Ein Jahr des Friedens rief Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm am Neujahrsempfang der Stadt aus und bezog sich dabei auf das Gedenken an 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges. Keine der geplanten Großveranstaltungen konnten wegen der Pandemie abgehalten werden. Einzig die Höchstadter Gelöbniswallfahrt um den Erhalt des Friedens fand unter strengen Hygieneschutzmaßnahmen statt.

Auch am 8. Mai, dem eigentlichen Gedenktag zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, stand der Bürgermeister alleine vor dem Ehrenmal am Heldenfriedhof. Ganz sang- und klanglos sollte deshalb der diesjährige Volkstrauertag jedoch nicht über die Bühne gehen. In der Stadtpfarrkirche fanden 140 Personen Platz, um der Opfer der Kriege, der Gewalt und des Terrors zu gedenken.

Besinnlich und hoffnungsvoll

Die stimmungsvolle Musik durch Reinhard Döring an der Orgel passte sich der Zusammenkunft an: besinnlich und doch hoffnungsvoll. In seiner Ansprache bezog sich Stadtpfarrer Kilian Kemmer auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die Gott jedem Menschen gratis schenkt. Dazu gehört auch das Talent des Friedens und der Friedfertigkeit. Umgekehrt stellte Kemmer fest, dass es nicht nur ein unsichtbares, Menschenleben gefährdendes Virus gibt, sondern eine Kraft des Unfriedens, die Menschen in ihren Bann zieht.

Kemmer erinnerte an die rund 150 kriegerischen Auseinandersetzungen in aller Welt, die auch vor dem europäischen Kontinent in der Ukraine, in Armenien, Aserbeidschan und Berg Karabach nicht Halt machen. Aber auch "die Aussaat von Hass und Gewalt in den sozialen Medien schüre den Unfrieden, "genauso wie persönliche Konflikte im familiären oder beruflichen Alltag das Talent des Friedens vergraben".

Zweiter Bürgermeister Günther Schulz erinnerte in der am Ende des Gottesdienstes gehaltenen Gedenkansprache an die historischen Daten des Jahres 2020 und zeigte sich dankbar für den äußeren Frieden zu Gunsten von Demokratie und Rechtstaatlichkeit. Schulz würdigte das Wirken der Polizei, der sozialen Berufe und der Bundeswehr zum Erhalt des Friedens.

Deutliche Kritik

Hart ins Gericht ging Günther Schulz mit den Anti-Corona-Demonstrationen, die den inneren Frieden gefährden und aus egoistischen und ideologischen Gründen dem Rechtsstaat schaden würden, obwohl dieser das Demonstrationsrecht schützt.

Dritter Bürgermeister Axel Rogner sprach zum Schluss die alljährliche Würdigung des Volkstrauertages. Ohne Zug zum Heldenfriedhof, ohne Stadtkapelle und Fahnenabordnungen und ohne öffentliche Teilnahme fand nur ein stilles Gedenken am Heldenfriedhof statt. Die Bevölkerung war eingeladen, in diesem Jahr während des Tages das Denkmal zu besuchen, wo am Abend noch eine kurze Andacht als "Auszeit" stattfand.

Besonders erfreulich war die große Teilnahme von jungen Familien mit Kindern, die im Pfarrsaal zum Volkstrauertag auf kindgerechte Weise das Thema "Hab keine Angst" im Kindergottesdienst bedachte.