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Biengarten
Landwirtschaft

Biegsames Kreuz und moderne Technik

Die Krenernte auf fränkischen Äckern ist harte Arbeit - vielleicht nimmt die Zahl der Betriebe, die den "Bauernsenf" anbauen, deshalb ab.
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Krenernte bei Familie Schmidt in Biengarten.  Die Arbeit auf dem Feld geht Hand in Hand voran. Manfred Welker
Krenernte bei Familie Schmidt in Biengarten. Die Arbeit auf dem Feld geht Hand in Hand voran. Manfred Welker
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Während sich nebenan eine Möwenschar in einem erst kürzlich abgelassenen Weiher um die zurückgebliebenen kleine Fische balgt, wird auf einem Acker bei Biengarten heuer zum ersten Mal Kren geerntet. Der trockene Sommer lässt die Ernte eher mäßig ausfallen, wie Andreas Schmidt feststellen muss. Andere Krenbauern warten noch und hoffen auf Regen, so dass die Pflanzen noch etwas zulegen können, bevor der erste Frost die Erntearbeiten gänzlich zum Erliegen bringt.

"Penicillin aus dem Garten"

Obwohl der Kren - wie andere Ackerfrüchte auch - stark vom Wetter abhängig ist, gibt es im Aischgrund noch Felder, auf denen die scharfe Wurzel angebaut wird. Meerrettich (cochlearia armoracis rusticana) wird auch als "Bauernsenf" oder als "Penicillin aus dem Garten" tituliert. Und: Wer Meerrettich anbauen will, der braucht ein biegsames Kreuz. Denn ein Spruch lautet: "Ein Acker mit Kren, will seinen Herrn jeden Tag seh'n!" Aus diesem Grund wird die scharfe Wurzel nur noch von wenigen Landwirten angebaut.

Wenn es an die Ernte geht, dann muss die ganze Familie mit anpacken. Andreas Schmidt wird dabei von seinem Bruder Christian Schmidt unterstützt. Außerdem sind Erntehelfer aus Südosteuropa zur Hilfe nach Biengarten gekommen.

Andreas Schmidt fährt zuerst mit einem Traktor über die Beete und entfernt die Blätter von den Pflanzen, die auf dem Feld verbleiben und als Gründüngung später eingepflügt werden. Im nächsten Arbeitsgang werden mit einem Traktor, der einen Roder antreibt, die Krenwurzeln aus dem Boden geholt.

Ein Roder hilft

Bereits im Jahr 2000 wurde vom Amt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung von Mittelfranken dieser neuartige Roder vorgestellt. Mit seiner Hilfe können die Bauern den Kree gleichzeitig aus zwei Beeten ernten. Zum Betrieb benötigt das Gerät ein Ackerschlepper mit 100 PS und einem Kriechgang-Getriebe.

Dieser von Landwirten gemeinschaftlich gekaufte Roder hat sich in der Praxis bewährt. Von den freigelegten Pflanzen werden mit einem geübten Griff noch verbliebene Blätter abgedreht, die Wurzeln auf einen Wagen geschichtet und zum heimischen Anwesen in Biengarten gefahren.

Sowohl die Krenstangen, die verarbeitet werden, als auch die kleinen Fechser müssen komplett aus dem Acker entfernt werden, damit auf dem Feld nicht im nächsten Jahr Krenpflanzen auf dem Acker wachsen, obwohl eine andere Frucht angebaut wird. Auch die schwarzen Kunststoffmanschetten, die im Kopfbereich der Pflanze verhindern, dass sich ungewollt Seitentriebe bilden, müssen aufgesammelt werden.

Direktverkauf ab Hof

Anschließend gilt es, in Biengarten den Kren zu putzen und zum Verkauf vorzubereiten. Außerdem müssen die geeigneten Fechser für den Anbau im kommenden Jahr aussortiert und gebündelt und aufrecht stehend in die Miete eingelegt werden.

Für das Wachstum ist wie bei allen Feldfrüchten das Wetter ausschlaggebend. Dieses Jahr war es deutlich zu trocken, so dass der Kren etwas kleiner ausfällt.

Die meisten Anbauer liefern ihren Kren nach Baiersdorf. Einen eigenen Weg schlägt die Familie Schmidt ein. Dort wird ein Teil des Meerrettichs selber verarbeitet. Nach dem Reiben und der Haltbarmachung von Marga's Kren mit Branntweinessig und Zucker können Interessenten Meerrettich direkt vom Bauernhof kaufen. Verkauft wird er auch an Direktvermarkter. Außerdem ist die Familie alljährlich auf der Consumenta in Nürnberg mit einem Stand vertreten.

Schnaps aus Meerrettich

Die Schmidts verzichten bewusst auf chemische Konservierungsmittel. Tafelmeerrettich ist daher nur vier bis fünf Monate, Gemüsemeerrettich rund zwei Monate haltbar. Bei einer Betriebsführung erklärt Gerhard Schmidt die Verarbeitung der arbeitsintensiven Wurzel. Gekostet werden kann auch ein Meerrettichschnaps.

Der frisch geerntete und verarbeitete Meerrettich hat allerdings eine intensivere Wirkung als einige Zeit gelagerter.

Ruhezeit für einen Krenbauern gibt es eigentlich nur im Dezember und im Januar. Ende Februar müssen die Fechser aus der Miete herausgenommen, auf Länge geschnitten und zum Antreiben eingelagert werden. Im März heißt es, das Feld vorzubereiten und zu pflügen.