Die Stadt der drei Global-Player, der beiden Sportartikelgiganten und eines weltweit erfolgreichen Industriebetriebs, versteht sich innerhalb der Metropolregion Nürnberg als der "Hidden Champion", der heimliche Spitzenreiter also. Um die Infrastruktur und finanziellen Möglichkeiten dieser kleinen Stadt wird Herzogenaurach immer beneidet. Und doch ist nicht alles perfekt, man will an sich arbeiten, sich ein Markenleitbild geben. Dieses Vorhaben auf dem Weg zu einer noch außergewöhnlicheren Stadt prägt in diesem Jahr einen Prozess, der schon bald konkrete Ergebnisse bringen soll.

Denn: Um als attraktive Stadt wahrgenommen zu werden, ist es notwendig, Spitzenleistungen in einem Markenkern zu verdichten. Das schreibt die städtische Marketingbeauftragte Judith Jochmann in einer Zusammenfassung des zweiten Markenforums. Es gelte, die Markenattraktivität der Stadt zu steigern, ohne die Vergangenheit zu ignorieren.
Im Gegenteil: Vielmehr sollte diese noch dichter und systematischer zum Nutzen aller Beteiligten eingesetzt werden, berichtet die Fachfrau.

Es sei eine große Chance, Herzogenaurach als Standortpionier zu sehen. In der Zusammenfassung der Zwischenergebnisse wird das deutlich: "Für Herzogenaurach bietet sich die Chance, sich klar als einer der ersten Standorte zu positionieren und dabei Tourismus, Wirtschaft und Einwohner unter einem glaubwürdigen Wertesystem gezielt zu vereinen." Dem Planungsausschuss wurde dieser aktuelle Zwischenstand nun kürzlich berichtet. Da floss auch das Ergebnis einer Bürgerbefragung mit ein, bei der 842 Fragebögen beantwortet wurden. Das werten die Verantwortlichen von Stadt und dem Büro "Brand Trust" als großen Erfolg. Von Anfang an habe man im Prozess großen Wert auf die Bürgerbeteiligung gelegt, sagt Jochmann im FT-Gespräch. "Wir wollen jedem Bürger eine Stimme geben."

Kleinste "Weltstadt"

Eine weitere positive Erkenntnis der Befragung: Immerhin 120 Antworten wurden in englischer Sprache gegeben. Das beweist für Jochmann: "Die Zweisprachigkeit ist in Herzogenaurach von Bedeutung."

In dem Zwischenergebnis, das von Nicolas Kubanek (Brand Trust) dem Ausschuss präsentiert wurde, sind die verschiedenen Herausforderungen für Herzogenaurach herausgearbeitet worden. Eine wesentliche Erkenntnis: "In der Verknüpfung der Gegensätze dieser Stadt liegt das größte Potenzial für die Markenattraktivität von morgen." Diese Gegensätze spiegeln sich in der Bürgerfragung wider. So wurde der Kleinstadt ein dörflicher Charakter mit internationalem Flair bescheinigt. Und damit quasi das bestätigt, was immer wieder mal gesagt wird - Herzogenaurach als die kleinste "Weltstadt" Deutschlands. Herzogenaurach sei weltoffen und international, besinne sich aber auch auf die fränkischen Wurzeln, fasst Jochmann zusammen. "Da ergeben sich spannende Gegensätze", ergänzt sie. Eben diese Verknüpfung der Gegensätze sei es, die eine Stadt besonders attraktiv macht.

Von den 842 beteiligten Bürgern gaben 31 Prozent an, in Herzogenaurach zu leben und zu arbeiten. 30 Prozent wohnen hier, arbeiten aber außerhalb, und 39 Prozent kommen als Pendler in die Stadt. Von diesen aber halten sich nur 22 Prozent über die Arbeitszeit hinaus in der Stadt auf. 33 Prozent fahren nach Feierabend heim. Da liegt offenbar noch ein großes Potenzial brach. Von den 515 befragten Herzogenauracher Einwohnern würden 72 Prozent ihren Freunden und Bekannten empfehlen, hier zu leben. Aber nur 49 Prozent aller 842 Befragten würden einen Besuch Herzogenaurachs empfehlen.

Gemütliche Lebensart

Auf die Aufforderung, drei Begriffe zu nennen, die Herzogenaurach optimal beschreiben, wurden insgesamt 2195 genannt. Diese wurden in 13 Themengruppen gegliedert. Auf Rang 1 kam die Charakterisierung der Lebensweise in der Stadt, die vor allem mit gemütlich und ruhig beschrieben wurde. Fast so oft wurde aber auch die multikulturelle Integrationsfähigkeit beantwortet: International und weltoffen waren die bestimmenden Begriffe. Der starke Bezug zu den Wurzeln kam mit fränkisch, traditionell und historisch zum Ausdruck. Aber auch nicht alle finden Herzogenaurach gleichermaßen spannend. Langweilig und verschlafen wurden auch oft genannt. Die überregionale Vielfalt (Schlagwort Outlets), der Sport in den unterschiedlichsten Facetten und die drei Global Player in der Arbeitswelt finden sich ebenso wieder wie die Bezeichnungen freundlich, familienfreundlich und familiär. Und letztlich wird auch der Begriff "engagiert" häufig genannt - Herzogenaurach als aktive Gemeinschaft, die sich vor Ort engagiert. Jochmann: "Die Herzogenauracher haben Kämpfernatur und Unternehmergeist."

Die restlichen Schritte in diesem Jahr sind nun das dritte Markenforum am 18. November und eine Sondersitzung des Stadtrates am 10. Dezember, in der das Markenleitbild vorgestellt wird und der Beschluss fallen soll.