Etwas abseits gelegen und dennoch mitten drin: Über Jahrzehnte hinweg war ein Dorfwirtshaus am Dachsknock eine beliebte Adresse in der Region. Neben dem weithin bekannten Speiselokal Süß, in der Region geschätzt vor allem durch seine Karpfen, konnte sich das Gasthaus Seitz als zweite Adresse in dem 600-Seelen-Dorf behaupten. Und das über eine lange Zeit hinweg.

Zuletzt hieß es "Landgasthaus Heller", nachdem 1993 der Eigentümer gewechselt hatte. Vor rund zwei Jahren war dann aber Schluss mit der Bewirtung, seither stand das Gebäude leer und jetzt ist das Kapitel endgültig abgeschlossen. Denn das Haus wurde abgerissen.

Sieglinde Gumbert war die letzte Pächterin in dem Lokal, das vor allem in der Karpfenzeit in den R-Monaten des Winterhalbjahrs eine beliebte Adresse war. Da war richtig was los, erinnert sich die 63-Jährige, die das Landgasthaus Heller gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang von 1999 bis 2018, also fast 20 Jahre lang, betrieb. Dann gingen die Beiden in Ruhestand, ein neuer Pächter fand sich nicht. Und jetzt geht das Grundstück den gleichen Weg wie viele andere gastronomischen Stätten auf dem Land auch: Aus einem Wirtshaus wird Wohnraum. Der Eigentümer Hans Heller aus Herzogenaurach hat das Areal an eine Wohnbau-Gesellschaft verkauft.

Heller kaufte das Anwesen 1993

Ihm sei im Grunde auch nichts anderes übrig geblieben, sagt der Herzogenauracher Brauereibesitzer, der das Anwesen 1993 erworben hatte. Als die Pächter auszogen, habe er sich noch nach Nachfolgern umgeschaut, doch ohne Erfolg. "Ich hätte viel Geld reinstecken müssen", sagt Heller, der schon seit den 1980er Jahren sein Bier dorthin lieferte. Aber solche Dorfwirtshäuser sind heutzutage unsichere Projekte, die Zeiten haben sich geändert. Klassische Wirtshäuser werden weniger gebraucht, ihre Zahl schrumpft überall. Kein Wunder, dass sich niemand fand, der es gepachtet hätte.

So knüpfte Heller Kontakt zu einer Wohnbaufirma und das letzte Wirtshaus-Kapitel nahm seinen Gang. Er habe noch ausräumen können, auch die Möbel fanden einen Liebhaber. Fortan wartete das Haus auf den Bagger. Der kam dann auch, noch im alten Jahr, und verrichtete seine Arbeit. Derzeit sind noch Aufräumarbeiten im Gange, bevor es an den Bau einer Wohnanlage geht.

Bauträger ist die Firma Werner Wohnbau. Errichtet werden sieben schlüsselfertige Wohnhäuser mit rund 136 Quadratmeter Wohnfläche. Das geht aus dem Internetauftritt des Unternehmens hervor. Die Häuser werden nach dem erneuerbaren Energien-Gesetz erstellt und schlüsselfertig angeboten. Auf dem Grundstück entstehen ein Reihenhausdreispänner und ein Reihenhausvierspänner sowie sieben Garagen mit acht Stellplätzen.

Ein echtes Dorfwirtshaus

In früheren Zeiten prägte das Wirtshaus das Geschehen in dem kleinen Ort, "es gehörte einfach zum Dorf", erinnert sich Pächterin Sieglinde Gumbert. Das war auch noch so, als das Ehepaar dort begann. Auch wenn sie selbst nicht so richtig zum Dorf gehörten, sei es doch eine schöne Zeit gewesen, blickt sie zurück. "Eine schöne, aber auch schwierige Zeit", sagt sie. "Wir haben schon kämpfen müssen, vor allem im Sommer".

Denn in den warmen Monaten war es ruhig im Landgasthaus Heller. Es war zu abgelegen, eine Laufkundschaft gab es nicht. Aber in den Wintermonaten, zur Karpfenzeit, da ging's hoch her, erinnert sich die Gastronomin im Ruhestand weiter. Und da war ja auch noch die Stammkundschaft. Die habe alle Strapazen wieder wett gemacht.

Die Gumberts erinnern sich gern an ihre Kundschaft, vor allem an die treuen Gäste, die regelmäßig kamen, besonders aus Herzogenaurach. Beispielsweise an eine Familie, die zwar nicht reservierte wie andere. Aber: "Die riefen immer an, wenn sie nicht kamen". Oder ein älterer Herr aus Herzogenaurach, schon über neunzig, nach dem man die Uhr stellen konnte. "Der ist jeden Sonntag mit dem Auto gekommen", weiß Sieglinde noch heute. Bestellt habe er Suppe und Karpfen, und im Sommer Suppe und Braten. "Das war ein guter Esser", lächelt die ehemalige Wirtin. "Für ihn haben wir immer gern seine Suppe gemacht."

Es war ein typischer Familienbetrieb. Wenn viel los war am Wochenende, dann haben die beiden Kinder mitgeholfen. Sabine ist heute 42, Christian 39. Die Gäste haben es gedankt. Noch heute finden sich Einträge im Internet-Gästebuch. "Tolles Essen. Wir wurden sehr schnell und nett bedient", heißt es da. Oder: "Immer schön dekoriert und ideal für Familienfeiern."

Die Zukunft für das Areal des einstigen Gasthauses der Familie Seitz, die in den 1950-er Jahren begann und in den 80-ern mehrere Schicksalsschläge hinnehmen musste, und des späteren Landgasthauses Heller hat begonnen. Aus der Wirtschaft wird Wohnraum. Bald soll's losgehen, so künden es zumindest Verkehrsschilder vor dem Bauzaun an. Seit dem 1. Januar und bis zum März 2022 gilt dort absolutes Halteverbot.