Diese Debatte hatte sich Bürgermeister German Hacker (SPD) vermutlich leichter vorgestellt. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Südumgehung ging es im Stadtrat darum, ein 350 Meter langes Teilstück der alten Bahntrasse freizustellen. Das bedeutet, dass die Straße gebaut werden kann, ohne dort durch teure Maßnahmen auf die Schiene Rücksicht nehmen zu müssen. Das bedeutet laut Hacker aber auch, dass die Bahnlinie dennoch problemlos reaktiviert werden könnte, sollte das irgendwann einmal nötig sein. Dann müssten sich die Politiker halt zu diesem Zeitpunkt Gedanken machen, wie man das bewerkstelligt.

Aber jetzt schon ein teures Bauwerk zu schaffen, wäre Unsinn, meinte der Bürgermeister, da dies viel zu aufwändig wäre. Hacker: "Es ist schlicht nicht sinnvoll, heute für eine nicht absehbare Zukunft ein solches Bauwerk zu errichten." Damit käme die Stadt fraglos ins Schwarzbuch der Steuerzahler. Für Hacker steht es außer Frage, dass eine Reaktivierung der Bahntrasse in absehbarer Zeit nicht stattfinden wird, und das nicht zuletzt wegen der Planungen zur Stadt-Umland-Bahn.

Mit dieser Ansicht traf er allerdings keineswegs die Zustimmung aller Stadträte, es gab letztlich sieben Gegenstimmen. Zunächst äußerte sich Stephan Wirth (CSU) "nicht glücklich damit." Seiner Meinung nach machen es sich die Straßenplaner da schon etwas sehr einfach. Natürlich wolle man jetzt keine teure Brücke riskieren. Aber man müsse auch bedenken, dass der Hinweis auf die Stadtumlandbahn nicht zwingend greife. "Die befindet sich in der Planungsphase, vielleicht kommt sie ja gar nicht", meinte Wirth. Und verwies darauf, dass es "x Beispiele in Deutschland" gebe, bei der eine Schiene nicht mehr reaktiviert wurde.


Falsches Signal

Auch Manfred Welker hielt eine Freistellung für das falsche Signal. "Wir wissen nicht, was bei der Stub rauskommt", sagte auch der Freie Wähler. Dass man möglicherweise die alte Bahntrasse nach Bruck wieder benötigt, diesen Gedanken brachte ebenso Britta Dassler (FDP) ins Spiel. Sie sei ja schon immer für diese Trasse gewesen und verknüpfte das nun mit einer ganz neuen Idee. Man könnte doch einen privaten Fond auflegen, schlug sie vor. Warum sollte man nicht die Trasse aufkaufen und dann eine Lok zwischen Schaeffler und Bruck fahren lassen. Und schon wäre die Firma angebunden.

Für Bürgermeister Hacker war jetzt allerdings der Punkt erreicht, an dem es für ihn kein Halten mehr gab. Die stete Erinnerung an eine Wiederbelebung dieser Trasse ärgerte ihn. "Die Stub auf der alten Bahntrasse geht halt nicht mehr", sagte er - nach ersten diesbezüglichen Wortmeldungen zunächst ruhig. Der Kostenfaktor funktioniere dort nicht, es gebe auch nicht die erforderliche Wohnbevölkerung entlang der Trasse.

Nach Dasslers Äußerungen jedoch wurde Hacker fast grantig. "Und täglich grüßt das Murmeltier", stellte er fest, um anzufügen, dass eine "Britta-Dassler-Lok" vergebens wäre. Schon weil in Bruck kein nennenswerter Anschluss bestehe. "Da fährt keiner damit", sagte er, hatte aber noch einen, von den Stadträten lachend aufgenommenen Querverweis auf den Ehemann der Stadträtin: "Möglicherweise nur der Michael noch." Worauf hin sich Retta Müller-Schimmel einschaltete: "Also ich würde mit dem Zug fahren."


Nächtlicher Güterzug

Die Grüne brachte aber auch eine eigene Idee in die Debatte ein. Selbst wenn die Stub dort tatsächlich nicht fährt, und auch kein anderer Personenzug, könnte man trotzdem an einen Güterverkehr denken. Das wiederum, sagte der Bürgermeister, wäre auch bei einer Freistellung kein Problem. Für die wenigen Minuten in der Nacht könnte man die Straße halt mal kurz sperren. "Das wäre kein Problem." Die Gemüter beruhigen wollte Holger Auernheimer (SPD). Ernsthaft eine Stub auf dieser Trasse ins Gespräch zu bringen, das sei abwegig.

Gegen die Stimmen der drei Grünen (das wegen der kategorischen Ablehnung der Südumgehung) sowie von Stephan Wirth und Ille Prockl-Pfeiffer (beide CSU), Britta Dassler (FDP) und Manfred Welker (FW) beschloss der Stadtrat, dass die Verwaltung das Freistellungsverfahren in die Wege leiten soll. Dann kann das im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens entsprechend einfließen.