Halb acht an der Bushaltestelle in Sambach. Der Bus stoppt hier auf dem Weg nach Mühlhausen. Der Buslotse Atreju Nusser wartet bereits mit einigen Schülern in der Kälte. Man kann ihn nicht übersehen mit seiner leuchtend gelben Weste.

So beginnt bei ihm jeder Morgen. Der Achtklässler passt auf, dass die Schüler an der Bushaltestelle keinen Unsinn treiben und begleitet dann die Kinder in den Bus. Er ist auch dafür zuständig, dass jeder Schüler einen Platz bekommt, im Bus Ruhe herrscht und keine Streitereien beginnen.

Auf der Busfahrt zur Mittelschule Mühlhausen sind mehrere Schülerlotsen dabei und auch an den Bushaltestellen achten sie auf die Kinder.
Die Buslotsen agieren einmal als Streitschlichter und zugleich als sichere Begleitung zur Schule.

Sicherheit im und um den Bus

Im Bus verhalten sich die Kinder ruhig und trotz vieler Schüler ist es nicht zu laut. Das freut den Busfahrer Fritz Baureis. Nicht nur er ist von den Aktivitäten der Buslotsen begeistert, auch die Schulkinder finden es sehr sinnvoll und fühlen sich sicherer, egal ob im Bus oder an der Bushaltestelle. Baureis bestätigt, dass die Kinder wirklich ruhiger sitzen und die Schülerlotsen gut schlichten und bei Konflikten sofort dazwischen gehen. Es kam öfter zu Konflikten zwischen den Schülern, denn manche wollten unbedingt neben ihren Freunden sitzen. "Am Anfang gab es schon noch Probleme, aber jetzt sitzt jeder neben jedem", sagt Atreju.

Die jüngeren Schüler hören auf Atreju und die anderen Buslotsen. Er hat Spaß an seiner Aufgabe und würde es weiterempfehlen, denn die Sicherheit der Schüler ist eine wichtige Sache. "Ich wollte mal sehen, wie das so ist, es war immer chaotisch an den Bushaltestellen", meint Atreju. Das zeigt auch, dass der Einsatz der Buslotsen auf jeden Fall etwas bringt, denn es ist mittlerweile deutlich ruhiger an der Haltestellen.

Die Schüler warten nie alleine

Während der morgendlichen Schulbusfahrt von Wachenroth nach Mühlhausen um zirka sieben Uhr sieht man keine Kinder unbeaufsichtigt an der Straße stehen. Es sind an allen Bushaltestellen Schulweghelfer im Einsatz.
Unfälle kamen seit dem Einsatz der ehrenamtlich engagierten Schüler keine vor. Sie achten darauf, dass es keine Schubsereien an den Haltestellen gibt, wodurch ein Unfallrisiko verringert wird. Neben der Platzsuche und Platzzuweisung passen sie auch auf, dass niemand im Gang steht und sich somit im Bus verletzen könnte. Nach der Busfahrt werden alle jüngeren Schüler, die zur Mittelschule Mühlhausen gefahren sind, von den Buslotsen zur Schule begleitet. So kommen alle diese Kinder sicher von der Bushaltestelle bis in die Schule.

Die Begleitung durch die Buslotsen kommt nicht nur den jüngeren Schülern zugute, sondern beruhigt auch die Eltern. Man weiß, dass gut auf die Kinder aufgepasst wird und sie auch heil in der Schule ankommen.

Ausbildung der Buslotsen

Vor ihrem ehrenamtlichen Dienst durchlaufen die Lotsen eine Ausbildung. "Nicht nur im Bus, sondern auch an den Haltestellen und den Überwegen sorgen sie für Ordnung", erklärt Polizist Siegfried Nürnberger, der mit seinen Kollegen die Lotsen für ihren Einsatz ausbildet. Kelle, Warnwesten und Co. werden von der Verkehrswacht gesponsert.

Ab der siebten Jahrgangsstufe dürfen Schüler als Schulweghelfer tätig sein. "Die Lehrer schlagen ein paar Schüler vor, von denen sie denken, dass sie für das Amt geeignet sind", erklärt Gudrun Boss, Schulleiterin der Mittelschule Mühlhausen.

Bezahlt werden sie für das Lotsen bei Wind und Wetter nicht, dafür aber jedes Jahr vom Schulverband zum Schnitzelessen eingeladen. Außer leckerem Essen ergibt sich ein weiteres Plus für die Schulweghelfer: Die ehrenamtliche Arbeit macht sich sehr gut bei Bewerbungen.

Die Zahlen sprechen eindeutig für die erfolgreiche Arbeit der Schülerlotsen. "Das ganze Jahr über ist kein einziger Unfall passiert", meint Gudrun Boss. 21 Buslotsen sind in Mühlhausen aktiv, um die jungen Schüler sicher in ihre Klassen zu begleiten. Dafür bedankte sich die Schule und die Gemeinde inzwischen auch schon entsprechend und ehrte die Engagierten in einer kleinen Feierstunde. Verena Müller