Im Vereinsheim des Clubs der Jugoslawen an der Langenzenner Straße läuft der Fernseher den ganzen Tag. Besorgt und entsetzt blicken Danijela Ninic und ihre Familie auf die Nachrichten, die ständig neue Informationen aus ihrer Heimat nach Deutschland spülen. Aber auch ein klein wenig Erleichterung und sehr viel Hoffnung schwingen mit. Und große Entschlossenheit: Sie alle wollen ihren Landsleuten helfen, die in Serbien und Bosnien von der Flutkatastrophe betroffen sind.

Erleichtert ist die 26-jährige Danijela deshalb, weil ihre Freunde und Verwandten in der Stadt Banja Luka im serbischen Teil Bosniens noch halbwegs verschont geblieben sind von der großen Katastrophe. "Wir stehen dauernd in Kontakt", sagt ihre Tante Dragana Pezerovic. Dort bedroht der angeschwollene Fluss Vrbas die Bevölkerung.

Entsetzt verfolgen die Frauen aber die Nachrichten aus anderen Teilen des Landes.
Und die Aussagen der Menschen dort: "Wir haben das noch nie gesehen, so lange wir leben". Und weil die Flut viele Opfer forderte und die Seuchengefahr wächst, kommt große Besorgnis hinzu. "Wir haben im Vereinsheim die Nachrichten gesehen und wussten sofort, da können wir nicht tatenlos zuschauen", sagt Danijela. Und so entstand die Idee zu helfen, eine Sammlung zu organisieren. Und da wiederum trafen Hoffnung und Entschlossenheit zusammen.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Sandra Cekic und Freundin Desanka Trivkovic hat die junge Frau über Facebook und Whats App Freunde und Bekannte informiert und alarmiert. Im Vereinsheim könnten Spenden abgegeben werden, hieß es. Vor allem Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs werden benötigt. Und Hygieneartikel, Mittel zum Desinfizieren.

Noch zwei Tage

Entschlossen sind sie zu Werke gegangen, und so konnten bereits am ersten Tag der Sammelaktion, dem gestrigen Mittwoch, Waren im Wert von etwa tausend Euro zusammengetragen werden. Alle halfen zusammen, und jetzt wendet man sich an die Herzogenauracher. Und bittet um weitere Unterstützung. Das ist die Hoffnung, die die Helfer verbindet. Die Hoffnung, dass man einen Teil dazu beitragen kann, das Leid in der Heimat zu mindern.
Gesammelt wird am heutigen Donnerstag von 10 bis 12 und von 16 bis 20 Uhr sowie am Freitag von 10 bis 15 Uhr. Da können die Hilfsgüter beim Club der Jugoslawen abgegeben werden. Benötigt wird nahezu alles, nur Kleidung weniger, davon sei genug vorhanden. Ausnahme: frische Unterwäsche. Am Freitagabend sollen die Spenden dann nach Nürnberg gefahren werden. Dort sammelt die orthodoxe serbische Kirche in einem großen Lager all die Spenden und fährt sie am Wochenende in die Katastrophenregion. Und am Sonntag treffen sich die Herzogenauracher Serben und Bosnier wieder, um eine zweite Hilfsaktion vorzubereiten. Denn der Alptraum ist noch lange nicht ausgestanden.

"Wir haben überlegt, selber zu fahren", sagt Dragana Pezerovic. Aber erstens habe man die Möglichkeit nicht dazu, und zweitens wären Probleme an der Grenze programmiert. So waren sie sehr erleichtert, als sie von der Hilfsaktion in Nürnberg erfuhren. Dennoch wollte man seine Sachen nicht einzeln in das Lager bringen, denn "Vorsortieren ist besser", sagt Dragana.

Stolz ist auch Nenad Ninic auf die Hilfsaktion der jungen Leute in Herzogenaurach. Er ist der Vorsitzende des Vereins, der 1976 gegründet wurde und etwa 110 Mitglieder zählt. Danijela und Sandra sind seine Töchter. Die beiden hoffen nun auf großzügige Hilfe. Denn Spenden könne man nicht genug haben. "Im schlimmsten Fall fahren wir zweimal", sagen die jungen Organisatorinnen.

Warenliste Folgende Sachen werden benötigt: Nahrungsmittel (Konserven, Reis, Nudeln, Suppen etc...alles was länger haltbar ist)
Wasser, Wasserkanister
Babynahrung, Babywindeln
Feuchttücher
Hygienepakete (Damenbinden, Taschentücher, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel)
Medikamente
Kleidung (vor allem Socken und Unterwäsche), Gummistiefel, Decken

Zeit und Ort Das alles kann im Club der Jugoslawen, Langenzenner Straße 1 (hinter dem Chilly´s) in Herzogenaurach, am Donnerstag von 10 bis 12 und 16 bis 20 Uhr und am Freitag von 10 bis 15 Uhr abgegeben werden.