viele Eigner denkmalgeschützter Objekte haben mit dem Denkmalschutz und vor allem den ihn vertretenden Behörden ihre Probleme - auch im Raum Höchstadt. Da fällt schon mal das eine oder andere erhaltenswerte Objekt in sich zusammen, weil man sich nicht einigen kann.
An Beispielen dahinsiechender historischer Bausubstanz mangelt es nicht. Die Medbacher Mühle, ein einst stattliches Anwesen, ist nicht mehr zu retten, müssen sogar die Denkmalschutzexperten inzwischen einräumen. Eigentümer und Denkmalschutz waren nicht unter einen Hut zu bekommen.

Warten auf die Abrissgenehmigung


In der Engelgasse steht ein barocker Bauernhof mit Scheune. Der Eigner möchte die Scheune abreißen, hat auch schon die Zustimmung des städtischen Bauausschusses. Erteilt wird die Genehmigung aber vom Landratsamt, und hier spricht die Denkmalschutzbehörde mit. Von dort ist zu vernehmen, dass das gesamte barocke Bauernhofensemble auf jeden Fall erhalten werden soll. Der Eigentümer wartet jetzt erst einmal auf die Abrissgenehmigung für die Scheune und will dann entscheiden, wie es mit dem unter Schutz stehenden Wohnhaus weiter geht.
In Nackendorf trotzt eine 400 Jahre alte Fachwerkscheune Wind und Wetter. Ihr Eigentümer wollte nur das Dach neu decken - natürlich wieder mit Biberschwanzziegeln. Der Denkmalschutz legte ihm nahe, die alten Ziegel wieder zu verwenden und nur die Lattung zu erneuern. Auch hätte er gleich eine Grundmauer sanieren sollen - dafür natürlich Zuschüsse bekommen. Dem Scheunenbesitzer war das trotzdem zu aufwändig. Seine Strategie: "Jetzt warte ich erst einmal ein paar Jahre ab."
Im Herzen Höchstadts bröselt ein anderes Objekt seit Jahren vor sich hin: das "Töpfla". Dieses alte Gastwirtshaus hatte ein Höchstadter erworben, um es durch einen Neubau zu ersetzen. Noch ehe es abgerissen war, war aus dem Haus ein Denkmal geworden, um dessen Erhalt sich seither niemand bemüht.
Auch die Stadt muss Pläne dem Denkmalschutz opfern. Ein von außen unscheinbares Häuschen an der Bamberger Straße sollte gekauft und abgerissen werden, um mehr Platz für das Medizinzentrum zu schaffen. Als es dann plötzlich ein Denkmal geworden war, verzichtete die Stadt auf den Kauf.

Denkmalschutz sollte nur beraten


Einer, der die offene Konfrontation mit den Denkmalschutzbehörden nicht scheut, ist der Höchstadter Assad Wasel. Er liebt alte Häuser und lässt sich dessen Sanierung einiges kosten. Gelungene Beispiele sind die Alte Mälzerei und das daneben stehende Benefiziatenhaus. Dabei hat er aber Denkmalschutz-Auflagen nicht eingehalten, sich geweigert, ein Bußgeld zu bezahlen und schließlich in einem Gerichtsverfahren Recht bekommen. Der aus Afghanistan stammende Heilpraktiker schätzt die in Deutschland geltenden Vorschriften, zweifelt jedoch manchmal an deren Vernunft. "Wir müssen Regeln und Gesetze ändern", sagt er mit Blick auf den Denkmalschutz und sucht Mitstreiter. Wasel will nicht gegen die Beamten des Denkmalschutzes kämpfen, sondern mit ihnen arbeiten. Allerdings sollten Denkmalschützer für ihn nur eine beratende Funktion haben.
Der große Buhmann ist in vielen Fällen der beim Landesamt für Denkmalpflege für den Landkreis Erlangen-Höchstadt zuständige Thomas Wenderoth. Er hat hier schon viele Objekte zum Denkmal erklärt und legt auch fest, was ein Denkmal ausmacht. "Denkmäler müssen nach der Instandsetzung noch Denkmäler sein", ist seine Maxime. "Es hilft nichts, wenn wir nach einer Sanierung kein Denkmal mehr haben." Dann hätten künftige Generationen keine Chance mehr, Fertigungstechniken nachzuvollziehen.

Eigentum verpflichtet


Wenderoth erinnert an den Spruch "Eigentum verpflichtet". Wenn ein Eigentümer 40 Jahre an einem Objekt nichts mache, würden halt 3000 Euro nicht reichen. Zuschüsse vom Denkmalschutz gebe es in unterschiedlichen Höhen, "allerdings ist die Förderung nicht dazu da, vernachlässigten Bauunterhalt auszugleichen".
Er analysiere ein Denkmal und gebe eine Stellungnahme an das Landratsamt. Dort wäge man dann zwischen den Interessen des Denkmalschutzes und des Eigentümers ab. "Das Landratsamt könnte die Leute zwingen, etwas für den Erhalt ihrer Denkmäler zu tun, macht es aber häufig nicht", sagt der Experte. Mit Blick auf die Medbacher Mühle muss selbst er eingestehen, "dass wieder einmal ein Denkmal verschwunden ist".
"Leider hat es das Denkmalschutzamt versäumt, die Volksnähe zu bewahren", sagt die aus Zeckern stammende Diplom-Restauratorin Carolin Roth. Ihr blutet auch das Herz, wenn sie alte Bausubstanz verfallen sieht. Roth ist nach zehn Jahren in Oberbayern zurückgekehrt nach Franken, um sich mit Ehemann Wolf Stoebel und Tochter Frieda ein altes Bauernhaus zu kaufen und vor dem Verfall zu retten.
Sie haben es schon bei vielen leer stehenden Objekten in der Region versucht - bisher ohne Erfolg. Ein seit Jahren unbewohnter Dreiseit-Hof im Adelsdorfer Ortsteil Lauf hat es ihnen besonders angetan. Aber auch hier ist es wie bei den anderen Objekten: Die Eigentümer verkaufen einfach nicht. Dabei spielt der Kaufpreis erst gar keine Rolle. "Bevor ich mein Anwesen verkaufe, schiebe ich es lieber weg", bekam sie bei ihrer Suche nicht nur einmal zu hören.