Die Frage beschäftigt viele Eltern: Wann muss ich mein Kind für einen Krippen- oder Kindergartenplatz anmelden? In Metropolen wie Berlin oder München kann das nicht früh genug geschehen. Aber auch auf dem "flachen Land" ist es nicht immer einfach, wie in Schlüsselfeld, der prosperierenden Stadt im Steigerwald, deutlich wird.

Erfolgreiche Unternehmen

In dem gerne auch als "Steigerwaldmetropole" bezeichneten Städtchen scheint der "Run" auf die begehrten Betreuungsplätze derzeit ziemlich groß. Das liegt nach den Worten des Bürgermeisters Johannes Krapp (CSU) an den sehr erfolgreichen Schlüsselfelder Unternehmen, die in letzter Zeit enorm gewachsen seien. Sie würden viele junge Familien anziehen. Die Stadt verzeichne daher in letzter Zeit einen "überdurchschnittlichen Zuzug".

Für einen Bürgermeister sei das natürlich sehr erfreulich. Rein rechtlich gesehen halte Schlüsselfeld die gesetzlichen Anforderungen an die Betreuungsplätze ein, sagt Krapp im Gespräch mit dem FT. Allerdings stünden die Plätze insbesondere in den Kindergärten in Reichmannsdorf und Aschbach zur Verfügung. Er verstehe durchaus, dass Eltern ihre Kinder in Einrichtungen am Wohnort betreut haben möchten, so Krapp.

Allerdings sieht er bisher bei den "Regelgruppen", also den ab dreijährigen Kindern, in Schlüsselfeld keinen Mangel an Plätzen. "Wenn wir ein Problem haben, dann bei den Krippenplätzen", sagt das Stadtoberhaupt. Der Bedarf sei leicht höher als die vorhandenen Plätze. Das Stadtratsgremium habe die Situation erkannt und schnell gehandelt. Bereits Ende 2019 sei beschlossen worden, an den katholischen Kindergarten Sankt Johannes eine weitere Regelgruppe und eine Krippengruppe anzubauen.

Behelfsweise Gruppe eingerichtet

Schnell gehandelt haben die Stadtväter auch, um die Zeit bis zur Fertigstellung des Neubaus zu überbrücken. In der nahen Stadthalle wurde behelfsweise eine vierte Regelgruppe eingerichtet. Endstand sollen in Schlüsselfeld - nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus - vier Regelgruppen und drei Krippengruppen sein.

Der Anbau werde unter der Trägerschaft der Stadt errichtet. Derzeit laufen Gespräche und Krapp hofft, dass die Kirchenstiftung auch nach der Erweiterung weiterhin die Betriebsträgerschaft übernimmt. Ziel sei, dass der Anbau im Herbst 2022 bezugsfertig ist. Wobei das Stadtoberhaupt wegen der aktuellen Pandemie bei Zeitplänen immer etwas skeptisch ist.

Beschwerden von Eltern, dass sie keinen Platz für ihr dreijähriges Kind bekommen haben, seien ihm bislang nicht zu Ohren gekommen. Gerade das ist es jedoch, was eine junge Schlüsselfelderin, die ihr derzeit sechs Monate altes Baby für das Alter von drei Jahren im Kindergarten angemeldet hat, bemängelt. Trotz des "Vorlaufs" von zweieinhalb Jahren konnte ihr kein Platz fest zugesichert werden, sagt die junge Mutter. Es gebe sogar Frauen, die noch nicht mal die Hälfte der Schwangerschaft hinter sich haben und ihr Kind schon anmelden.

Kinderzahl wächst

"Ja, die Hütte brennt", sagt auf Nachfrage Rosi Bickel. Die Leiterin der katholischen Kindertagesstätte Sankt Johannes muss derzeit viele Aufgaben unter einen Hut bringen. Neben den ohnehin schwierigen Corona-Auflagen muss sie die Unterbringung der wachsenden Schlüsselfelder Kinderzahl in Kindergarten und Krippe managen. "Momentan kann ich es noch händeln", sagt Bickel. Die Crux sei jedoch, dass es aufgrund des Zuzugs kaum möglich sei, zu planen. Eine Abfrage im Sommer 2019 habe wenig gebracht. Die Fragebögen seien bei vielen Eltern einfach liegen geblieben. Zudem laufe die Genehmigung für die Gruppe in der Stadthalle Ende 2022 aus.

Nicht sicher planen kann die Kita-Leiterin auch wegen der so genannten "Korridor-Kinder". Das sind die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September eines Jahres geborenen Kinder. Den Eltern stehe es frei, ihre Sprösslinge einzuschulen oder ein weiteres Jahr in der Kita zu belassen. Verständlich, wenn Rosi Bickel angesichts des "Newsletters" der Regierung der Hut hoch geht: "Sie werden an der Basis schon eine Lösung finden", war mit Blick auf die Corona-Auswirkungen im Schreiben der Regierung zu lesen.