Zu fortgeschrittener Stunde stellte der Mundartdichter Walter Tausendpfund die Behauptung auf, "so richdich daham is mer bloß im Werdshaus", und fast 70 Gäste in der Braustube Heller stimmten ihm da in diesem Moment sicher gerne zu. Besonders, weil es der Heimatverein war, der sie gerufen hatte. Denn dem Vorsitzenden und Urgestein Klaus-Peter Gäbelein gelingt es doch jedes Mal, aus einer vermeintlich trockenen Versammlung einen unterhaltsamen Abend zu machen. Und so ein "Event", auf neudeutsch, erlebten die Mitglieder auch am Donnerstag.

Dabei wartete auf die neue Rekordzahl von 68 anwesenden Mitgliedern ein umfangreiches Programm, das eher einen langen Abend hätte vermuten lassen. Berichte, Vorstandswahl, Ehrungen - Was in anderen Vereinen Stunden in Anspruch nimmt, ist beim Heimatverein stets zügig abgewickelt. Vor allem die Neuwahlen. Da hatte der Vorstand einen Vorschlag für alle Posten ausgearbeitet, und schnell waren diese auch jeweils einstimmig so beschlossen. "Wie einst in der DDR" flüsterte der Vorsitzende verschmitzt. Nein, so war's nicht, denn da gibt es einen feinen Unterschied: Diese Stimmen wurden allesamt freiwillig und gern gegeben.

Suche nach Nachfolger

Und der 70-jährige Chef erhielt aufmunternde Worte obendrein, als er ankündigte, dass er sich bei der nächsten Wahl in zwei Jahren einen jüngeren Nachfolger wünsche. Das gebe es beim Heimatverein nicht, scherzte Dritter Vorsitzender Herbert Dummer, dass man so einfach zurücktritt. Nicht nach erst drei Jahrzehnten Vorsitz. Und auch Juliane Daßler, die 87-Jährige, ließ solche Argumente nicht gelten: "Des is doch ka Alter."

Die Seniorin aus der Hauptstraße war eine von 27 Mitgliedern, die dem Verein seit 25 Jahren angehören. Immerhin zwölf waren zur Ehrung auch gekommen und obendrein noch Hilde Tiedemann. Die 91-Jährige ist seit 40 Jahren dabei. Und mit ihrem hohen Alter noch lange nicht untätig, im Gegenteil. Beim Gesprächskreis "So war es früher in Herzogenaurach" , so erklärte Gäbelein, mache sie eifrig mit und könne aus einem reichen Erfahrungsschatz berichten. "Sie weiß einfach alles", sagte der Laudator und bezeichnete die Geehrte als "eine echte Bereicherung für den Verein." Und wie reagierte die Seniorin? "Erzähl net lauter solche Woar!"

Küsse und Sprüche

Küsschen bekam der Vorsitzende von einer Frau, die nur unwesentlich jünger ist. Juliane Dassler (87) gehört seit einem Vierteljahrhundert dem Heimatverein an. Sie erinnerte sich an die Zeit, als Gäbelein den Verein übernahm: "Wir haben damals arg gekämpft, dass du Vorstand geworden bist."

Für jeden Geehrten hatte der Chef ein Sprüchlein parat. Wer einen Verein so lang führt, der kennt halt seine Leute. Am Anfang war Hans Gast an der Reihe, "der Schdaametz schlechthin" in Herzogenaurach, der den "Kreuzschlaafer" restauriert hat. Und vor ihm Klaus Süß, der vielen Bürgern als Vorbeter bei der Wallfahrt bekannt ist. Eine wichtige Rolle bei diesen Wallfahrten nimmt auch Heinz Frenzel ein, als "Blasendoktor".

Auch der Haundorfer Bäckermeister und Himalaya-Bergsteiger Josef Polster bekam eine Ehrung für 25 Jahre Vereinstreue. Ihn hat Gäbelein damals beim Fußballspielen in der Kabine überzeugt, dem Verein beizutreten. Der Sepp bestätigte das augenzwinkernd: "Das war mehr oder weniger aus Zwang."

