Karin K. (Name geändert) und Rick Falkvinge kennen sich nicht. Und das ist sicher gut so. Falkvinge ist Schwede und im Grude Urvater der Piratenpartei. Der hat Anfang der Woche gefordert, dass der Besitz von kinderpornografischem Material straffrei sein sollte. Karin K. kann so etwas nicht verstehen. Sie ist die Mutter eines zehnjährigen Jungen, der durch einen Mann sexuell angegangen wurde, der wiederum 50 000 Bilder und 400 Videos mit Kinderpornos sein Eigen nannte.

Diesem 30-jährigem Angeklagten saß sie als Nebenklägerin am Amtsgericht Neustadt an der Aisch nun gegenüber. Der Angeklagte, der, würde es nach dem Willen des Piraten Rick Falkvinge gehen, zumindest was den Besitz der Bilder angeht, straffrei aus dieser Sache herauskommen würde.

Doch der Wunsch des Piraten ist (noch) nicht erfüllt - der Angeklagte erhielt einen fairen Prozess und ein der Sache angemessenes Urteil. Gut eine Stunde beriet die dem Schöffengericht vorsitzende Richterin Martina Gundel-Stieb über das Urteil.

50 000 Bilder allein 2010


Dass der Angeklagte zu bestrafen sei, war klar. Er hatte sich im Jahr 2010 über 50 000 Bilder im Internet heruntergeladen, die aus "normaler" Sicht abstoßende und abscheuliche Inhalte widerspiegelten. Kinder wurden darauf, so Staatsanwalt Hans-Christoph von Toysen in seiner Anklage, in unterschiedlichen aufreizenden Posen ebenso gezeigt wie bei sexuellen Handlungen. Alleine, miteinander, mit Erwachsenen. Und besonders widerwärtig - Säuglinge, die misshandelt wurden.

Diese Bilder hatte der Angeklagte nicht nur gesammelt, sondern in 47 Fällen Fotos weitervermittelt. Ebenso hatte er Bilder zum Download auf einer Internet-Plattform bereit gestellt. Somit war zum einen der Besitz kinderpornografischen Materials zu bestrafen sowie die Verbreitung desselbigen, aber damit nicht genug: Ein weiterer Anklagepunkt war der Grund, warum Karin K. mit im Sitzungssaal saß.

Kontakt beim Gang zur Toilette


Denn der Angeklagte hatte mindest bei einer Gelegenheit den zehnjährigen Buben an dessen Geschlechtsteilen berührt und hatte sich von dem Jungen ebenfalls an seinem Glied streicheln lassen. Passiert sei dies bei einem Gang auf die Toilette, bei dem, so der Angeklagte, "der Junge aus Neugier gefolgt sei". Auf diese Neugier schob er auch den Grund des Anfassens. "Es war im Grunde ein 'Längenvergleich' - nicht mehr." Er gab aber zu, dass er bemerkt habe, dass es dem Kind nicht gefiele und unangenehm sei und habe daher die Handlung eingestellt. Nicht klar war es, ob es bei dem einmaligen Versuch blieb oder es auch andere Gelegenheiten gegeben hat.

"Ja, ich bin pädophil veranlagt", erklärte der 30-Jährige, der ein umfassendes Geständnis zu Beginn der Sitzung abgelegt hatte. Er wisse darum und sei bei der Nürnberger Stadtmission seit Anfang des Jahres in Therapie.

Über den Beginn der "Sammelleidenschaft" der Bilder wollte das Gericht dennoch mehr wissen. Wie es denn dazu gekommen sei? Warum so viele Bilder? "Das Internet hat den Zugang einfach gemacht", erläuterte der Beschuldigte. Der Neuvertrag mit einem Telefonanbieter im Jahr 2010 sei der Ursprung des Ganzen gewesen. "Ich habe einen Chat dabei gehabt und bin dort auf die Menschen gestoßen, die sich in dem Bereich der Kinderpornografie tummelten." Dann habe er das eine oder andere Bild geschickt bekommen und sei erregt gewesen. Über die "richtigen" Tauschbörsen habe er das Herunterladen von Bildern professionalisiert.

Ganze Archive habe er regelrecht heruntergeladen, gab er zu. "Mich haben aber die Säuglinge nie interessiert, es waren schon die älteren Kinder", erklärt der junge Mann vor Gericht. Dass es dann zu dem Vorfall mit dem Sohn der befreundeten Familie gekommen war, "ist ganz großer Mist gewesen". Er entschuldigte sich bei der Familie.

Diese und das Geständnis führten zum Urteil: Zwei Jahre - auf Bewährung, die drei Jahre dauern wird, sowie 5000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. So der Spruch im Namen des Volkes.