Im Grunde konnten die Stadträte am Donnerstagabend allesamt entspannt bleiben. Erneut lag ihnen ein Haushalt zur Abstimmung vor, der durch eine sehr stabile Ausgangslage glänzt, die zahlreiche Investitionen ermöglicht. Für Curd Blank (SPD) war das wieder einmal ein Rekordetat, und selbst Oppositionschef Bernhard Schwab (CSU) sprach von einem Traumhaushalt.

Aber es war auch der letzte Haushalt vor der Kommunalwahl, und deshalb obsiegte der Wahlkampf über die Harmonie. Man nahm sich zweieinhalb Stunden Zeit für eine durchaus kontroverse Debatte, und Gegenstimmen gab es auch. Letztlich war um kurz vor halb neun Uhr abends der letzte Etat der neuen Bürgermeister-Ära von German Hacker (SPD) vor der Wahl abgesegnet. Mit 18 zu zehn Stimmen.

Abgelehnt haben die neun Räte der CSU. Fraktionschef Schwab nannte als Gründe die "Summe der Kleinigkeiten" und einen abgebügelten Antrag.
Abgelehnt hat auch Gotthard Lohmaier von der SPD, doch das bezog sich konkret auf die Südumgehung.

Attraktivität gesichert

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Curd Blank freute sich in seiner Rede über ein "sehr ordentliches Finanzpolster", das umfangreiche Investitionen erlaube. Diese wiederum "sichern die Attraktivität Herzogenaurachs als familienfreundliche, soziale Stadt und schaffen damit die Voraussetzungen für einen guten Wirtschaftsstandort". Und das geschehe alles mit einem gewissen Augenmaß, also verdiene der Haushalt breite Zustimmung.
Blank nutzte auch die Gelegenheit, über die vergangenen sechs Jahre Bilanz zu ziehen und die Verdienste der Ära Hacker aufzuzählen.

Maximilian Maydt von den Grünen bezeichnete Herzogenaurach als eine "dynamische und wirtschaftlich florierende Stadt, die ihresgleichen sucht". Und über die Grenzen Aufsehen erregt, denn welche Stadt in dieser Größe könne schon Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 57 Millionen Euro verbuchen?

Der Grüne erwähnte aber auch, dass Herzogenaurach nach Geretsried wohl die größte Stadt in Bayern ohne Bahnanschluss ist. Um zu ergänzen: "Wir haben gegen das Auto verloren." Eine Südumgehung würde auch nicht helfen, die Verkehrsprobleme zu lösen, denn nur die Bahn könne helfen. Dennoch betonte Maydt, er "schlage nicht grundsätzlich mit der grünen Keule auf alles ein, was vier Räder hat und sich Auto nennt". Immerhin stimme er einer Tiefgarage am Hubmann-Parkplatz und einem kleinen Parkdeck an der Schütt zu.

Kritischer mit dem Haushalt war zuvor CSU-Fraktionschef Bernhard Schwab umgegangen. Er erneuerte die Kritik an einer fehlenden Transparenz des Bürgermeisters. Ob es um neue Supermärkte geht, oder die Entwicklung in den Klingenwiesen oder Anfragen von ansiedlungswilligen Geschäftsleuten - vom Bürgermeister gebe es keine Information, klagte Schwab und forderte einen wirtschaftsübergreifenden Wirtschaftsausschuss. In punkto Innenstadt wiederholte er seine Ansicht, dass Hacker die anstehenden Maßnahmen separat plane, statt sie gemeinsam anzupacken, wie es die CSU fordere. "Zurzeit läuft alles durcheinander, alles wird einzeln betrachtet. Der Bürgermeister versucht wieder einmal, seine Vorstellung allen aufzudrücken."

Noch deutlich wurde später sein Fraktionskollege Walter Nussel. Hacker als "Freund des Sanierens" habe sich nie mit der Möglichkeit befasst, ob bei bestimmten Vorhaben Neubauten nicht besser gewesen wären. Beim Rathaus komme der Bürgermeister jetzt aber selber auf die Idee, neu zu bauen. Dabei habe er anfangs gesagt, dass er nie für einen Abriss stimmen würde, behauptete Nussel.

Dank an Firmen und Bürger

Hacker nahm zu den Vorwürfen Stellung, so auch zur angeblich fehlenden Transparenz. Man könne nicht verlangen, dass er aus nichtöffentlichen Vier-Augen-Gesprächen detaillierte Informationen weitergebe.
Eingangs hatte er in seiner Haushaltsrede auf eine solide Finanzplanung verwiesen. Hacker nannte das erfolgreiche Handeln der Firmen und die Steuerkraft der Bürger als Garanten für die guten Zahlen und stellte fest: "Es geht uns wirklich gut." Nichtsdestotrotz verwies er auch darauf, dass die Stadt in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen und Investitionen stehe. Deshalb komme der Finanzsegen gerade recht. Verwaltung und Stadtrat dürften zu Recht auf eine ganze Reihe von Erfolgen verweisen.

In der Diskussion äußerten sich auch die Vertreter der kleineren Gruppierungen mit einer Rede zum Etat, mit Ausnahme von Bernhard Wilfer (Hauptendorfer Liste). Manfred Welker (Freie Wähler) griff Punkte heraus, die vorher nicht angesprochen worden waren, und hob hervor, dass die gute Infrastruktur in der Kinderbetreuung ein wichtiger weicher Standortfaktor für Herzogenaurach sei. Außerdem begrüßte es Welker, dass die wohlhabende Stadt auch Flüchtlinge unterbringt. "Das sollten wir uns leisten."

Britta Dassler ("Normalerweise gilt Ladies first, doch heute ist es anders herum") ging auf Südumgehung und Stadt-Umland-Bahn ein. Die Straße sei der richtige Weg, wenn auch die falsch gewählte Variante. Die Stub aber sei der falsche Weg, da würde Dassler lieber Schnellbusse zum Flughafen wollen.