Das Leben in all seinen Formen und Facetten zu erforschen und in eine Ordnung zu bringen, ist ein Vorhaben, das sich kaum in einem einzigen Leben erfüllen lässt. Noch dazu, wenn es viel zu früh endet, wie das von Johann Baptist Ritter von Spix.

Dennoch verlieh ihm der König bei seiner Rückreise aus Brasilien für seine Verdienste den Rittertitel. Spix hat die Tier- und Pflanzenwelt Brasiliens und hierzulande mit unermüdlichem Einsatz untersucht und beschrieben. Er erweitert die zoologische Sammlung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München bedeutend.

Wer sich heute in besonderem Maß für die Zoologische Staatssammlung München einsetzt, wird zwar nicht zum Ritter geschlagen, doch dem wird die Ritter-von-Spix-Medaille verliehen. Vor der Kreissparkasse in Höchstadt erinnert eine Statue an den eifrigen Zoologen, ein weiteres Denkmal steht im brasilianischen Belém. Der Höchstadter Spix-Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an den berühmtesten Sohn der Stadt zu bewahren, und hat sein Geburtshaus in ein Museum umgewandelt. In München ist eine Straße nach von Spix benannt. Und viele von ihm entdeckte Tiere, Pflanzen und Insekten tragen seinen Namen.


Aufbruchstimmung

So sehr das von Spix'sche Werk gewürdigt wird, so wenig ist den meisten von seinem ereignisreichen Leben bekannt, das 1781 in Höchstadt begann. Sein wohl größtes Abenteuer startete genau heute vor 200 Jahren, am 14. Juli 1817, als der 36-jährige Spix mit seinem jüngeren Gefährten, dem Erlanger Carl Friedrich Philipp von Martius, zum ersten Mal Fuß auf brasilianischen Boden setzte.

Inspiriert von den Südamerika-Reisen Alexander von Humboldts, gab es schon zwei Jahre zuvor in Bayern Pläne für eine Brasilien-Expedition. Sie scheiterten jedoch an den Kosten. Zwar hatte König Maximilian I. großes Interesse an Ornithologie und Botanik, er konnte jedoch die Ausgaben in Zeiten der Hungersnot nicht verantworten. Da kam es gelegen, dass auch Österreich, anlässlich der Vermählung von Erzherzogin Leopoldine mit dem zukünftigen Kaiser von Brasilien, eine große Brasilien-Expedition plante. König Maximilian zögerte nicht, den Zoologen Spix und den Botaniker Martius mitzuschicken.

Der Expedition waren zunächst keine finanziellen oder zeitlichen Grenzen gesetzt, doch scheiterte die Reise fast, bevor sie überhaupt begann. Spix und Martius hatten kaum Zeit, sich mit den nötigen Instrumenten und Büchern auszustatten. Am 28. Januar erhielten sie die Reiseorder und im März mussten sie mit den österreichischen Schiffen nach Rio de Janeiro aufbrechen. Bei einem Zwischenstopp in Wien besorgten sie noch mehr Ausrüstung und sammelten auch schon die ersten Tiere: In den Adelsberger Grotten fanden sie 18 Grottenolme.

Auch in Triest sammelte Spix Meerestiere, um sie in Gläsern nach Hause zu schicken. Er protokollierte Vögel und Insekten, bis die beiden österreichischen Fregatten "Austria" und "Augusta" in Richtung Gibraltar absegelten, von wo aus sie mit zwei portugiesischen Schiffen den Atlantik überqueren sollten.

Doch schon am Tag nach der Abreise gerieten die beiden Fregatten in ein starkes Unwetter, wobei die "Augusta" so schwer beschädigt wurde, dass die "Austria" allein reisen musste - mit an Bord: Spix und Martius.
Nicht nur viele ungeplante Aufenthalte nutzte Spix, um Forschungsmaterial zu sammeln. Auch auf hoher See nahm er Proben und studierte unter anderem das Meeresleuchten. Spix fand heraus, dass das Leuchten von winzigen Einzellern ausgelöst wurde.


Land in Sicht

Etwa nach zwei Wochen sahen die Passagiere der "Austria" zum ersten Mal das "Kreuz des Südens", das bekannte Sternbild, das auch im Wappen von Brasilien auftaucht. Und , nach weiteren vier Wochen, am 14. Juli 1817, erblickte und bejubelte die Schiffsgesellschaft Land am Horizont.

Tief beeindruckt schreibt Spix in seinem Reisebericht: "Ein unbeschreibliches Gefühl bemächtigte sich unser Aller in dem Momente, da der Anker auf den Grund eines anderen Kontinentes hinabrauschte und der Donner der Kanonen mit einfallender Kriegsmusik das ersehnte Ziel der glücklich vollendeten Seereise begrüßend verkündete."

Doch das wahre Abenteuer sollte erst beginnen. Spix konnte nicht ahnen, welche bunte Pracht und Vielfalt ihn in den Urwäldern von Brasilien erwartet. Bei dem Vorhaben, diese bis ins Detail erforschen, fingen sich Spix und sein Reisegefährte Martius nicht nur die eine oder andere Tropenkrankheit ein, sondern riskierten des öfteren ihr Leben.