So lange hat der Dornröschenschlaf gar nicht gedauert. Knapp zehn Wochen, nachdem das "Downtown" in der Kellergasse etwas unfreiwillig seine Pforten schloss, konnte der Hausbesitzer Heinrich Dollinger jetzt bereits einen Nachfolger vorstellen. Und versichern: Erneute Beschwerden der Nachbarn werde es nicht wieder geben.
Denn das neue Konzept entspreche vollauf seinen Wünschen. Mittags und abends ein Speiselokal, danach dann der gemütliche Ausklang bei Wein oder Cocktail an der Bar. Und im Sommer bis 23 Uhr im Garten. Aber keine langen und lauten Nächte mehr, das hatte sich Dollinger gewünscht.

Der neue Pächter heißt Giovanni Freni. Er ist gebürtiger Franke mit sizilianischem Blut in seinen Adern. Und er ist Koch und Wirt aus Leidenschaft. Der 44-Jährige möchte die traditionelle sizilianische Küche nach Herzogenaurach bringen. Natürlich weiß er, dass es schon mehrere gute Italiener an der Aurach gibt.
Einer von ihnen, Sebastiano Cardelli (SC-Nord-Sportheim), ist sein Freund. Die Familien der Beiden stammen aus Süditalien, keine 30 Kilometer voneinander entfernt. Aber er weiß auch, dass man sich dennoch ergänzen kann.

Authentische Küche

"Pizza gibt es bei mir nicht", sagt Freni und verweist auf das "Entweder oder". Er habe sich für Pasta und die traditionelle Küche Süditaliens entschieden. Und für echte Hausmannskost, die den Namen auch verdient. "Es soll schmecken wie bei Mama", sagt er und ergänzt: "Die Küche muss authentisch sein". Deshalb bringt er auch einen Koch aus Sizilien mit. Der kann zwar noch kein Wort deutsch, aber das muss er eben lernen, meint Freni. Den Begriff Hausmannskost nimmt Freni, der früher einmal mit Immobilien sein Geld verdiente und seit sechs Jahren in der Gastronomie ist, wörtlich. "Wenn Sie das bei mir auf der Speisekarte lesen, dann hab ich die Nudeln auch selbst gerollt", betont er.

Pasta al forno soll's dann beispielsweise geben, "unser Sonntagsessen", mit einer Menge Zutaten und recht deftig und üppig, schwärmt der Koch schon jetzt. Und auch mittags wird, zu kleineren Preisen versteht sich, für die Berufstätigen italienisch gekocht. Bratwürste oder Schnitzel gibt's auch da nicht.

Anfang Mai will der "fränkische Sizilianer", der in Alterlangen lebt, das Lokal eröffnen. Es soll "Ferraú" heißen, mit der Betonung auf dem letzten Buchstaben, was an einen mittelalterlichen Ritter erinnert, der in Sizilien verehrt wird. Das Lokal erhält dann noch den Zusatz "Osteria-Bar". An den Namen wird sich Heinrich Dollinger sicher schnell gewöhnen, wie seine Partnerin Gerda Prokop flachste. "Dem Heinrich sein Vorfahr ist auch ein Raubritter", sagte sie und spielt auf einen Zeitgenossen an, dem man in Regensburg angeblich sogar einen Dollinger-Saal eingerichtet hat. Der Ritter Ferraú hingegen ist nur eine Kunstfigur, in den Köpfen der Leute entstanden, wie Freni berichtet.

Dollinger kaufte 2005

Auf Dollingers Lokal stieß der neue Pächter, der zum Pressetermin von seiner Lebensgefährtin Steffi Haustein begleitet wurde, eher zufällig. Ein Bekannter, der bei Schaeffler arbeitet, habe ihn darauf hingewiesen, dass da jemand gesucht werde. Mit dem benachbarten Bistro Kreisl hingegen habe er aber schon in Gesprächen gestanden. Große Veränderungen will Freni im Lokal gar nicht durchführen, der Ursprungscharakter soll erhalten bleiben. Und mit den Nachbarn hat der neue Wirt auch schon gesprochen. "Der gute Wille ist da", sagt Hausbesitzer Dollinger und schlägt vor, dass man doch eine Willkommensfeier für die Nachbarn machen könnte. "Aber ich will da natürlich nicht dreinreden".

Das "Central" in der Kellergasse, das schon einen gewissen Kultstatus erreicht hat, gibt es seit Jahrzehnten. Mitte der 80-er Jahre hatte es Jochen Jonas, das war für Dollinger das Highlight. Dann betrieb Rainer Porsche einen gut gehenden Pub und 2005 kaufte Nachbar Dollinger das Anwesen.
Frenis Zusage hat dem Besitzer gefallen. "Ich will keine Szenekneipe", sagte er. "Ich möchte dauerhaft bestehen". Mit regionaler italienischer Küche kann so etwas durchaus gelingen. Giovanni Freni führte bereits ein Lokal in Messina und arbeitete in verschiedenen italienischen Lokalen in Deutschland. Zuletzt kochte er in der Mensa der Uni Erlangen.