Als im ehemaligen Tengelmann-Markt in den Klingenwiesen das Herzogenauracher Jugendhaus seine Geburtsstunde erlebte, da waren viele der treibenden Kräfte gerade mal halb so alt wie jetzt. So wie Harry Körber beispielsweise, inzwischen fast 52. Der damals 27-Jährige feierte mit der Eröffnung des "rabatz" im Juni 1991 auch einen persönlichen Erfolg. Denn ein offenes Jugendhaus, ökumenisch ausgerichtet und quer durch die politischen Fraktionen befürwortet, war zu jener Zeit nicht selbstverständlich.

Heute ist es schon ein Vierteljahrhundert her, dass das rabatz gegründet wurde. Der 25. Geburtstag soll natürlich entsprechend gefeiert werden. Am 11. Juni wird es ab 16 Uhr eine große Party geben, mit Livemusik und Discjockey, mit Grillen und Gesprächen. Viele Leute der ersten Stunde haben schon zugesagt, sagt Jugendhaus-Leiterin Christine Taistra.
Und einige von ihnen haben sich bereit erklärt, das Event vorzubereiten.

So gibt es einen kleinen Kreis, dessen Kern aus acht Leuten besteht. Neben Taistra und Körber ist Jörg Hiermann dabei, der beim Pressegespräch zum Jubiläum ebenfalls mit in der Vergangenheit kramte und manch Anekdote hervorzauberte. Dazu kommen Andrea Dirsch, Sandra Wüstner, Florian Hermann und Alex Kraus und sowie Rafael Strzodka, der Jüngste im Bunde, der als Pädagoge im Jugendhaus hauptamtlich angestellt ist.


Gespräche beim Wiedersehen

Es wird noch viel aus den Schubladen der Erinnerung kommen, ist man sich sicher. Und davon sollen alle Herzogenauracher profitieren, die das rabatz in den vergangenen Jahrzehnten begleitet haben, angefangen mit den ersten Versuchen einer offenen Jugendarbeit in der Teestube im Freizeitheim in den 80-er Jahren. Spätestens bei der Jubiläumsparty. "Reden ist da ganz wichtig", sagt Körber. Und freut sich auf das Wiedersehen: "Da kommen viele von den alten Säcken."

Zu diesem Event wollen die Organisatoren natürlich auch einen geschichtlichen Rücklick anbieten. Bilderwände werden vorbereitet, wozu man auch gern noch Fotos entgegen nimmt. Diese Erinnerungen auf Fotopapier sollen dann, digital umgewandelt, auszugsweise auch auf der Facebookseite erscheinen. Harry Körber, der Graphiker und frühere Fotoreporter des FT, ist fleißig am Scannen. Wer also was beisteuern kann, her damit, ruft er die Herzogenauracher Wegbegleiter auf. Außerdem ist auch eine Versteigerung geplant. Alte rabatz-Relikte werden angeboten, darunter auch rund hundert Schallplatten, die man noch hat. Der Erlös geht in die lokale Jugendarbeit. "Das Geld soll in der Stadt bleiben", sagt Hiermann.


"Alte" Musiker sollen kommen

In erster Linie soll es aber eine Party werden. Zu den Gesprächen am Grill gibt es Musik live und aus der Konserve. Das breite Spektrum eben, das das Jugendhaus abdeckt. Man will eine offene Bühne anbieten, ein paar Instrumente bereit stellen und will Musiker auffordern mitzuspielen, die schon mal im rabatz aufgetreten sind. Darauf freut sich besonders Harry Körber, der bei der Eröffnung vor 25 Jahren mit seiner Band "Fat Freddy" gespielt hat.

Das war am 17. Juni 1991. Im Keller des damaligen Tengelmann-Marktes hatte das Jugendhaus, damals schon mit dem Namen rabatz, eine erste Bleibe gefunden. Bis zum Juli 1998 war man dort untergebracht. Heute ist das Areal eine Großbaustelle — das Haus, in dem zuletzt ein Edeka-Markt war, wird umgebaut. Auf den Klingenwiesen entsteht ein großes neues Fachmarktzentrum. Seit Mai 1999 ist das rabatz auf dem Gelände der früheren Kläranlage zu finden, gleich neben der Stadtjugendkapelle. Die Adressse Erlanger Straße ist in all den Jahren geblieben, nur wechselte man die Hausnummern. Die Anfänge im Freitzeitheim waren ein paar Meter weiter in der Innenstadt.


Auch Initiative feiert Geburtstag

Und wie ist das, so nach einem Vierteljahrhundert? Es fühle sich manchmal schon etwas fremd an, so unter all den jungen Leuten, sagt Körber. Aber die Arbeit der "Alten" war es, die das rabatz heute noch ermöglichen. "Wir haben das aus eigener Kraft geschaftt", sagt der 51-Jährige. Aus der Gruppenarbeit heraus habe man erkannt, wie nötig eine Jugendarbeit sei, die offen ist für alle. "Und das ist heute noch aktuell."

Heuer kann übrigens noch ein zweites Jubiläum gefeiert werden. Denn ermöglicht wurde das Jugendhaus ja nur durch die Arbeit einer Gruppe von engagierten Leuten, die sich schon in den 80-er Jahren zusammen gefunden hatten. 1986 wurde die Initiative ökumenisches Jugendhaus gegründet. Beide Kirchen waren vertreten, der frühere Kaplan Wolfgang Schneider von der katholischen und Hagen Fried von der evangelischen Pfarrgemeinde wollen zum Fest kommen.


Veränderungen

Und noch etwas steht heuer an: eine Veränderung im Jugendhaus. Das wird nach 25 Jahren unter kirchlicher Trägerschaft nun städtisch. Im Herbst sollen neue Leute eingestellt werden, die Stellenausschreibungen laufen. Für Jugendhaus-Leiterin Christine Taistra ist dann Schluss. Sie will in Diensten ihres bisherigen Arbeitgebers bleiben und hat sich nicht auf die neue Stelle beworben.