Einfach hat er es nicht, der Biber, unter den Menschen. Wird der Nager doch meist argwöhnisch beäugt, wenn er seine Burgen baut und die Landschaft gestaltet. Ein Privileg, das der Mensch für sich reserviert hat. Und manchmal ärgert es auch die Landwirte, wenn sich Zwei- und Vierbeiner in die Quere kommen. Aber das geschützte Pelztier hat auch seine Fans. Monika Preinl gehört zu ihnen. Die Naturexpertin in Diensten der Stadt kann und will ihre Begeisterung nicht unterdrücken, als sie vor einer Biberburg an der Aurach steht und sich vorstellt, wie sich eine ganze Familie dort gemütlich eingerichtet hat.

Nahe Hauptendorf hat sich ein Biberpaar am Fluss niedergelassen. Inzwischen dürfte eine Familie mit zwei bis drei Jungen daraus geworden sein. Zu sehen bekommen hat die Umweltbeauftragte der Stadt Herzogenaurach die Tiere noch nicht, sie sind nachtaktiv und verschlafen den Tag in ihrem Bau.
Am Appetit der Nager sprich an den Spuren, die sie hinterlassen, lassen sich Rückschlüsse zu, dass die Aurachstadt in diesem Jahr nicht nur Wohnort eines einzelnen Bibers ist.

Seit Jahren beobachten Mitarbeiter des Bauhofs öfter mal ein Tier, vermutlich sogar das gleiche. Sogar direkt mitten in der Stadt wurden Spuren entdeckt. Das sagt Bauhofmitarbeiter Robert Bretting, der selbst aktiver Angler ist und auch von daher den Biber schätzt. "Der baut Hindernisse, das sind gute Unterstände für die Fischer, sagt er. Die jüngsten Bissspuren wurden bis hoch in Höhe der Rewe in Herzogenaurach gesichtet. Die Familie hat die Aurach in Beschlag genommen.

Breit gemacht haben sich die Tiere auch in der Nähe ihrer Burg. Auf einer Brachfläche entlang des Flusses haben sie geknabbert, was die Zähne hergaben. Weiden und Erlen stehen dort, und kleinere Gehölze, aber auch Röhricht und Schilfgras. Jetzt im Winter waren die lebendigen Baumfäller eifrig am Werk. Die Bäume sind einerseits Nahrung, erklärt Monika Preinl, andererseits dienen sie als Baumaterial. Wenn die Burg fertig ist und im Frühjahr frisches Grün wächst, dann müsse der Biber auch keine Bäume mehr fällen.

Einen Schaden können die Tiere auf dem dortigen Areal an der Aurach nicht anrichten, fügt Preinl hinzu. Und freut sich sehr darüber. Denn so brauchen die Biber auch keine Furcht zu haben, dass man ihnen nachstellt. Die Botanikerin ist begeistert, Biber in der Stadt zu haben. Und auch die gefällten und abgenagten Bäumchen stören sie nicht. Der Biber trete als natürlicher Landschaftspfleger auf, sagt sie. "Die Landschaftsgärtner schneiden die Bäume ja auch öfter mal auf Stock, das Gleiche tut der Biber zum Nulltarif". Das Nagetier als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Bauhofs?

Und auf der Brachfläche entlang der Aurach stören sie auch die herumliegenden Baumreste nicht. "Das ist doch schön. Ein Stück Wildnis mitten in der Stadt", begeistert sich die Rathaus-Mitarbeiterin. "Wir sollten das als Bereicherung sehen". Abgesehen davon, dass Totholz auch seinen Nutzen hat, als Zuhause für andere Tiere. "Für die Natur ist das wunderbar", sagt Preinl.

Nutzen für die Natur

Der Nutzen für die Natur ist indes noch größer. "Für den Artenschutz ist der Biber ein enormer Gewinn", erklärt die Naturfreundin. Er trete ja nicht als Baumeister nur für sich selbst auf, sondern schaffe durch seine gestalterische Arbeit auch Lebensraum für andere Tiere. So habe sich bewiesen, dass die Artenvielfalt dort enorm zulege, wo der Biber auftritt.

Preinl: "Es entstehen Flachwasser und Mulden. Davon profitieren Vögel, Libellen und Amphibien". Und was die Bäume angeht, die die Hauptendorfer Biberfamilie gefällt hat, so sei da kein Schaden entstanden. Es handelt sich hauptsächlich um Weiden und Erlen. "Die schlagen wieder aus", sagt Preinl. Sie wachsen also nach und werden dichter. Wieder ein Gewinn für die Natur. Robert Bretting kann das bestätigen: "Die Weide ist ein Unkraut".

Natürlich fällt auch mal ein Obstbaum den scharfen Zähnen zum Opfer. "Das muss man der Ehrlichkeit halber sagen", meint Monika Preinl. Und Bretting erinnert an den Ärger der Höchstadt Anglerkollegen mit den Nagern. Dort mussten Bäume mit Gittern geschützt werden. Probleme sieht die Biologin an der Aurach nicht. Die "betroffene" Brachfläche sei nicht in privater Hand, sondern gehöre dem Staat respektive Wasserwirtschaftsamt. Und eine Verkehrsgefährdung beispielsweise durch wacklige Bäume sei dort auch nicht gegeben.

Biberberater geben Auskunft

Was ist aber, wenn sich Biber und Mensch zu sehr in die Quere kommen? Als bedrohte Tierart ist der Biber zunächst geschützt. Wenn's Ärger gibt, dann geben ehrenamtliche Biberberater Auskunft. Maßnahmen reichen dann von Ausgleichzahlungen für geschädigte Land- oder Teichwirte bis hin zum Einfangen der Tiere im Extremfall. Früher habe man sie oft ausgesiedelt, doch dank der Vermehrung der Art sei man davon wieder abgekommen, sagt Preinl. Die Biberfamilie an der Aurach aber, habe nichts zu befürchten.

Letztlich schätzen auch die Fischer den Biber, erklärt die Expertin weiter. "Wenn er die Bäume ins Wasser wirft, entstehen stille Gewässer. Und das ist gut für die Fischstuben". Angler Bretting kann das bestätigen. "Wir haben nichts gegen den Biber", sagt er. "Wir stören ihn nicht, er stört uns nicht, das ist ein wunderbares Auskommen". Und dann erinnert der Fischer an ein Bibererlebnis. Er saß in der Dämmerung am Ufer und angelte, etwa in Höhe der alten Kläranlage. "Ich ging auf Zander", erinnert er sich. Da näherte sich ein Biber und schwamm unter der Angelschnur hindurch. "Das ist was Schönes", träumt Bretting. Das Glück, einen Biber in der Natur zu sehen, hatte Monika Preinl noch nicht. Und sie bedauert das sehr. Jetzt wird sich die Naturfreundin halt doch mal an einem Abend auf die Pirsch machen müssen.