Neuland ist die Aurachmetropole für Hannes Primus wahrlich nicht mehr, war er doch schon ein paar Mal bei seinen Freunden in der fränkischen Partnerstadt. Aber nicht als Bürgermeister - und so ist sein jetziger Aufenthalt gewissermaßen sein offizieller Antrittsbesuch

Doch nicht nur der "Neue" aus Wolfsberg ist in diesen Tagen nach Herzogenaurach gekommen, auch der "Alte" ist in der sechsköpfigen Delegation dabei: Hans-Peter Schlagholz, der langjährige und sowohl in Wolfsberg als auch Herzogenaurach äußerst beliebte Politiker, nutzte die Gelegenheit, um sich in seiner Eigenschaft als Stadtoberhaupt zu verabschieden.

Abschied sagte noch einer, der für die Partnerschaft der beiden Städte aus Kärnten und Franken steht wie kaum ein anderer: Robert Schmid. 31 Jahre lang leitete er in Wolfsberg das Büro des Bürgermeisters. Eine seiner besonderen Tätigkeit war da die Pflege der Partnerschaft mit Herzogenaurach. Freilich sagen Schlagholz und Schmid damit nicht für immer Ade. Schließlich haben sie Freunde in Herzogenaurach und schätzen das Frankenland. Sie werden als Privatleute wiederkommen.

Bis zum Sonntag ist die Gruppe zu Gast, und hat bis dahin ein dicht gedrängtes Programm zu bewältigen. Einen feierlichen Auftakt gab's beim offiziellen Empfang am Freitagvormittag im Rathaus: Hannes Primus trug sich ins offene Buch der Stadt ein, wie auch seine Begleiter. Für Hans-Peter Schlagholz war's bereits das dritte Mal, wie er verkündete. Auch in Zeiten des Herzogenauracher Altbürgermeisters Hans Lang hatte er diese ehrenvolle Gelegenheit.

Viele Bürgermeister

Auch Lang war zum Empfang eingeladen, währt die Partnerschaft mit Wolfsberg doch schon viele Jahre - exakt 52 - und mehrere Amtszeiten verschiedener Stadtoberhäupter. Überhaupt war's ein Treffen der Bürgermeister an diesem Vormittag: Fünf amtierende nebst Stellvertretern und zwei Ehemalige gaben sich da die Ehre.

Es war ein lockerer Treff hoch droben im fünften Stock des Interimsrathauses, wo German Hacker "residiert", wie einst der frühere Pumachef. Es wurde gelacht und gescherzt und das allererste Foto von Robert Schmid galt dem Getränkestand. Heller-Bier stand dort unter anderem, "das gab's ja noch nie". Selbstredend, dass die Wolfsberger da gerne zugriffen. Und gemeinsam anstoßen auf die Freundschaft der beiden Städte.

Hannes Primus bedankte sich als neuer Chef für die Einladung. Dreimal war er schon hier: einmal als Landtagsabgeordneter, dann als Gemeinderat und jetzt als Bürgermeister. Der Auftrag seines Vorgängers sei gewesen: "Bitte führt die Partnerschaft so weiter wie bisher." Für ihn sei das keine Frage: "Das werde ich machen".

Das gilt übrigens auch für den Nachfolger von Robert Schmid. Und auch hier ist die Kontinuität offenbar gewährleistet: Das Amt übernimmt sein Sohn Thomas.

Neun Jahre und zwei Tage war Schlagholz Bürgermeister, bevor er mit 66 Jahren den Platz frei machte. So wählte der Gemeinderat den 45-jährigen Nachfolger, bereits neun Monate vor der turnusgemäßen Bürgermeisterwahl im Mai 2021. Das Kärntner Wahlgesetz lässt das zu. Hannes Primus hat jetzt Zeit, sich zu beweisen.

Nach dem Empfang ging's in ein volles Programm, mit Rundgängen durch die Stadt und die Herzo Base. Das Quartier der deutschen Nationalmannschaft wird heute gezeigt, außerdem nimmt man am Auftakt zum Stadtradeln teil. Und auf den Heller-Keller ging's gestern Abend auch.

Privater Auftakt im Steinweg

Der erste Besuch der Gruppe galt freilich privaten Freunden. Traditionell kehren Schmid und Schlagholz, immer wenn sie in Herzogenaurach sind, in der Braustube Heller ein. Das war auch mit dem neuen Bürgermeister Hannes Primus so gedacht, aber da kam die Hiobsbotschaft. "Unsere Reise hat unter einem denkbar schlechten Stern begonnen", sagte Robert Schmid mit einem Augenzwinkern. "Als ich gehört habe, dass der Heller Ruhetag hat".

Von der Tradition wich man aber keineswegs ab. Traf man sich halt gleich nach der Ankunft am Donnerstagnachmittag im Steinweg, dem ältesten Bürgerhaus der Stadt, beim Heimatverein. Mit dessen Urgestein Klaus-Peter Gäbelein verbindet nicht nur Schmid und Schlagholz schließlich eine lange Freundschaft.

Und schon da legten alle sechs Gäste - neben Primus, Schlagholz und Schmid waren dies Vizebürgermeister Christian Stückler, Stadtrat Jürgen Jöbstl und Stadtpfarrer Krzysztof Kranicki - ein klares Bekenntnis zu Herzogenaurach ab. Jeder einzelne trat persönlich dem Heimatverein bei. "Wir haben den Mitgliedsbeitrag bar bezahlt", sagte Primus beim Empfang im Rathaus. "Das werden wir auch künftig so machen." Somit ist zumindest ein Besuch in Herzogenaurach jährlich schon gewährleistet.