Über die ungewöhnlich vielen Zuhörer bei der Sitzung des Gemeinderates freute sich Bürgermeister Alexander Tritthart (CSU). Die meisten hielten auch bis zum Sitzungsende um 23 Uhr durch, um die für sie wichtigen Tagesordnungspunkte zu verfolgen.

Für eine Reihe von Gemeinderatsmitgliedern, aber auch für die Bürger kam die Ernüchterung gleich beim Tagesordnungspunkt "Errichtung von VDSL-50 für Weisendorf", als Bernhard Gentner von der Firma Corwese auf die Kosten zu sprechen kam.

Die Firma Corwese untersuchte die derzeitige Versorgungssituation und hatte eine Infrastrukturanalyse von Weisendorf und seiner 13 Ortsteile erstellt.
Wie Gentner erläuterte, ist Weisendorf mit seinen Ortsteilen an vier Vermittlungsstellen (Heßdorf, Herzogenaurach, Höchstadt und Dachsbach) angeschlossen, was die Sache nicht einfacher, aber am Ende teurer mache.

Keine so guten Zahlen

Als der Corwese-Mitarbeiter schließlich Kosten von rund 1,1 Millionen Euro nannte, machte sie doch etwas Ernüchterung breit, zumal nicht mal alle Ortsteile in den Genuss einer vollen Versorgung kämen. "Uns muss klar sein, was auf uns zu kommt, auch bei einer möglichen Förderung von 45 Prozent", wies Tritthart auf die freiwillige Leistung der Gemeinde hin, aber auch darauf, dass man damit fast auch die dringend benötige Turnhalle finanzieren könne. "Ich habe aber auch ein Problem damit, einige Ortsteile auszuschließen", warnte der Bürgermeister vor einem schnellen Beschluss. Heinrich Süß (UWG) und Karl-Heinz Hertlein (CSU) sprachen sich für eine komplette Lösung aus. "Wenn wir schon in die Zukunft investieren, dann müssen alle Bürger davon profitieren", erklärte Süß.

Als nächster Schritt muss das Kumulationsgebiet festgelegt werden. Nach einer eineinhalbstündigen Beratung schlug der Bürgermeister vor, hier eine Entscheidung zu vertagen und der Firma Corwese Zeit zu geben, weitere Alternativen zu untersuchen.

Kolbet will Süß ausschließen

Der Grundsatzbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes mit integriertem Grünordnungsplan "Buch - östlich der Hopfenleithe", beantragt von der Unabhängigen Wählergruppe Buch-Nankendorf, begann gleich mit einem Antrag zur Geschäftsordnung. Christiane Kolbet von den Grünen ließ Bürgermeister Tritthart den Tagesordnungspunkt nicht mal richtig aufrufen, als sie prompt den Antrag stellte. Kolbet beantragte, den Bucher Gemeinderat Heinrich Süß (UWG) von den Beratungen und dem Beschluss auszuschließen, da er in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zu Grundstückseigentümern stehe und somit persönlich beteiligt sei. Dem widersprach der Bürgermeister. Nach einigem Hin und Her zog Kolbet den Antrag schließlich zurück.
Zurückgehend auf den Flächennutzungsplan von 2004, bescheinigte Tritthart dem damaligen Gemeinderat eine weitsichtige Planung zur Ortsabrundung des Weisendorfer Ortsteiles. Diese Meinung konnte Kolbet nicht teilen und kündete die Ablehnung der Grünen an. Sie verwies auf vorhandene Baulücken in Buch und auf freie Grundstücke im neuen Baugebiet in Weisendorf.

Kolbet: Vetterleswirtschaft

Kolbet beließ es aber nicht nur bei der angekündigten Ablehnung, sondern verwies auf die verbandelte Süß-Verwandtschaft und bezeichnete das Vorhaben als Vetterleswirtschaft, was bei den Zuhörern zu Kopfschütteln und Gemurmel führte. "Dummheit und Unwissenheit will ich hier nicht kommentieren, aber hier so dumm von Vetterleswirtschaft zu reden, ist traurig", meldete sich Heinrich Süß zu Wort. Der Bucher Gemeinderat und 2. Bürgermeister Süß erklärte, dass die Baulücken in Buch in Privatbesitz und auch nicht verkäuflich seien, aber junge Leute den Ortsteil auch nicht verlassen wollten.

Zwei Gegenstimmen

Dies bestätigte am Ende auch ein junges Paar aus Buch, das sich beim Bürgermeister und der Mehrheit des Gemeinderates dafür bedankte, dass in Buch ein Baugebiet entstehen soll. Gegen die zwei Stimmen der Grünen soll nun ein Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan aufgestellt werden.  Seite 17