Thomas Wenderoth hat sich festgelegt: Einem Abbruch des alten Hauses in der Badgasse 5 könne er nicht zustimmen. Das hat der für Herzogenaurach zuständige Gebietsreferent vom Landesamt für Denkmalpflege in München der Stadt auch bereits in einer fachlichen Stellungnahme mitgeteilt. Der Verwaltung liegt ein Abbruchantrag für das Haus vor, der am kommenden Donnerstag im Bauausschuss behandelt werden soll.

"Ein Abbruch ist abzulehnen, weil das Haus ein wichtiger Teil des Altstadt-Ensembles ist", stellt der Denkmalexperte aus seiner Sicht fest. Seine Stellungnahme fließt in die Entscheidung des Landratsamts mit ein, das ja Genehmigungsbehörde ist. Dort hat man sich noch keine abschließende Meinung gebildet, wie Pressesprecherin Hannah Reuter dem FT auf Anfrage mitteilte.

Die Firma Rattmann Wohnbau plant das ehemalige Wohn- und Geschäftsgebäude zu erwerben und möchte es dann auch abreißen. Einen Zeitplan hat sich Jürgen Rattmann noch nicht gegeben. Er möchte zum jetzigen Zeitpunkt lediglich abklären, ob er eine Genehmigung für den Abbruch bekommt (der FT berichtete in seiner Samstagsausgabe).

Für Thomas Wenderoth, den Vertreter der obersten bayerischen Denkmalschutzbehörde, hat ein Erhalt historischer Bausubstanz höchste Priorität. Bei einem Ortstermin hat er sich das Haus auch schon angeschaut, von außen wie von innen. Und da sei er zu der Ansicht gekommen, dass das Gebäude erhaltenswert und auch sanierungsfähig ist. Es sei zwar die letzten 30 Jahre nichts daran gemacht worden und es gebe auch einige Risse in der Fassade. Dennoch wäre das Gebäude, das aus der Zeit um 1700 stammt, von der Substanz her technisch haltbar, meint Wenderoth.

Entscheidender ist für den Denkmalschützer aber der Ensembleschutz. Das Gebäude passe in das dortige Bild der Altstadt. Die Badgasse als echte Quergasse sei auch durch dieses alte Haus geprägt. In einer Stellungnahme heißt es wörtlich: "Das überlieferte Straßenbild der Badgasse hängt im Besonderen von der Erhaltung dieses Baukörpers ab, da der Stadtraum bei Wegfall des Gebäudes nicht mehr als historische schmale Gasse erlebbar wäre".


Historischer Zugang


Im Mittelalter sei die Straßenanordnung in Kreuzform typisch gewesen. Das zeichne sich auch in der Herzogenauracher Altstadt und besonders auch in der Badgasse ab. "Wir brauchen einfach dieses Haus", sagt Wenderoth. Man habe schon nebenan einen Parkplatz als Brachfläche. Wenn nun auch dieses alte Gebäude abgerissen würde, dann wäre das für Wenderoth "städtebaulich ein Desaster". Denn das Anwesen Badgasse 5 bilde mit dem gegenüberliegenden Baudenkmal Badgasse 4, also dem Domizil der VHS, eine Torsituation, die den Zugang von Süden in die historische Kernstadt markiert.

Diese Torsituation sieht auch Anja Wettstein, die Leiterin des Planungsamts im Herzogenauracher Rathaus. Das Haus sei zwar kein Einzeldenkmal, genieße aber den Ensembleschutz der Altstadt. Deshalb wäre für Wettstein wichtig, dass an der dortigen Stelle eine Raumkante erhalten bliebe. Das also die mittelalterliche Gasse auch künftig als solche ersichtlich ist. Das heißt, es müsse selbst nach einem etwaigen Abbruch wieder ein Gebäude errichtet werden, das eine gewisse Torsituation aufrecht erhält.

Generell aber ist das Haus laut Wettstein aus baulicher Sicht der Stadt "nicht zwingend sanierenswert".
Im Landratsamt wartet man nun die Bauausschuss-Sitzung in Herzogenaurach ab. Man will vor einer Entscheidung das Haus außerdem erst noch von innen begutachten, sagt Pressesprecherin Reuter. Denn: "Wir trennen uns so schnell nicht von einem Baudenkmal", verdeutlichte Udo Fröhlich von der Unterem Denkmalschutzbehörde am Landratsamt.