Mitten in der Nacht ist der Schwertransport angerollt, der ein großes Bohrgerät nach Herzogenaurach brachte. Dieses wird in den nächsten drei Wochen 26 Löcher bohren, die für den Bau des künftigen Parkdecks erforderlich sind. Denn im Schwemmland der Aurach ist kein Bauwerk mit einem gewöhnlichen Fundament möglich.
Es war aus Sicherheitsgründen auch gewollt, dass die Maschine zur frühen Morgenstunde geliefert wurde, wie Bauamtsleiter Gerhard Merkel feststellte. Denn da hatte man keinen Autoverkehr auf dem Großparkplatz an der Schütt und das schwere Fahrzeug konnte sich seinen Weg von der Bahnhofsbrücke her zum Standort des Parkdecks bahnen.


Drei Genehmigungen

Der Baubeginn fand ein paar Wochen später statt als geplant, erläuterte Harald Falkner, der im städtischen Bauamt im Fachbereich Gebäudewirtschaft tätig ist. Denn die Stadt brauchte ein Paket von drei Genehmigungen: einmal für den Bau generell, dann für die wasserrechtliche Erlaubnis im Überschwemmungsgebiet und drittens möchte man das Regenwasser vom Gründach in die Aurach einleiten dürfen. Weil diese Genehmigungen aber aufeinander aufbauen, habe man eben auf das grüne Licht insgesamt warten müssen,sagte Falkner. Das habe man zwar noch im Juli erhalten, aber da sei das schwere Bohrgerät nicht verfügbar gewesen. Erst jetzt rollte es an. Der Zeitpunkt der Fertigstellung sollte laut Bauamtsleiter Merkel damit nicht gefährdet werden. Bürgermeister German Hacker (SPD) hatte wiederholt betont, dass das Parkdeck zum Jahresende fertig sein soll. Ein ehrgeiziger Zeitplan, der allerdings keine negativen Überraschungen erlaubt.


13 Meter tief

Kann es solche geben? "Man kann nicht in den Boden schauen", sagte Falkner. Was bedeutet, dass die Stadt zwar keine Verzögerungen erhoffe und erwarte, zumal man auch ein Bodengutachten vorliegen habe. Das am Mittwoch gebohrte erste Loch habe in zehn Metern Tiefe exakt das ergeben, was das Gutachten voraussagte. Dennoch könne man nicht bestimmt vorhersagen, dass auch die anderen 25 Bohrungen genauso ideal verlaufen. Immerhin sei der Grund 40 mal 40 Meter groß, stellte der Bauingenieur fest. Falkner: "Man ist nie gefeit."

Geplant ist, dass die Löcher 12,5 bis 13,5 Meter tief gebohrt werden und einen Durchmesser von 75 Zentimetern haben. Darin werden Stahlrohre eingesetzt und ins Innere dieser Schächte dann Stahlgitter, die zur Bewehrung für den Beton dienen. Je sechs Löcher erfolgen in einer Linie. Die Köpfe, so erläutert Falkner weiter, werden dann mit Betonriegeln verbunden, auf denen dann die Stützen des Parkdecks ruhen. Diese Riegel seien also das eigentliche Fundament des Bauwerks.

In diesen Tagen soll noch ein Bauzaun aufgestellt werden, um die Baustelle vom Großparkplatz abzugrenzen. Zwölf öffentliche Stellplätze habe man entfernen müssen, ein paar weitere könnten noch dazukommen. Bei insgesamt etwa 200 Parkplätzen erscheint das durchaus verkraftbar. Die privaten Dauerparker, auf deren Platz jetzt das Parkdeck errichtet wird, sind bereits vor längerer Zeit auf den Realschulparkplatz umgezogen.

Jetzt hofft die Stadt auf eine reibungslose Bohrung ohne Überraschungen. Denn laut Falkner steht fest: "Wir haben keinerlei Puffer mehr."

Der Bau des Parkdecks ist die erste einer Reihe von Maßnahmen, die im Bereich der Straße "An der Schütt" in den nächsten Monaten folgen. Der Kuwesteg über die Aurach soll erneuert werden, der Busbahnhof muss zeitweise aussiedeln und die meiste Zeit nimmt die Erneuerung der Straße in Anspruch. Diese wird deshalb neu gestaltet, weil man ohnehin den in die Jahre gekommenen Kanal großflächig austauschen muss.