Die Stadt der Technologie und des Sports kann sich glücklich schätzen. Sie ist in der Lage, sich finanziell um ihr Zentrum zu kümmern. Und zwar mit millionenschweren Ausgaben. Auf dem Hubmann-Areal und an der Schütt steht eine Aufwertung der Infrastruktur bevor, die die Attraktivität der Innenstadt deutlich steigern soll. Und dann ist da noch das Vereinshaus, bislang ebenfalls in der Innenstadt gelegen.

Das Gebäude ist am Ende, eine Entscheidung über Sanierung respektive Neubau am Standort oder aber über eine neue Stadthalle irgendwo weiter außerhalb steht bevor. Die Geister scheiden sich, beide Varianten haben ihre Befürworter. Aber: Darf ein Vereinshaus wirklich losgelöst von den anderen Aufgaben in der Innenstadt betrachtet werden? Ist das nicht Flickschusterei, bräuchte es nicht einen Generalplan? Diese Frage stellt sich zumindest die CSU. Deren Fraktionschef Bernhard Schwab konkretisiert das im FT-Gespräch.

"Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die Innenstadt", wiederholt er seine Forderung aus der letzten Stadtratssitzung. Denn ohne zu wissen, was mit dem Vereinshaus geschieht, mache es auch keinen Sinn, über den Hubmann-Parkplatz zu reden. Wichtig ist für Schwab außerdem: "Wir müssen mit den Vereinen reden und die Bevölkerung in den Planungsprozess einbeziehen." Der CSU-Politiker: "Bei anderen Themen machen sie Riesen Workshops. Hier aber geht es konkret um die Zukunft. Das darf der Bürgermeister nicht allein entscheiden."

In punkto Vereinshaus ist für den Kommunalpolitiker und ehemaligen langjährigen Präsidenten der Stadtjugendkapelle wichtig, dass es ausgelastet ist. "Es muss sich ja rentieren." Also müsse man interessiert daran sein, dass das Haus auch tagsüber gebucht wird, mit Tagungen zum Beispiel. Damit verbunden aber ist für Schwab viel Verkehr, denn Tagungsgäste kommen mit dem Auto. "Parken die dann alle in der geplanten Hubmann-Tiefgarage?", fragt sich Schwab. Die wäre dann blockiert.

Vorschlag Klingenwiesen

Der CSU-Mann würde sich deshalb lieber in Richtung einer Stadthalle orientieren, die an einem anderen Standort als das bisherige Vereinshaus gebaut werden sollte. Herzogenaurach habe auch ein Umland. Eine Halle für ein Gebiet mit rund 40.000 Einwohnern könne man auslasten, meint er. Und wo? Warum nicht auf den Klingenwiesen?, schlägt er für den Fall vor, dass sich auf dem seit langem leer stehenden Obi-Areal keine andere Lösung verwirklichen lässt.

Einen Unterstützer seiner Innenstadt-Idee findet Schwab in Michael Dassler. "Schade, dass die Innenstadt nicht als Gesamtkonzept betrachtet werden soll", fasst er den Beschluss der letzten Stadtratssitzung zusammen. Da hatte sich das Gremium mehrheitlich für eine Planung des Hubmann-Parkplatzes mit Gebäuden, unter anderem für eine Stadtbibliothek, ausgesprochen. Für Dassler sollten neben Vereinshaus und Hubmannparkplatz auch das Rathaus und die leer stehende ehemalige "Hanika" in eine Planung einbezogen werden.

Der Vorsitzende der Förder- und Werbegemeinschaft (Föwe) bringt noch einen anderen Aspekt mit ein: "Wir haben nicht genug Fläche für den Einzelhandel", stellt er fest. "Wir bräuchten das Doppelte an Geschäften." Früher habe man in der Hinteren Gasse eine Menge an Läden gehabt. Das könne wieder passieren, wenn man auf das Vereinshaus verzichten würde.

Aus seiner Sicht, und die der Föwe, müsste ein städtisches Veranstaltungshaus nicht unbedingt dort platziert sein. Dassler: "Lieber zehn Geschäfte als ein Vereinshaus. Das wäre für die Innenstadt wichtiger." Dazu passt für Dassler eben auch die "Hanika". Dieser ehemalige Markt sei zu einem Schandfleck verkommen und müsste dringend angepackt werden.

Rathaus raus aus der City?

Für Dassler müsste das Areal Hubmannparkplatz, Hintere Gasse und westliche Hauptstraße gemeinsam betrachtet werden. Da habe der Stadtrat aber eine Chance vergeben, gleichwohl nach Dasslers Ansicht mit dem Hubmann-Beschluss noch nichts endgültig festgezimmert ist. Wenn man die Fläche aber wirklich verplant, wäre sie ein für alle Mal weg. Und beim Vereinshaus würde, durch einen vom Bürgermeister bevorzugten Neubau am alten Standort, auch der status quo zementiert. Das aber wäre schade, meint der FDP-Politiker. Für ihr wäre ein Gesamtplan gut, man sollte auflisten, was man alles braucht.