Zuvor war Klaus-Peter Gäbelein bei den Neuwahlen als Erster Vorsitzender bestätigt worden. Er geht in sein 32. Jahr an der Spitze des Vereins. 1982 begann seine Amtszeit. Ebenso unverändert bleibt der Rest der Mannschaft, allerdings kündigt sich eine Verjüngung an. Gäbelein jedenfalls möchte einen Nachfolger aufbauen, sagte er. Neu im Gremium ist Christian Kindler, der die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.

Eingangs hatte der Vorsitzende über ein Jahr berichtet, das reich an Veranstaltungen war. Information, Unterhaltung und Exkursionen gehören dazu. Immer wieder gut angenommen werden die Vorträge des oberfränkischen Bezirksheimatpflegers Günter Dippold. Er habe sich auch im Oktober wieder angesagt. Wenn's klappt, ist er dann Bürgermeister von Lichtenfels. Eine Pilzwanderung mit Hans Krautblatter fand zahlreiche Teilnehmer, der jüngste Fan war sechs Jahre. Ein besonderer Höhepunkt im närrischen Jahr der Stadt sei der Heimatverein-Fasching beim Heller.

Verzichten will man heuer auf das Mariensingen im Liebfrauenhaus, nachdem die Teilnehmerzahl immer kleiner geworden ist. Anders angenommen wurde die Führung durch Herzogenauracher Innenhöfe, die keiner kennt. Das wird wieder angeboten.

Kassenwart Ulrich Neuner berichtete von einer gesunden Finanzlage. Der Verein habe ein Vermögen von fast 30 000 Euro. Als Ausgaben seien in diesem Jahr der Stadtschreiber, eine Spende für die evangelische Kirche und die Renovierung der Sebastianfigur an der Marienkapelle vorgesehen. Internet-Beauftragter Walter Drebinger stellte fest, dass die Homepage des Vereins sehr gut angenommen wurde. 2013 habe man 150 000 Klicks verzeichnet.

Keine Versammlung ohne Blumen. Die brauchte der Vorsitzende vielfach an diesem Abend. Unter anderem auch für das Wirtsehepaar. Wenn es einen Bratwurst-Award in Herzogenaurach gäbe, dann ginge der an die Hellers, sagte Gäbelein obendrein.

Von der Qualität der Hellerschen Bratwürste überzeugte sich auch der musikalische Gast Walter Tausendpfund aus Pegnitz. Der frühere Gymnasiallehrer und Träger des "Frankenwürfels" mag auch in seinen Gedichten die Wirtshäuser gern, wie er zum Ausklang der Veranstaltung auch dokumentierte: "Da schdimmd einfach die Weld. Wos willsd mehr?"



Vorstand Erster Vorsitzender Klaus-Peter Gäbelein, Zweiter Vors. Stephan Wirth, Dritter Vors. Herbert Dummer, Schriftführer Helmut Schmidt, Schatzmeister Ulrich Neuner, Kassenprüfer Isolde Kräck und Stefan Lehner, Internet Walter Drebinger, Öffentlichkeitsarbeit Christian Kindler, Beisitzer Christa Peetz, Gundi Müller, Rita Bauer, Helmut Fischer und Daniel Frötsch.

Geehrte Für 40 Jahre Hilde Tiedemann. Für 25 Jahre Heinz Frenzel, Marga Trummer, Juliane Daßler, Bernhard Panzer, Manfred Dennl, Gertraud Fischer, Hans Gast, Karl Pech, Klaus Süß, Brigitte Wirth, Helene Wellein, Josef Polster sowie folgende Personen, die nicht anwesend waren: Horst Ploner, Peter Mundl, Adolf Fischer, Helga Fischer, Theo und Eleonore Marabini, Hans G. Walz, Maria Fischer, Hanni Erhardt, Josef Erhardt, Rudi Kolb, Berta Köhler, Günter Steininger, Dittmar Walz, Johanna Winkelmann.