Es ist eine durchschnittliche Kirchweih gewesen, bislang, aus Sicht des Wirtesprechers Georg Hager. Also nicht besonders mager, aber auch nicht besonders erfolgreich. Nur: Das wechselhafte Wetter machte schon zu schaffen. Letztlich kamen die Gewitterfronten, wie sie wollten.

Das kann Helmut Biehler vom Kulturamt im Rathaus bestätigen. Jeden Tag stellt die Stadt einen Verantwortlichen ab, der ständig die Wetterkarten im Auge hat. Vier Mitarbeiter aus dem Kultur- und Ordnungsamt sind zur Kirchweih abwechselnd eingeteilt. Am Samstag war es Biehler.

Und da kam's im Minutentakt wirklich knüppeldick, erinnert sich der Leiter des Kulturamts. Er zieht sein Handy hervor, auf dem alles protokolliert ist. Um 16.39 Uhr ging eine Unwetter-Vorwarnung des Deutschen Wetterdienstes für den Landkreis Erlangen-Höchstadt ein, sechs Minuten später schon stand Biehler auf dem Podium und informierte das Publikum. "Wir rechnen mit starken Regenfällen und Gewitter", sagte er. Und empfiehl den Gästen, das Festgelände rechtzeitig zu verlassen.

Es dauerte weitere fünf Minuten, und der PC zeigte "Rot" an. Was bedeutet: Jetzt wird die Unwetterwarnung richtig ernst, Handeln ist angesagt. Das aber hätte Biehler zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr tun können, wie er weiterhin bilanziert. Denn kaum 30 Sekunden danach setzte schon ein heftiger Platzregen ein. Rund 20 Minuten lang schütteten sich die Wolken über dem Kirchweihgelände aus.

"Eine Absage hätte jetzt keinen Sinn mehr gemacht", erklärt Biehler. Denn alle Gäste stellten sich bereits unter, suchten Schutz vor dem Regen. Und der angekündigte Wind? Der blieb aus. Die Blätter in den Bäumen raschelten nur, erinnert sich der Mitarbeiter der Stadt.


Dreifach abgesichert


So verwandelte sich die Unwetterwarnung letztlich zwar nicht gerade in ein laues Lüftchen, aber einen besonderen Grund zur Besorgnis gab es auch nicht. Das aber wisse man vorher oft nicht, denn gerade an diesem Samstag lagen Vorhersagen und Realität doch weit auseinander, berichtet Biehler.

Die Stadt orientiert sich an drei Vorhersagen. Zum einen wird der Deutsche Wetterdienst abgefragt, dann bemüht man die Angaben der Unwetterzentrale und drittens gehen die Informationen noch über die Bayerische Versicherungskammer. Letztlich sind immer die Feuerwehr und Polizei entscheidende Ansprechpartner, sagt Biehler weiter. Über eine Absage der Kirchweih entscheiden könne außerdem nur der Bürgermeister oder sein Stellvertreter.

Wenn die Farben der Vorhersagen blau oder grün sind, dann ist alles ok. Mit blau markiert der Deutsche Wetterdienst die Fläche, die nicht gefährdet ist. Die Unwetterzentrale verwendet die Farbe grün. Andrea Pöltl vom Kulturamt - sie hatte am gestrigen Montag Dienst - verdeutlicht das in dem kleinen Wetterbüro an der Ansbacher Straße: Alles war blau oder grün eingefärbt.

Seit beim Annafest in Forchheim ein herabfallender Ast ein Mädchen erschlagen hat, sind die Veranstalter von Volksfesten besonders gewarnt. Die Versicherer haben sich eingeschaltet, die Veranstaltungen werden besser überwacht.

Um eine Kirchweih allerdings absagen zu können, auch wenn es sich nur um einen Tag oder wenige Stunden handelt, bedarf es der Entscheidung des Bürgermeisters. Zuvor treten die Mitarbeiter mit der Feuerwehr und Polizei in Kontakt. Dass sie die Wetterdienste stündlich verfolgen, ist ohnehin klar.

Am Samstag stand die Absage kurz bevor. Nur der schnelle Regen und die Tatsache, dass sich die Wolken dann schnell wieder verzogen, hat für Entspannung gesorgt. Helmut Biehler und Bürgermeister German Hacker aber standen Gewehr bei Fuß sprich mit dem Handy in der Hand und verfolgten die aktuellen Daten minütlich. Die dunklen Wolken zogen schon über den Dohnwald, als die Kirchweihburschen noch den Baum aufstellten. Und eine Verkehrsmaschine zog eine ungewohnte Schleife über Herzogenaurach gen Nürnberg, als würde sie die Wetterfront absichtlich meiden. Kein leichter Job für einen Bürgermeister, in wenigen Minuten abzuwägen, ob dunkle Wolken auch gleichzeitig ein schweres Unwetter bedeuten.


Die Wetterkerze am Keller


Vielleicht denken die Leute vom Heller-Keller auch an das Stadtoberhaupt und fühlen mit ihm mit. Jedenfalls haben die Hagers eine Wetterkerze am Keller aufgestellt. Um Petrus zu besänftigen. Vielleicht sollte der Chef das auch in der Kirche tun, lautete eine Anregung. "Das geht aus Zeitgründen leider nicht", lautete seine Antwort.