Hat nur noch gefehlt, dass die Fragen zum Rekordumsatz der Ball höchstpersönlich beantwortet. Weil Brazuca zwar einen eigenen Twitter-Account mit mittlerweile über 2 Millionen Followern hat, aber nicht sprechen kann, musste Herbert Hainer, der Vorstandschef von Adidas, in die Bresche springen und durfte beim Medientag in der "World of Sports" stolz verkünden: "Wir werden das Umsatzziel von 2 Milliarden Euro in diesem Jahr definitiv erreichen - erstmals in der Geschichte unserer Firma. Wir sind und bleiben die führende Fußballmarke."

Brazuca - der Name soll das brasilianische Lebensgefühl umschreiben und wurde bei einer Online-Abstimmung von den Fans festgelegt - hat neben den Trikots an diesem Erfolg maßgeblichen Anteil. Über 14 Millionen Bälle will die Sportartikelfirma aus Herzogenaurach verkaufen, das wäre rund eine Million mehr als bei der vergangenen WM 2010. Natürlich sind damit nicht ausschließlich die rund 130 Euro teuren Matchbälle gemeint, sondern alle Produkte aus der großen Brazuca-Familie. Die umfasst rund 30 Mitglieder verschiedenster Preise und Größen, wie Vizepräsident Markus Baumann erklärt - von der günstigen Mini-Kugel über das Replique-Produkt bis hin zum perfekten Original-Ball.

Aber das ist nur ein Grund, warum für Adidas der Ball der Star ist - oder wie es Marketing-Direktor Tom Ramsden ausdrückt: "das Juwel in unserer Krone". Im Kern geht es um die Sichtbarkeit der Marke, um die Allgegenwart der drei Streifen. Neun Mannschaften rüstet das Sport-Unternehmen aus, 300 Spieler hat es unter Vertrag, doch garantiert im Endspiel dabei ist - abgesehen von den Schiedsrichtern in einem weniger markenprägenden Adidas-Outfit - nur der Ball.

Finale mit Deutschland?

Ohne Häme verweist Hainer auf Marco Reus, bekanntlich das junge, deutsche Gesicht des örtlichen Konkurrenten Puma: "Wegen einer Verletzung kann er nicht dabei sein und fehlt damit als Werbeträger. Wir fahren stattdessen eine mehrgleisige Strategie." Und dafür ist es entscheidend, den Status als Sponsor, Ausrüster und Lizenznehmer der WM zu behalten. Kritik an der Politik des Weltverbandes Fifa und der Vergabe der WM 2022 an Katar, wird deshalb vom Adidas-Chef so schnell nicht zu hören sein. Schon eher ein Finaltipp mit zwei Adidas-Teams: Argentinien gegen Deutschland. Mit dabei dann der goldene Final-Brazuca - vielleicht kann er bis dahin sogar sprechen.

Das steckt hinter den WM-Produkten mit den drei Streifen

Zweieinhalb Jahre hat sich Adidas für die Entwicklung von Brazuca Zeit gelassen. "Es ist der am meisten getestete Ball", erklärt Innovations-Chef Antonio Zea. Neben vielen Profis und ganz normalen Kickern kam dabei auch der "Robo-Leg" zum Einsatz, der es ermöglicht, den Ball immer wieder im gleichen Winkel und mit der gleichen Kraft zu treffen. Längst tüfteln die Entwickler an den Bällen der Zukunft. Zwar fliege und springe Brazuca nun genau so, wie "wir es wollen", aber es gebe auch noch die "psychologische Seite", sagt Zae und meint damit, wie sich der Spieler mit Material und Design des Balls fühlt. Schließlich solle er das Produkt "lieben". Daran werde weiter gearbeitet.