Aufmerksam hat die braune Stute ihre Ohren nach vorne gerichtet. Plötzlich dreht sie ihre Lauscher zur Seite, hat irgendwo ein Geräusch wahrgenommen, vielleicht ein Rascheln im Gebüsch. "Pferde haben ein sehr sensibles Gehör, viel sensibler als das von uns Menschen", erklärt Anette Bethke.

Bethke ist Mitglied im Höchstadter Reit- und Fahrverein, ist dort zuständig für den Bereich Tierschutz, hat selbst ein Pferd, das auf dem Gelände des Vereins am Kieferndorfer Weg untergebracht ist. Und sie macht sich Sorgen, was passiert, wenn im kommenden Jahr in unmittelbarer Nähe wieder das Daycation Festival stattfindet, mit elektronischer Musik aus meterhohen Verstärkerboxen, wummernden Bässen und tausenden feierwütigen Besuchern.

Pferde spüren auch die Vibrationen der Bässe

"Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es beim letzten Mal hier
aussah", sagt sie. "Die Pferde waren völlig verängstigt. Wir mussten sie in den Boxen lassen, auf der Koppel oder in der Reithalle wären sie durchgegangen." Total apathisch seien die Tiere in ihren Boxen gestanden. "Pferde sind Fluchttiere. Sie sind nicht nur für Geräusche sensibel, sondern auch für Vibrationen, die sie über den Boden wahrnehmen. Wenn sie sich erschrecken, haben sie den Impuls loszulaufen. Die laute Musik, die ständige Veränderung der Lautstärke und die Schwingungen der Bässe haben sie immerzu erschreckt, aber weglaufen konnten sie ja nicht."

All das einen Tag lang auszuhalten, sei für die Tiere schon schwer gewesen. "Aber zwei Tage, das ist eine Zumutung. Das geht gar nicht." Außer dem Stress ergäben sich noch andere Probleme. "Pferde müssen sich bewegen, sonst bekommen sie Koliken. Wir können sie kaum 48 Stunden lang in ihren Boxen lassen." Zu dem Leiden der Tiere kämen möglicherweise noch hohe Kosten, gibt Michael Schoebel, Vorsitzender des Reitvereins, zu Bedenken. "Eine Kolik-OP kostet mehrere Tausend Euro. Lässt man das Pferd doch aus der Box, rennt es vielleicht in Panik auf die Straße und in ein Auto. Für den Schaden wird keine Versicherung aufkommen. Die werden sagen, man hätte das Pferd unter solchen Bedingungen nicht aus dem Stall lassen dürfen."

"Wusste nicht, dass ein weiteres Daycation zur Debatte stand"

Anette Bethke ärgert sich, dass der Reitverein in die Entscheidung des Stadtrats in keiner Weise einbezogen wurde. "Ich wusste nicht einmal, dass ein weiteres Daycation in Höchstadt überhaupt zur Debatte stand." Auf Nachfrage des FT sicherte Günter Schulz (SPD), Zweiter Bürgermeister von Höchstadt zu, die Anliegen des Reitvereins anhören zu wollen. "Wir finden eine Lösung", so Schulz.

"Es ist ja nicht so, dass wir völlig gegen das Festival sind", sagt Bethke. "Aber über den Veranstaltungsort sollte man nochmal reden. Warum kann das Ganze nicht auf den Aischwiesen stattfinden?" Auch eine Verlegung des Festivalgeländes auf die andere Seite der Eishalle und des Freibads wäre eine Möglichkeit. "Jeder Meter hilft. Ob es ausreicht, ist die andere Frage." Sie habe bereits mit dem Veranstalter, Lion Heuschkel telefoniert, erzählt Bethke. "Er war sehr offen und gesprächsbereit, meinte aber, dass die Planungen noch nicht weit genug fortgeschritten seien, um über Bühnenstandorte zu sprechen." Der FT konnte Heuschkel für ein Statement leider nicht erreichen.