Und da hat der Föwe-Vorsitzende einen nahezu provokant klingenden Vorschlag. "Muss das Rathaus zwingend dort sein, wo es bisher steht?", fragt Dassler. Soll man den in den 60-er Jahren an das historische Schloss angebauten Trakt wirklich sanieren? Oder wäre es nicht besser, den Anbau abzureißen, um eine neue große Fläche zu bekommen. Im Schloss könnte man die Stadtbibliothek unterbringen und ein Bürgerbüro obendrein, meint der ehemalige CSU-Politiker.

Mit der reinen Verwaltung könne man weiter nach außerhalb umziehen. Dassler schweben da auch schon Möglichkeiten vor. Irgendwann werde Adidas seine alten Räume an der Bahnhofskreuzung nicht mehr benötigen, sinniert er. Dieser Standort aber wäre doch ideal für ein Rathaus oder aber für eine städtische Kulturhalle, könnte er sich vorstellen. Und auch für das Obi-Areal müsse eine Lösung gefunden werden.



Und was meinen die Vereinsvertreter? Drei Aussagen zum Vereinshaus. Zwei tendieren zu einer Stadthalle am Stadtrand . Ein Vereinshaus am bisherigen Standort können sie sich nicht vorstellen. Ein Dritter wünscht eine kleine Halle im Zentrum.


Walter Bauer ist zurzeit Vorsitzender des Sportbeirats. Darin sind alle Herzogenauracher Sportvereine zusammen geschlossen. Deren Mitglieder seien sich einig, dass Herzogenaurach eine Mehrzweckhalle brauche, die auch sportlich nutzbar ist.

Der Standort in der Hinteren Gasse wäre hierfür nicht tauglich, sagt Bauer, der auch Vereinsfunktionär bei der "Solidarität" ist. Ein zusätzlicher Sportbetrieb würde einer Halle eine bessere Auslastung bringen und auch das Turnhallen-Problem mildern oder gar beseitigen.

In 14 Tagen ist die nächste Sitzung anberaumt. Dann werde das Vereinshaus auf die Tagesordnung gesetzt. Im Grunde liege man auf der gleichen Wellenlänge, sagt Bauer. Was die künftige Nutzung des Standorts in der Hinteren Gasse angeht, sei man ergebnisoffen.

Klaus-Peter Gäbelein ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Heimatvereins. Der 70-Jährige ist eng mit der Stadt verwurzelt. Wünschenswert wäre ein Tagungszentrum respektive eine Mehrzweckhalle auf der grünen Wiese, etwa an der Nordumgehung. Denn dass die Stadt regelmäßig die Hallen von Adidas und Puma nutzen kann, sei wohl eher nicht zu erwarten.

Bundesliga-Handball und TV

Diese Halle könnte dann auch mal für ein Bundesligaspiel der Erlanger Handballer beispielsweise genutzt werden. Oder sie könnte an Fernsehsender vermietet werden. Denn es wäre für Gäbelein wichtig, dass sie ganzjährig bewirtschaftet würde. Um sie stetig auszulasten, bräuchte es aber wohl eine Gesellschaft, denn ein Pächter allein könne das nicht machen. Für Gäbelein stellt sich da die Frage, ob Herzogenaurach hierfür nicht zwei Nummern zu klein ist.

Im Gegensatz zu Bauer kann sich Gäbelein aber vorstellen, dass unabhängig von diesen Wünschen das Vereinshaus erhalten bliebe. "Wir brauchen auf jeden Fall ein kleineres Kulturzentrum in der Stadt", sagt er. Dafür wäre der bisherige Standort gut geeignet, wenn man das städtische Nachbargrundstück (Steggasse 3) mit einbezieht. Ausgelegt werden sollte das Haus für rund 500 bis 700 Plätze.

Für Gerd Engert, den Vorsitzenden des Karnevalsclubs (KCH), wären 500 Sitzplätze in einer neuen Halle ausreichend. "Mehr ist für Herzogenaurach nicht notwendig", erklärt er. Er plädiert für einen Neubau am Stadtrand, der eine gute Verkehrsanbindung und eine Bushaltestelle hat. Einen Neubau am bisherigen Standort würde Engert nicht befürworten. Im Übrigen wartet der KCH gespannt auf eine Entscheidung.

Denn für das kommende Jahr hat man sich mit den Prunksitzungen aus dem Vereinshaus verabschiedet und zieht in die eigenen Halle. Was danach ist, sei noch nicht entschieden.