Die Ortseinwohner befürchten vor allem Lärmbelästigungen. "Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen", rief Lonnerstadts Bürgermeister Theo Link (CSU) am Donnerstagabend aufgebracht in die Runde und erhielt dafür allgemeine Zustimmung. Bei einer Informationsveranstaltung zur geplanten Erweiterung der Tank- und Rastanlage Steigerwald stießen die Referenten der Autobahndirektion Nordbayern auf erheblichen Widerstand aus der Ailsbacher Bevölkerung. Dabei hatte der Abend recht harmonisch begonnen.

Rund 80 interessierte Bürger tummelten sich in und vor der Maschinenhalle auf der Hirtenhöhe, manche von ihnen fanden nicht einmal mehr Platz. Während eines halbstündigen Vortrags wollten Baudirektor Stephan Blauth und sein Ingenieur-Kollege Bernhard Dittrich die Ailsbacher von der Notwendigkeit einer Erweiterung überzeugen und mögliche Bedenken zerstreuen. "Keine Frage wird unbeantwortet bleiben", versprach schließlich nicht nur Gemeindeoberhaupt Link, der die Veranstaltung initiiert hatte.

Zunächst gab Stephan Blauth jedoch einen anschaulichen Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung der rund einen Kilometer von Ailsbach entfernten Raststätte Steigerwald. Seit 1966 in Betrieb, habe sich seither bautechnisch auch nicht mehr viel getan. Vor allem die Lkw-Problematik habe aber inzwischen unakzeptable Ausmaße angenommen. "Die Lastwagen parken jeden Zentimeter zu, sodass es kein Durchkommen mehr gibt", weiß Otto Tröppner von der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt. Genau wie viele der Anwesenden führt der tägliche Weg des Weingartsgreuther an der Raststätte vorbei. Auch die Verantwortlichen der Autobahndirektion sind sich dieser Tatsache bewusst und wollen dem Problem nun schnellst möglich entgegenwirken.

Auch Platz für Busse


Durch zweijährige Umbauarbeiten sollen ab dem Jahr 2014 insgesamt 30 neue Lkw-Stellplätze auf der Nordseite sowie weitere 143 auf der Südseite der Rastanlage geschaffen werden. Auch Plätze für Busse und Schwertransporter sind geplant. Die Anzahl der ohnehin ausreichend vorhandenen Parkplätze für Pkw wird im Gegenzug verringert. Die Lkw-Überlastung, insbesondere während der Nachstunden, sowie daraus resultierende Unfälle sollen so in Zukunft vermieden werden.

Äußerst ausführlich behandelte der Referent auch die größte Sorge vieler Anwohner: die Lärmsituation. So führe die geplante Erweiterung nach ersten Prognosen der Autobahndirektion zu einer Erhöhung der Dezibelzahl um 1,9. Dennoch sei der Wert um 47 Dezibel deutlich unter der für Wohngebiete maximal zumutbaren Zahl - aus rechtlicher Sicht.

"Alles in Allem sehen wir keine Veranlassung für besonderen Lärmschutz", betonte Stephan Blauth in seinem Vortrag. Den präsentierten Zahlen nicht so recht Glauben schenken möchten Christine Schrade und Ursula Schöffel. Die beiden Ailsbacherinnen stehen dem geplanten Umbau nicht nur skeptisch gegenüber, sondern sind "absolut dagegen". Der tatsächliche und unter anderem durch Windverhältnisse beeinflusste Lärm ist ihrer Meinung nach keineswegs absehbar. Und mehr noch: "Die Kühlaggregate der Lkws sind viel lauter als die Fahrzeuge selbst", hieß es beispielsweise aus der Runde. Neben der unvorhersehbaren Lärmbelästigung sei auch die Belastung der Umwelt unzumutbar. "Hier wird immer mehr zubetoniert", beschwert sich Christine Schrade. Sie kann nicht verstehen, warum ausgerechnet der kleine Lonnerstadter Ortsteil unter dem Defizit an Lkw-Stellplätzen leiden soll. Schließlich lägen Rasthöfe in Haidt und Aurach in unmittelbarer Nähe.

Leere Gewerbeflächen nutzen


Auch die Sorge um zunehmende Kriminalität kam bei den Anwesenden zum Ausdruck. "Nachts könnten beispielsweise Parkplätze auf leeren Gewerbeflächen genutzt werden", schlägt Ursula Schöffel deshalb vor. Auch die oftmals sehr hohen Gebühren auf Privatparkplätzen sollten die Verantwortlichen doch nochmals überdenken. Völlig auf die Seite seiner Bürger schlug sich Bürgermeister Theo Link. Er eröffnete die Fragestunde des Abends mit heftigen Protesten gegen die geplante Erweiterung. "Auch wenn ich die Notwendigkeit anerkenne, ist das Vorhaben überdimensioniert", schimpft das Gemeindeoberhaupt. Er kritisiert vor allem die "undurchdachte" Toiletten-Situation. So kämen auf 192 Lkw-Stellplätze nicht wie zunächst geplant drei WCs, sondern lediglich ein einziges Exemplar.

Die Gefahr von "Wildpinklern" sieht nicht nur Theo Link. Viele Bürger des kleinen Orts fürchten, die Entwässerungssituation könne sich durch die Erweiterung schon bald zuspitzen. Blauth versprach daraufhin: "Wir sind bemüht, wenig an der bisherigen Abflusssituation in Ailsbach zu ändern". Schließlich werde ein Großteil des Abwassers aus der Tank- und Rastanlage auch weiterhin nach Weingartsgreuth und in die Wachenrother Kläranlage geleitet.

Um die erhitzen Gemüter dennoch zu beruhigen, betonte Baudirektor Blauth mit Nachdruck: "Ein Austausch über diese Problematik wird noch erfolgen - das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen".

23 Hektar Fläche nötig


Insgesamt besteht für den geplanten Ausbau ein Flächenbedarf von 23 Hektar. Die errechneten Kosten belaufen sich derzeit auf rund 28 Millionen Euro. Auf ein Planfeststellungsverfahren der Regierung von Mittelfranken wird die Auslegung entsprechender Unterlagen in den betroffenen Gemeinden erfolgen. Ab diesem Zeitpunkt können Bedenken und Anregungen nochmals formgerecht eingebracht werden. Am Ende eines langwierigen Prozesses sieht aber nicht nur die Autobahndirektion Nordbayern eine Genehmigung des Baus. "Wir werden ihn nicht verhindern können", prophezeit Christine Schrade schon jetzt. Dennoch werde man zumindest gegen die Schaffung einer solch hohen
Anzahl an Stellplätzen protestieren.

Auf lange Sicht betrachtet möchte man schließlich verhindern, den "Erholungs- und Grundstückswert" sinken zu lassen. Nach einer Ortsbegehung für alle interessierten Bürger am 3. August, wird im September eine ähnliche Infoveranstaltung im benachbarten Weingartsgreuth stattfinden. Ob der Widerstand hier geringer ausfallen wird, ist jedoch fraglich.