In der Lonnerstadter Mühle von Paul und Regina Bruckmann können interessierte Bürger heute noch erleben, wie in vergangenen Jahrhunderten Wasserkraft genutzt wurde, um Getreide in Mehl zu verwandeln. Paul Bruckmann und Sohn Felix beherrschen dieses traditionelle Müllerhandwerk noch.

Genau dieses Handwerk hat die UNESCO jüngst zum "Immateriellen Kulturerbe" erklärt, um es zu würdigen und für nachfolgende Generationen zu erhalten. Wie man bei der Unesco festgestellt hat, halten bundesweit von ehemals 50 000 nur noch rund 50 Mühlen das traditionelle Müllerhandwerk am Leben. Nur mehr in diesen wenigen Mühlen, die als Antriebstechnik Wind- oder Wasserkraft nutzen, wird die alte Technik gepflegt. Die Lonnerstadter Mühle gehört zu diesem erlesenen Kreis.

Paul Bruckmann ist stolz darauf, mit seinem Müllerhandwerk jetzt ein Teil des Immateriellen UNESCO-Kulturerbes zu sein. Eine finanzielle Unterstützung ist mit der Auszeichnung übrigens nicht verbunden. Eher im Gegenteil: Die Antriebstechnik soll wie früher funktionieren und die Wasserkraft direkt auf die Welle übertragen. Bruckmann muss das Müllerhandwerk verstehen und sein Wissen weitergeben.

Verkehrsfähiges Vollkornmehl

Gefordert wird von der UNESCO schließlich auch, dass in der alten Mühle noch ein "verkehrsfähiges Produkt" hergestellt wird, das auch vermarktet werden kann. Bei den Bruckmanns ist das Vollkornmehl. Dabei soll es aber nicht bleiben. Mittelfristig plane man einen Mühlenladen mit regionalen Produkten, sagt Bruckmann.

2009 hat die Familie die im Jahr 1440 erstmals erwähnte Lonnerstadter Mühle gekauft, um sie zu restaurieren. Für den gelernten Müllermeister, Müllerei- und Mühlenbautechniker Bruckmann war dies eine Herausforderung, die er mit voller Kraft anging und auch zum Erfolg führte. Das denkmalgeschützte Anwesen mit Mühle und benachbartem Wohnhaus wurde inzwischen schon mehrmals ausgezeichnet.

Dass das traditionelle Müllerhandwerk bei den Bruckmanns auch weiterhin gepflegt wird, dafür will Sohn Felix sorgen. Er wurde an der Technikerschule in Braunschweig zum Mühlenbautechniker ausgebildet, plant und baut jetzt in dem Lonnerstadter Familienbetrieb zusammen mit seinem Vater moderne Mühlen.

Immaterielles Kulturerbe

Dazu zählen laut UNESCO Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste und auch Handwerkskünste. Das Kulturerbe ist lebendig und wird von menschlichem Wissen und Können getragen.